Missglückte Militärübung in Erding„Nicht informiert, nicht in Kenntnis gesetzt“

Lesezeit: 3 Min.

Nach der Schießerei war der Ort des Vorfalls zwischenzeitlich zur Spurensicherung großräumig abgesperrt.
Nach der Schießerei war der Ort des Vorfalls zwischenzeitlich zur Spurensicherung großräumig abgesperrt. (Foto: Karl-Josef Hildenbrand/dpa)
  • Bei einer Bundeswehr-Übung in Erding schießen am Mittwochabend Soldaten und Polizisten aufeinander, ein Soldat erleidet einen Streifschuss.
  • Die Stadt Erding wurde über die Übung "Marshal Power" nicht informiert, weshalb Oberbürgermeister Gotz von einem "Kommunikationsdesaster" spricht.
  • Die Großübung läuft trotz des Vorfalls wie geplant bis 29. Oktober weiter. Trainiert wird das Szenario eines Angriffs auf einen Nato-Mitgliedsstaat.
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Erdings Oberbürgermeister spricht nach dem Chaos bei einer Großübung der Bundeswehr im Ort von einem „Kommunikationsdesaster“. Er fordert für künftige Übungsmanöver eine bessere Beteiligung der betroffenen Kommunen.

Von Regina Bluhme und Florian Zick, Erding

Nach der schief gegangenen Bundeswehr-Übung in Erding am Mittwochabend ist man im örtlichen Rathaus immer noch bestürzt über das „Kommunikationsdesaster“. Oberbürgermeister Max Gotz (CSU) wandte sich am Donnerstag mit einer kurzen Ansprache auf Instagram an die Bevölkerung.

Kurz nach 18 Uhr am Mittwoch sei er durch den örtlichen Stadtbrandinspektor informiert worden. „Schießerei in Altenerding – eine Nachricht, die einen fassungslos macht“, sagte Gotz. Und weiter: „Ich möchte Sie wissen lassen, dass die Stadt Erding nicht informiert wurde, dass die Stadt Erding nicht in Kenntnis gesetzt wurde.“

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Wer wen nicht informiert und nicht in Kenntnis gesetzt hat – genau das ist der Hauptteil bei der Aufarbeitung des Vorfalls, bei dem ein Soldat einen Streifschuss erlitten hatte. Ein sehr glimpflicher Ausgang, wenn man bedenkt, dass am Mittwochabend an der Hohenlindener Straße im Ortsteil Altenerding Soldaten und Polizisten aufeinander geschossen haben.

Wie es dazu überhaupt kommen konnte, wird immer noch ermittelt. Anwohner hatten einen bewaffneten Mann gesichtet. Dieser stellte sich später als Teilnehmer der groß angelegten Bundeswehr-Übung „Marshal Power“ heraus. Dass diese stattfindet, war den Behörden zwar bekannt. Die Polizei hat nach eigenen Angaben zu diesem Zeitpunkt aber noch nicht mit entsprechenden Bewegungen von bewaffneten Militärs auf der Straße gerechnet. Sie rückte deshalb mit einem Großaufgebot an – was die Soldaten wiederum für einen Teil der Übung hielten. So kam es zu dem Feuergefecht.

Von einer „Fehlinterpretation vor Ort“ sprachen das zuständige Polizeipräsidium Oberbayern-Nord und die Bundeswehr im Nachgang. Im Erdinger Rathaus empfindet man diese Erklärung als dürftig. Das Vorgehen der Verantwortlichen nannte Oberbürgermeister Gotz „schwierig“. Wenn Bundeswehr und Polizei ein solches Übungsmanöver planen, dann hätten sie „uns wenigstens vertraulich informieren können“. So seien die Anwohner, aber auch die Stadt der Situation völlig ausgeliefert gewesen.

„Schießerei“ – man müsse auch überlegen, was da den Leuten im Kopf herumgegangen sei, sagt der OB

Dass ein junger Soldat verletzt worden ist: „Furchtbar“, sagt Gotz. Aber auch den alarmierten Rettungskräften sei beim Einsatzgrund „Schießerei“ natürlich bange gewesen, ebenso den Kindern und Jugendlichen, die von einem nahen Trainingsplatz in eine Turnhalle in Sicherheit gebracht worden waren. Und auch an deren Eltern müsse man denken und daran, was diesen im Kopf herumgegangen sein müsse, so Gotz.

„Das Ganze wirft natürlich Fragen auf“, so der Erdinger Oberbürgermeister. Fragen, die die Stadt jetzt sammeln und an die Zuständigen richten werde, an die Bundeswehr und auch an die Polizei. Erding werde sich dafür einsetzen, dass im Rahmen der Beteiligung von Kommunen eine „angebrachte Kommunikation aufgebaut und auch durchgeführt wird“.

Am Freitagnachmittag meldete sich dann Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) zu Wort, konnte aber auch keine Erklärung liefern, wie es zu dem Vorfall kommen konnte. Herrmann sprach nur allgemein von offensichtlich mangelhafter Kommunikation. „Wir werden jetzt sehr zeitnah gemeinsam mit der Bundeswehr und den zuständigen Behörden prüfen, wo die Kommunikationswege verbessert werden müssen. So ein Vorfall darf sich nicht noch einmal ereignen“, sagte Herrmann laut einer Mitteilung seines Ministeriums.

Dieser Vorfall wird intensiv gemeinsam aufgearbeitet.
Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU)

Der Innenminister ist oberster Dienstherr der bayerischen Polizei.„Dieser Vorfall wird intensiv gemeinsam aufgearbeitet, um diese Zusammenarbeit auch in Zukunft fortzuführen und weiter zu stärken“, fuhr Herrmann fort. Die Bevölkerung müsse über Übungen der Bundeswehr und der Polizei im öffentlichen Raum frühzeitig und transparent über die Kommunen informiert werden. „Wir prüfen derzeit genau, warum dies in diesem Fall offenbar nicht ausreichend geschehen ist und wie wir die Informationskette in Zukunft verbessern können“, sagte Herrmann.

Die Übung „Marshal Power“, an der nach Informationen des Spiegel auch US-Soldaten beteiligt sind, läuft unterdessen weiter. Das Operative Führungskommando hatte am Donnerstag zwischenzeitlich zwar auch erwogen, unter den gegebenen Umständen das Manöver abzubrechen. Nun soll es jedoch wie geplant bis 29. Oktober weiterlaufen.

Bei der Großübung soll im Großraum München, Regensburg, Landshut, Erding und auch Eichenried für das Szenario eines Angriffs auf einen Nato-Mitgliedsstaat trainiert werden – auch im öffentlichen Raum. Neben dem Verteidigungsfall geht es bei diesen Übungen auch um eine bessere Zusammenarbeit zwischen Bundeswehr und Behörden.

Die Bundeswehr hatte schon vor dem Vorfall am Mittwochabend auf ihrer Internetseite erklärt: „Alle Übungsaktivitäten sind im Vorfeld mit den zuständigen Kommunen und Behörden abgestimmt.“ Aber der Fall Erding zeigt: Da gibt es offenbar auch noch deutliches Verbesserungspotenzial.

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