Süddeutsche Zeitung

Entscheidung über Bleiberecht:Wie Krumbach für eine Philippinerin kämpft

  • Die Philippinerin Gloria Yosores zog vor vier Jahren ins schwäbische Krumbach, heiratete einen Deutschen und ist gut in dem Ort integriert.
  • Ihr Mann verließ sie und den Sohn zwei Monate, bevor Yosores ein alleiniges Aufenthaltsrecht bekommen hätte - prompt wurde ein Abschiebungsbescheid angeordnet.
  • Der Petitionsausschuss des Bayerischen Landtags sprach sich nun einstimmig dafür aus, den Fall erneut an die Härtefallkommission zu überweisen.

Von Sarah Kanning

Ein positiver Beschluss

"Herz schlägt sehr", sagt Gloria Yosores und legt sich eine Hand aufs Revers ihrer eleganten grauen Weste. Sie lächelt. "Ich bin sehr froh." Denn seit Mittwoch gibt es wieder Hoffnung, dass die 46-jährige Philippinerin und ihr neunjähriger Sohn Joseph Benedict in Deutschland bleiben können. Am Mittwoch sprach sich der Petitionsausschuss des Bayerischen Landtags einstimmig dafür aus, den Fall Yosores erneut an die Härtefallkommission zu überweisen. Mindestens bis zu deren Entscheidung ist die Familie aus Krumbach nicht von einer Abschiebung bedroht.

Eine Unterstützerin hat Tränen der Rührung in den Augen. Denn eine positive Entscheidung der Kommission würde ein Ende der Sorgen und Ängste bedeuten, mit denen die Familie die vergangenen Monate lebte. Voraussichtlich im Februar soll der Fall verhandelt werden. Die Unterstützer sind siegessicher. Doch Gloria Yosores sieht man die Anspannung der vergangenen Wochen an:

Einen Tag vor Weihnachten sollte die Philippinerin, die vor vier Jahren ins schwäbische Krumbach gezogen war und dort einen Deutschen geheiratet hatte, zusammen mit ihrem Sohn abgeschoben werden. Denn der Ehemann verließ die Familie im Jahr 2013 - genau zwei Monate, bevor Gloria Yosores ein alleiniges Aufenthaltsrecht bekommen hätte. Gleich darauf meldete der Mann seine Trennung beim Landratsamt, die prompt einen Abschiebungsbescheid anordnete. Die angerufene Härtefallkommission trug die Entscheidung mit: Yosores sollte Deutschland verlassen.

Von wem Mutter und Sohn unterstützt werden

Dass sie dennoch an diesem Mittwoch im Bayerischen Landtag steht, wo ihr Fall erneut verhandelt wird, haben Gloria und Joseph Yosores einem engagierten Zirkel aus Freunden, Ehrenamtlichen und vielen Unterstützern zu verdanken. Josephs Hortleiterin Maria Wagner beispielsweise, die nicht wegschaute, sondern den Elternbeirat alarmierte, als sich die Mutter ihr anvertraute. Oder Natalie Tews, deren Onlinepetition bis Donnerstagmittag fast 95 000 Menschen unterzeichneten.

Doch auch Politiker von CSU, SPD und Grünen machten sich für die Familie stark und setzten sich dafür ein, den Fall erneut zu diskutieren: "Man muss die Integrationsleistung berücksichtigen", sagt Martin Neumeyer, Integrationsbeauftragter der Bayerischen Staatsregierung (CSU) im Ausschuss. "Frau Yosores spricht Deutsch, sie macht eine Ausbildung zur Altenpflegerin, also in einem Mangelberuf, der Sohn geht hier zur Schule." Die Unterstützung in Krumbach sei "riesengroß".

Ihre Abschiebung wäre "unmenschlich und unnötig"

Das sei beim vergangenen Termin der Härtefallkommission so vielleicht nicht wahrgenommen worden. "Jemanden, der so gut integriert ist, abzuschieben, ist unmenschlich und auch unnötig", sagte der SPD-Landtagsabgeordnete Harald Güller, der sich im Petitionsausschuss für eine Reform der Aufenthaltstitel-Vergabe aussprach.

Der Fall Yosores ist einer von nur einer Handvoll Fällen, die zweimal von der Härtefallkommission verhandelt wurden. Die bisherigen Entscheidungen fielen alle positiv aus.

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SZ vom 29.01.2015/vewo
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