Entführung in Nigeria:Terroristen halten Mann aus Bayern gefangen

Eberhard N. baute in der nigerianischen Stadt Gombi eine Schule auf, bei den Bewohnern war er beliebt. Als der 69-Jährige von Terroristen entführt wurde, versuchten sie noch, ihn zu befreien - das war vor fast fünf Monaten. In seiner Heimat ist die Bestürzung groß.

Von Sarah Kanning

Seit fast fünf Monaten hält die Dschihadistengruppe Boko Haram in Nigeria einen Deutschen gefangen. Es handelt sich um den 69-jährigen ehemaligen Soldaten Eberhard N. aus Kaufbeuren im Allgäu. Er hatte in der Stadt Gombi im Bundesstaat Adamawa eine Technische Schule für Jugendliche aufgebaut. In dieser bildete er Schreiner, Elektriker, Mechaniker aus, ähnlich wie an einer Berufsschule. In einem Video erzählt die Terrororganisation von der Entführung. Der Anführer Abubakar Shekau drohte, man könne den Mann töten.

In Kaufbeuren ist man bestürzt: "Ich bin sehr betroffen", sagte Oberbürgermeister Stefan Bosse. Er habe erst am Donnerstag von der Entführung Eberhard N. erfahren und kenne die Familie nicht persönlich. Doch über die Hilfsorganisation Humedica, die ihren Sitz in Kaufbeuren hat, seien ihm die Krisen der Welt immer sehr präsent.

Wie N. befreit werden soll, ist unklar

Eberhard N. war nach bisherigen Erkenntnissen selbstständig in Nigeria unterwegs gewesen, hatte immer acht Wochen dort verbracht und war dann ins Allgäu zurückgekehrt, um sich zu erholen. Das Auswärtige Amt äußerte sich nicht zu den Vorfällen. Experten gehen davon aus, dass ein Krisenstab eingerichtet wird, der die gewaltlose Befreiung des Mannes erreichen will.

Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) hatte den Fall schon bei seinem Besuch in Nigeria im Oktober angesprochen. Denn Boko Haram gilt als extrem gefährlich: Allein in diesem Jahr tötete die Organisation bei Anschlägen und Angriffen auf Polizei, Armee, Kirchen und Schulen mehr als 3000 Menschen. Immer wieder entführt sie Ausländer, darunter im Januar 2012 einen deutschen Bauingenieur. Der Mann wurde Wochen später bei einer missglückten Befreiungsaktion getötet.

Hilfe aus der eigenen Tasche

Eberhard N. war offenbar bekannt und beliebt in Gombi, vor allem weil er den Bewohnern half, die Bohrlöcher für die Wasserversorgung zu reparieren - und das oft mit seinem eigenen Geld.

Als ihn am 16. Juli etwa zehn Männer von Motorrädern aus mit vorgehaltenen Gewehren zwangen, mit ihnen zu kommen, verfolgte eine Bürgerwehr die Angreifer. Sie konnte den Deutschen aber nicht befreien. Im Bundesstaat Adamawa gilt wegen Boko Haram der Ausnahmezustand. N. hatte bis 1999 bei der Technischen Schule der Luftwaffe 1 im Kaufbeurer Fliegerhorst gearbeitet.

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