Energiewende:Wechselstrom

Höchstspannungs-Erdkabel für die Energiewende

Bauarbeiten für unterirdische Höchstspannungsleitungen in Nordrhein-Westfalen.

(Foto: Roland Weihrauch/dpa)

Tennet übernimmt Bau der Süd-Ost-Passage von Amprion

Von Christian Sebald

Die Netzbetreiber Tennet und Amprion haben sich darauf verständigt, dass Tennet auch den bayerischen Abschnitt der Gleichstrompassage Süd-Ost errichten und betreiben wird. Das haben die Unternehmen jetzt bekannt gegeben. Bisher stand nur fest, dass Tennet für den Bau und Betrieb der Gleichstromtrasse Sued-Link verantwortlich sein wird. Der Grund für die Übernahme der Süd-Ost-Passage durch Tennet ist nach Worten einer Unternehmenssprecherin ihr neuer Endpunkt bei Landshut. "Er liegt in unserem Netzgebiet", sagte sie. "Deshalb ist es nur sinnvoll, dass wir für die Süd-Ost-Passage zuständig sind." Ursprünglich sollte die Stromautobahn nach Gundremmingen führen, wo Amprion Netzbetreiber ist. Nach massiven Protesten gegen diese Variante setzte die Staatsregierung Mitte 2015 gegenüber der Bundesregierung den neuen Endpunkt bei Landshut durch.

Die beiden Stromautobahnen werden im Zuge der Energiewende nötig. Nach der Abschaltung der bayerischen Atomkraftwerke sollen sie einmal Unmengen an Windstrom aus Norddeutschland in den Freistaat transportieren. Beide Leitungen waren in der Bevölkerung höchst umstritten, weil dafür neue breite Schneisen in die Landschaft geschlagen werden sollten. Viele Gegner befürchteten, dass die Stromautobahnen direkt durch ihre Ortschaften oder in nächster Nähe verlaufen sollten. Etliche Kritiker, unter ihnen auch der Bund Naturschutz, forderten die Staatsregierung auf, komplett auf die Stromautobahnen zu verzichten und auf eine dezentrale Stromversorgung Bayerns zu setzen. Lange schien auch Ministerpräsident Horst Seehofer die Stromautobahnen für verzichtbar zu halten. Letztlich gab er dann aber doch gegenüber Bundeskanzlerin Angela Merkel und Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel nach und akzeptierte die umstrittenen Projekte. Seine Bedingung: Sie sollen zum größten Teil als Erdkabel verlegt werden. Damit wollte Seehofer zumindest der Kritik der Gegner der bislang vom Bund favorisierten Freileitungen Rechnung tragen. Außerdem setzte er durch, dass große Teile Frankens und Schwaben von der Süd-Ost-Passage verschont bleiben - indem sie nun durch die Oberpfalz hindurch in die Region Landshut verlegt wird.

Bei Tennet warten sie nun gespannt darauf, wann die Bundesnetzagentur ihnen die neuen planerischen Vorgaben für die Süd-Ost-Passage liefern wird. "Der zentrale Punkt ist die Übereinkunft, dass sie größtenteils unterirdisch verlaufen soll", sagte die Sprecherin. "Alle bisherigen Planungen bezogen sich auf Freileitungen, sie haben sich deshalb komplett überholt." Selbst der Untersuchungsraum für den Trassenverlauf muss neu festgelegt werden. "So lange er nicht feststeht, können wir noch überhaupt nichts sagen", erklärte die Sprecherin. "Wir müssen gleichsam ganz von vorne anfangen." Zugleich versprach sie, die Bevölkerung von Beginn an in die Planungen einzubinden. "Wir haben das ja auch schon bei der Sued-Link-Trasse gemacht, und zwar weit im Vorfeld des Genehmigungsverfahrens", sagte sie. "So werden wir das auch in Zukunft handhaben." Bayerns Wirtschaftsministerin Ilse Aigner begrüßte die Verständigung der Netzbetreiber über die Süd-Ost-Passage. Sie sei zuversichtlich, dass das Projekt nun rasch vorankomme.

© SZ vom 29.01.2016
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