Energiewende:Stillstand bei der Windkraft

In Bayern werden immer weniger Anlagen genehmigt

Die Genehmigung neuer Windkraftanlagen dürfte demnächst in Bayern gegen null gehen. Nach Angaben des Bundesverbands Windenergie (BWE) sind zwischen Januar 2017 und November 2017 an den bayerischen Landratsämtern nur vier Anträge für den Bau neuer Windräder eingereicht worden. Im Spitzenjahr 2013 waren es 400, sagte der Chef des BWE-Landesverbands Bayern, Raimund Kamm, am Donnerstag. "Bayern macht sich immer abhängiger von Energie- und demnächst sogar Stromimporten", beklagte der vormalige Grünen-Landtagsabgeordnete. "Dabei könnte Bayern etwa ein Drittel seines Strombedarfs sauber und preiswert decken, wenn auf nur zwei Prozent der Landesfläche an geeigneten Stellen Windkraftanlagen geplant würden."

Im vergangenen Jahr sind im Freistaat 92 neue Windräder ans Netz gegangen, sie kommen zusammen auf eine Leistung von 261 Megawatt. Damit drehten sich Ende 2017 in Bayern 1153 Windräder. Ihre Gesamtleistung beträgt 2439 Megawatt, sie entspricht rechnerisch der Leistung von beinahe zwei großen Atomreaktoren. Diese Bilanz klingt aus Sicht des BWE sehr viel besser, als sie tatsächlich ist. Denn damit war der Ausbau der Windkraft in Bayern im dritten Jahr rückläufig. Nun werde er praktisch komplett enden. Der Grund sei das bayerische Abstandsgesetz 10H. Es schreibt seit Ende 2014 vor, dass der Abstand zwischen neuen Windrädern und der nächsten Wohnsiedlung mindestens das Zehnfache der Anlagenhöhe betragen muss. Bei einer Standardhöhe moderner Windräder von inzwischen 200 Metern sind das zwei Kilometer Abstand.

Einst war Bayern deutscher Vorreiter bei der Nutzung der erneuerbaren Energien. Inzwischen rangiere der Freistaat dabei nur noch im letzten Drittel der Bundesländer, sagt Kamm. Dieser schlechte Platz sei in erster Linie den Versäumnissen des Freistaats beim Ausbau der Windkraft geschuldet. Dabei können hochmoderne Windräder nach BWE-Angaben auch in Bayern Windstrom zu Kosten von nur fünf bis sieben Cent je Kilowattstunde erzeugen.

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