Energiewende:Sieben neue Solarparks

Klimapaket im Kabinett

Ein Meer von Sonnenkollektoren: Solarpark bei Fesselsdorf

(Foto: David Ebener/dpa)

Die Photovoltaik-Anlagen, die im Freistaat entstehen sollen, könnten zusammen 12 000 Haushalte mit Strom versorgen

Von Christian Sebald

In Bayern können demnächst sieben große Solarparks errichtet werden. Bei der jüngsten Ausschreibung der Bundesnetzagentur für Photovoltaik-Freiflächenanlagen erhielten fünf Projekte aus Franken und je eines aus Ober- und aus Niederbayern Zuschläge. Zusammen haben die sieben Solarparks eine Leistung von 47 Megawatt. Sie werden einmal ungefähr 42 Millionen Kilowattstunden Strom im Jahr erzeugen. Das ist so viel, wie ungefähr 12 000 Vier-Personen-Haushalte verbrauchen. Das Ergebnis ist in mehrfacher Hinsicht überraschend. Es ist das erste Mal, dass sich bayerische Projekte in einem solchen Wettbewerb durchgesetzt haben, immerhin war es schon die vierte Ausschreibung. Außerdem erzielte Bayern mit sieben Zuschlägen das beste Ergebnis. Auf Rang zwei folgt Brandenburg mit sechs Zuschlägen. Gemessen an der Gesamtleistung der Projekte kommt der Freistaat auf Rang zwei. Hier hat Brandenburg mit knapp 49 Megawatt die Nase vorne.

Die Resonanz in der Photovoltaik-Szene fällt gemischt aus. Hans-Josef Fell nannte das Ergebnis einen Beleg dafür, "dass der Ausbau weit hinter seinen Möglichkeiten und Notwendigkeiten zurückbleibt". Der frühere Grünen-Bundestagsabgeordnete aus dem unterfränkischen Hammelburg, der als einer der Väter des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) gilt, ist Sprecher der Arbeitsgemeinschaft bayerischer Solarinitiativen. Die EEG-Reform 2014 habe das Ziel gehabt, den Ausbau der Photovoltaik massiv einzubremsen, erklärte Fell, die aktuelle Ausschreibung zeige, dass er praktisch gestoppt sei.

Martin Stümpfig, energiepolitischer Sprecher der Landtags-Grünen, urteilt nicht ganz so hart. "Ich freue mich, dass verhältnismäßig viele bayerische Projekte den Zuschlag erhalten haben", sagt er, "aber ich bin nicht erfreut darüber, dass der Ausbau der Sonnenenergie insgesamt immer mehr zum Erliegen kommt." Die sieben Solarparks, die jetzt in Bayern errichtet werden dürfen, seien "lächerlich" angesichts der früheren Zahlen. "Für eine erfolgreiche Energiewende braucht Bayern Stümpfig zufolge "mindestens das 20-fache an Solarleistung - jährlich".

Tatsächlich ist der Ausbau der Photovoltaik in Bayern wie in Deutschland eingebrochen - ganz so, wie es der erklärte Wille der schwarz-gelben Koalition und der großen Koalition bei den EEG-Reformen 2012 und 2014 war. So wurden 2014 nur noch knapp 20 500 Photovoltaikanlagen in Bayern installiert. Im Boomjahr 2010 waren es mit 103 000 fünfmal so viele. Ähnlich dramatisch ist der Einbruch bei der Gesamtleistung der neu gebauten Anlagen: Sie betrug 2015 gerade mal 300 Megawatt, 2010 waren es 2551 Megawatt. Diese Parameter sind der Grund für die gemischten Reaktionen der Photovoltaik-Unterstützer. Gemessen am Zubau im Jahr 2015 bringen die sieben zu errichtenden Solarparks einen deutlichen Schub nach vorne. Gemessen am Maßstab von 2010 ist das aber mau.

Gleichwohl bleibt der Freistaat im bundesweiten Vergleich die Nummer eins bei der Photovoltaik. Knapp 10,4 Milliarden Kilowattstunden Sonnenstrom produzierten die 486 000 Solarstrom-Anlagen in Bayern im Jahr 2014. Das sind zwölf Prozent des gesamten Strombedarfs hier, mehr als doppelt so viel wie vor fünf Jahren. Damit rangiert die Photovoltaik hinter der Wasserkraft auf Rang zwei der erneuerbaren Energien - laut Staatsregierung soll sich ihr Anteil bis 2025 noch einmal verdoppeln. Dann soll Solarstrom 25 Prozent des Strombedarfs decken.

Experten wie Stümpfig halten dieses Ziel nicht nur für zu wenig ambitioniert. Sie bezweifeln auch, ob es angesichts des restriktiven Kurses auf Bundes- wie auf Landesebene erreicht werden kann. Laut der Agentur für Erneuerbare Energien wurden 2015 in Deutschland Photovoltaik-Anlagen mit einer Gesamtleistung von knapp 1500 Megawatt neu gebaut. Das Ziel der Bundesregierung sind aber 2400 bis 2600 Megawatt pro Jahr. Die Ursachen der großen Diskrepanz sind, so sagen Stümpfig und andere Experten, die permanenten Absenkungen der Vergütung, der Zwang zur Direktvermarktung bei großen Anlagen und weitere Restriktionen. Sie zweifeln daran, dass Ausschreibungen die Lücke schließen können.

© SZ vom 21.04.2016
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