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Energiewende:Nur acht neue Windräder

Branchenverband verlangt Kurswechsel der Staatsregierung

Die Windkraft-Branche fordert einen Neustart des Ausbaus der Windkraft in Bayern. Nur so werde man die Klimaschutzziele erreichen können, die sich Deutschland gesetzt hat, heißt es in einer Erklärung des Branchenverbands BWE Bayern. Außerdem sei der Neustart Voraussetzung für eine preiswerte und sichere Energieversorgung des Freistaats. Bis 2030 sieht der BWE in Süddeutschland (Bayern, Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz und Saarland) einen Bedarf von etwa 400 neuen Windrädern pro Jahr. "Auf Bayern bezogen sind das 140 Anlagen im Jahr", sagt BWE-Sprecher Bernd Wust. "Also gerade mal zwei pro Landkreis und Jahr."

Mit seiner Erklärung reagiert der BWE auf den Brief, den Ministerpräsident Markus Söder (CSU) und sein baden-württembergischer Kollege Winfried Kretschmann (Grüne) unlängst in Sachen Energiewende an Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) geschrieben haben. Mit Blick auf den angekündigten Kohleausstieg fordern die Länderchefs "ein schlüssiges Gesamtkonzept, wie die Stromversorgung künftig verlässlich, sicher, umweltfreundlich und bezahlbar gestaltet werden kann". Söder und Kretschmann kritisieren, "dass in der bisherigen Debatte wichtige Belange Süddeutschlands mit seinen industriellen Zentren zu kurz kommen". Sie fordern, den Bau der beiden bereits beschlossenen Stromautobahnen SuedLink und SuedOstLink zu beschleunigen. Außerdem müsse der Ausstieg aus Kohle und Atomkraft "von einem Einstieg in flexible Gaskraftwerke und -turbinen begleitet werden". Gaskraft müsse endlich faire Rahmenbedingungen bekommen, fordert Söder.

Aus Sicht des BWE ist Söders und Kretschmanns Vorstoß zu kurz gesprungen. Zwar mahne Söder zu Recht ein Gesamtkonzept des Bundes an. Aber zugleich habe der Freistaat selbst versäumt, ein Konzept für die Energiewende in Bayern vorzulegen. "Energiepolitisch hat nicht nur der Bund Nachholbedarf", kritisiert Wust. Vor allem bei der Windkraft wirft der BWE der Staatsregierung schwere Versäumnisse vor. Sie sei neben der Fotovoltaik "der größte und wichtigste Baustein einer klimafreundlichen Stromversorgung". In Bayern sei mit Einführung der 10 H-Abstandsregel im Jahr 2014, nach der neue Windräder wenigstens zwei Kilometer von der nächsten Siedlung entfernt sein müssen, der Ausbau der Windkraft "auf heute nahezu Null zurückgefahren worden". Tatsächlich wurden im Freistaat 2018 nur acht neue Windräder errichtet. Damit rangiert Bayern im Ländervergleich auf dem viertletzten Platz. Nur Bremen, Hamburg und Berlin schneiden noch schlechter ab.

Die neuen Gaskraftwerke, die Söder fordert, sind aus Sicht des BWE allenfalls eine Übergangstechnologie. Langfristig taugten sie nicht für eine klimafreundliche CO₂-freie Stromerzeugung, sie machten Bayern überdies abhängig von Gasimporten. Das Entscheidende aus Sicht des BWE ist aber, das Strom aus Gaskraftwerken preislich nicht gegen die Windkraft konkurrieren könne. Die Produktion einer Kilowattstunde Strom aus Gaskraft koste acht bis zehn Cent, die Kosten einer Kilowattstunde Windstrom bezifferte das Fraunhofer-Institut für solare Energiesysteme 2018 auf vier bis etwa acht Cent - bei weiter sinkender Tendenz.