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Energiewende:Auf einem Baggersee entsteht Deutschlands erstes schwimmendes Solarkraftwerk

  • Auf einem Baggersee in Eggelstetten in Nordschwaben sollen 32 schwimmende Solarinseln Strom erzeugen.
  • Das Solarkraftwerk ist das erste seiner Art in Deutschland.
  • Der dort erzeugte Strom wird nicht in das Stromnetz eingespeist, sondern an das angrenzende Kieswerk geliefert.

Von Christian Sebald

Natürlich sind die 32 schwimmenden Solarinseln, die demnächst auf einem Baggersee in Eggelstetten in Nordschwaben installiert werden, nur ein winziger Beitrag zur Energiewende. Aber, so sagt Johannes Strasser vom Beratungsbüro Energy Forever, es könnte ein durchaus richtungsweisender sein: Das schwimmende Solarkraftwerk ist das erste seiner Art in Deutschland. Und es gibt so viele Baggerseen, dass das Eggelstettener Beispiel mit etwas gutem Willen schnell Schule machen könnte. Allein im Kreis Donau-Ries, wo Eggelstetten liegt, summiert sich ihre Fläche auf 400 Hektar. "Da ist also einiges Potenzial vorhanden", sagt Strasser.

Strasser, 72, von 1986 bis 2003 SPD-Abgeordneter im Landtag und danach als Berater in Sachen Energiewende unterwegs, hat mit dem Kiesabbauunternehmer Oliver Klauser lange an dem Konzept für das Kraftwerk getüftelt. 2016 präsentierten sie den Prototyp. Die 32 schwimmenden Inseln, die sie jetzt installieren, bestehen aus Beton, sie sind sehr flach und an ein ebenfalls schwimmendes Kiesförderband angedockt. Jede Insel ist knapp 19 Quadratmeter groß, sodass zehn extrem flach geneigte Solarmodule auf sie passen. Insgesamt erzeugt das gut 600 Quadratmeter große Solarkraftwerk etwa 89 000 Kilowattstunden Sonnenstrom im Jahr.

Der Sonnenstrom vom Baggersee wird nicht in das Stromnetz eingespeist, er wird an das angrenzende Kieswerk geliefert. Der Kiesunternehmer Klauser spart dadurch künftig 15 000 Liter Diesel pro Jahr für einen Stromgenerator ein. Die Selbstversorgung eines Kieswerks oder anderer an Baggerseen oder Trinkwassersperren angrenzenden Anlagen und Gebäude ist für Strasser denn auch das große Potenzial, das in den schwimmenden Solarinseln steckt. "Unser Eggelstettener Kraftwerk nimmt gerade mal 0,2 Prozent der knapp 30 Hektar großen Seeoberfläche ein", sagt er. "Aber es deckt fast 15 Prozent des Energiebedarfs des Kieswerks."

Auf den Baggersee selbst habe die neue Anlage kleinerlei negative Auswirkungen. "Die Solarinseln ragen nur minimal aus dem Wasser heraus", sagt Strasser. "Sie fügen sich sehr gut in das Landschaftsbild ein, schon aus relativ geringer Entfernung fallen sie kaum noch auf." Auch die Fischwelt in den Baggerseen trage keine Schäden davon. Im Gegenteil: Die Module auf der Seeoberfläche würden das Wasser etwas verdunkeln. Dadurch kühle sich Wassertemperatur ab, was wiederum einer übermäßigen Algenbildung vorbeuge und die Wasserverdunstung reduziere. Für die Solarmodule sei das vergleichsweise kühle Wasser in Baggerseen und Trinkwassersperren sogar ein Vorteil, sagt Strasser. "Denn in kühler Umgebung ist ihre Leistung deutlich höher als in einer warmen."

In anderen Länden gibt es denn auch längst schwimmende Solarkraftwerke - zum Teil gigantische. Auf einem Trinkwasserspeicher nahe London ging 2016 eine Anlage in Betrieb, die 5,8 Millionen Kilowattstunden Sonnenstrom im Jahr liefert, so viel, wie 1800 Haushalte verbrauchen. Von der Konzeption solcher Anlagen ist Strasser noch weit entfernt. Aber ihm liegen schon Anfragen für weitere vor, nicht nur aus Bayern, sondern auch aus Hessen, Rheinland-Pfalz und anderen Bundesländern.

© SZ vom 05.05.2017/eca
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