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Energiewende in Bayern:AKW Grafenrheinfeld soll früher vom Netz

AKW Grafenrheinfeld

Derzeit sind noch neun Atomkraftwerke in Deutschland am Netz, sie sollen schrittweise bis 2022 stillgelegt werden.

(Foto: dpa)

Eon bringt Schwarz-Rot bei der Energiewende in Bayern in Bedrängnis: Das AKW Grafenrheinfeld soll bereits Ende Mai 2015 stillgelegt werden - sieben Monate früher als geplant.

Das bayerische Atomkraftwerk (AKW) Grafenrheinfeld soll bereits Ende Mai 2015 stillgelegt werden. Damit würde das AKW sieben Monate früher vom Netz gehen als von der Bundesregierung geplant. Das teilte der Düsseldorfer Energiekonzern Eon am Freitag mit.

SPD, Grüne und Umweltschützer begrüßten die Ankündigung des Stromversorgers. Grünen-Fraktionschef Ludwig Hartmann sagte am Freitag in München: "Wenn durch eine vorzeitige Stilllegung Kosten für die Sicherung der Netzstabilität anfallen, ist das verkraftbar. Für die Bevölkerung entfällt dafür das Risiko eines nicht beherrschbaren Atomunfalls in dem veralteten Atomkraftwerk."

Die energiepolitische Sprecherin der SPD-Fraktion, Natascha Kohnen, forderte Wirtschaftsministerin Ilse Aigner zum schnellen Handeln auf. "Während die ersten Atomkraftwerke vom Netz gehen, wissen die Menschen in Bayern immer noch nicht, woher der Strom morgen kommen soll", erklärte sie. Hubert Weiger, der Vorsitzende des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland, teilte diese Bedenken nicht: "Die Abschaltung von Grafenrheinfeld ist längst überfällig. Auch ohne das Atomkraftwerk ist die Versorgungssicherheit gewährleistet", sagte er.

Auch Experten gehen nicht von Versorgungsproblemen aus, betonten aber stets, dass vor einer Abschaltung eigentlich die Thüringer Strombrücke fertiggestellt sein müsse. Über sie soll als Ersatz für den Atomstrom vor allem Windstrom aus dem Osten nach Bayern geleitet werden.

Die Stilllegungsanzeige für Grafenrheinfeld ist laut Eon der Bundesnetzagentur und dem Netzbetreiber Tennet übermittelt worden. Hält die Bundesnetzagentur die Anlage für systemrelevant, kann die Abschaltung nicht erlaubt werden. Dann müsste Eon für den Weiterbetrieb des AKW eine finanzielle Entschädigung bekommen. Die Kosten würden auf die Strompreise umgelegt, also die Verbraucher.

Der für Süddeutschland verantwortliche Netzbetreiber Tennet betonte, bisher gebe es keine Hinweise darauf, dass die frühere Abschaltung nicht handhabbar sei. "Aktuell gehen wir davon aus, dass eine vorzeitige Stilllegung des Kernkraftwerks Grafenrheinfeld die Versorgungssicherheit in den Monaten bis zum eigentlich vorgesehenen Laufzeitende des Kraftwerks im Dezember 2015 nicht gefährdet", sagte Tennet-Geschäftsführer Martin Fuchs.

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Nach der Reaktorkatastrophe im japanischen Fukushima waren 2011 nach einem Beschluss des Bundestags acht Atomkraftwerke vom Netz gegangen. Derzeit sind noch neun Atomkraftwerke in Deutschland am Netz, sie sollen schrittweise bis zum Jahr 2022 stillgelegt werden. Grafenrheinfeld sollte als nächstes Kraftwerk eigentlich erst Ende 2015 abgeschaltet werden. Die 1345-Megawatt-Anlage erzeugte 2013 nach Angaben des Deutschen Atomforums 10 246 Gigawattstunden Strom.

Die vorzeitige Abschaltung dürfte auch Thema beim Energiegipfel der Ministerpräsidenten mit Kanzlerin Angela Merkel (CDU) am kommenden Dienstag sein.

© Süddeutsche/dpa/amm
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