Energiewende Die Stromautobahn kommt

Zu einer Demonstration gegen die Pläne des Netzbetreibers Tennet am Donnerstagfmorgen in München kamen nur wenige Teilnehmer.

(Foto: Alessandra Schellnegger)

Netzbetreiber Tennet konkretisiert vor Politikern die Planungen für den SuedOstLink. Die Ablehnung der höchst umstrittenen Trasse lässt zusehends nach - nur einige Lokalpolitiker halten ihre Gegenwehr aufrecht.

Von Andreas Glas und Christian Sebald

Tanja Schweiger ist unzufrieden. "Alle wählen grün und plötzlich geht es mit der Axt durch den Wald und es spielt keine Rolle", sagt die Regensburger Landrätin über den Trassenkorridor, den der Netzbetreiber Tennet in ihrem Landkreis bevorzugt. Westlich von Wiesent soll die Trasse entlangführen. "Viel Wald" gebe es da, sagt Schweiger (Freie Wähler), und "viele Bodendenkmäler", die nun in Gefahr seien. Sie kündigt an, weiterhin gegen die Stromtrasse zu kämpfen, zusammen mit den Gegnern in den betroffenen Gemeinden. "Wir werden alle Einspruchsmöglichkeiten, die wir haben, auch nutzen."

Am Dienstag hat der Netzbetreiber Tennet vor Landtagsabgeordneten und oberpfälzischen und niederbayerischen Kommunalpolitikern die sogenannten vertiefenden Planungen für den Abschnitt D des SuedOstLinks vorgestellt. Das Teilstück zwischen dem oberpfälzischen Pfreimd und Essenbach bei Landshut ist das letzte der Stromautobahn, die einmal vom sachsen-anhaltinischen Wolmirstedt nach Niederbayern führen und dort im Umfeld des Atomkraftwerks Isar enden wird. Der Grund für die Wahl des Endpunkts ist, dass dort bereits die Leitungen vorhanden sind, um den aus Norddeutschland ankommenden Windstrom weiter zu verteilen. Wenn die Stromautobahn in Betrieb geht, ist das AKW längst abgeschaltet. Mit dieser Präsentation hat Tennet einen wichtigen Zwischenschritt geschafft.

Zu einer Demonstration gegen die Pläne des Netzbetreibers Tennet am Donnerstagfmorgen in München kamen nur wenige Teilnehmer.

(Foto: Alessandra Schellnegger)

Die jetzigen Planungen umfassen mehrere Varianten für den tausend Meter breiten Korridor, in dem einmal der SuedOstLink verlegt werden soll. Wie im nördlichen Abschnitt C zwischen Hof nach Pfreimd soll er auch bis Landshut auf gesamter Länge als Erdkabel verlegt werden. Tennet favorisiert die in der Grafik schwarz markierte Strecke. Die größte Herausforderung im Abschnitt D ist die Unterquerung der Donau. Alle bisherigen Voruntersuchungen hätten ergeben, dass sie bewerkstelligt werden kann, heißt es bei Tennet. Der Vorzugskorridor unterquert die Donau bei Pfatter - also vergleichsweise weit entfernt von der Walhalla nahe Donaustauf. Damit ist die Kritik von Bürgerinitiativen entkräftet, dass die Stromautobahn den denkmalgeschützten Monumentalbau von König Ludwig I. beeinträchtigen könnte. Für den SuedOstLink sollen nach jetzigem Planungsstand zwei 320-Kilovolt-Leitungen 1,5 bis zwei Meter tief im Erdreich und in einem Abstand von fünf bis acht Metern verlegt werden. Damit wird die SuedOstLink-Trasse einmal 15 Meter breit sein. Für die Bauarbeiten wird jedoch ein 30 Meter breiter Streifen gebraucht. Derzeit werden mit Hochdruck extrem leistungsstarke 525-Kilovolt-Kabel entwickelt. Sollten sie für die Stromautobahn verwendet werden können, wäre nur eine Leitung nötig.

Bis zum Beginn der Bauarbeiten ist es noch weit. Als nächstes prüft die Bundesnetzagentur die bisherigen Planungen. Von Mai an werden die Unterlagen im Internet veröffentlicht. Im Herbst können sich Anwohner, Kommunen und Fachstellen äußern. Erst danach entscheidet sich die Bundesbehörde für den endgültigen Korridor, in dem die Stromautobahn einmal verlaufen wird. Das förmliche Genehmigungsverfahren soll im Frühjahr 2020 starten. Zum Jahreswechsel 2021/2022 sollen die Bauarbeiten anlaufen. Frühestens 2025 geht der SuedOstLink in Betrieb. Der Zeitplan ist freilich sehr sportlich kalkuliert.

Gleichwohl zeigte die Tennet-Präsentation am Dienstag, dass die Umsetzung der einst höchst umstrittenen Stromautobahnen planmäßig fortschreitet. Der heftige Widerstand ist inzwischen praktisch erloschen. Selbst Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger (FW), der die Proteste lange Zeit lautstark angeführt hat, hat seine Kritik deutlich zurückgefahren. Einzig Lokalpolitiker wie die Regensburger Landrätin Schweiger, die Aiwangers Lebensgefährtin ist, protestieren noch. Auch der Regensburger Freie-Wähler-Landtagsabgeordnete Tobias Gotthardt sprach von einer "höchst unsensiblen Entscheidung". Wie Schweiger hält er unterirdische Stromleitungen grundsätzlich für die falsche Idee. "Diese Trasse braucht kein Mensch", schrieb Gotthardt auf Twitter. Eine Kundgebung gegen die Tennet-Pläne am Donnerstag in München war sehr überschaubar.