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Elmau:Schwarzbau neben dem G-7-Tagungshotel

Auf der Elmauer Alm sollte das Gruppenfoto der Staatschefs beim G-7-Treffen gemacht werden. Der illegale gläserne Aufbau bringt die Pläne in Gefahr.

(Foto: blue pics)
  • Die Kritik an Dietrich Müller-Elmau wächst: Diesmal geht es um eine Berggaststätte in der Nähe des G-7-Tagungshotels.
  • Die Alm hat einen gläsernen Aufbau - der offenbar nicht genehmigt wurde. Verantwortlicher Bauherr ist Müller-Elmau.
  • Während Kritiker harte Kritik an dem Hotelier üben, fühlt sich dieser als Opfer einer Hetzkampagne.
  • Die Gegner des G-7-Gipfels bemühen sich unterdessen weiter, Flächen zum campen zu bekommen - offenbar mit ersten Erfolgen.

Für das Gruppenfoto mit US-Präsident Barack Obama und den anderen Staats- und Regierungschefs hätte sich die Elmauer Alm angeboten. Sie liegt nicht weit entfernt vom G-7-Tagungshotel auf 1200 Metern Höhe und bietet einen fantastischen Blick in die Bergwelt. Ein Spaziergang dort hinauf hätte gut in ein Partnerprogramm gepasst. Doch wie konkret die Pläne der Bundesregierung auch gewesen sein mögen, sie werden kaum mehr umzusetzen sein. Denn der gläserne Aufbau der Berggaststätte ist "ein reiner Schwarzbau", bestätigt der Garmisch-Partenkirchner Landrat Anton Speer (Freie Wähler). Der dafür verantwortliche Bauherr ist ausgerechnet Dietmar Müller-Elmau, als Eigentümer von Schloss Elmau der Gastgeber des deutschen G-7-Gipfels am 7. und 8. Juni.

"Der hat die Alm ohne jede Genehmigung aufgestockt", sagt der Landrat. Dabei handle es sich nicht etwa um eine Bagatelle, der Aufbau auf der 1924 errichteten Alm sei "dominant". Deshalb werde es auch keine nachträgliche Genehmigung geben. "Das werde ich nicht dulden." Speer spricht von Überlegungen, dort oben das Gruppenfoto zu machen. Ohne den geforderten Rückbau werde ein Besuch der Alm aber nicht möglich sein.

In die Öffentlichkeit gebracht hatte den Schwarzbau Tessy Lödermann von den Grünen. Sie hatte auch moniert, dass Müller-Elmau bereits elf Luxus-Chalets hinter dem Hotel in Elmau vermarkte - ohne dafür eine Baugenehmigung zu besitzen. Die Pläne lägen seiner Behörde vor, sagt Landrat Speer, hätten aber noch keineswegs Baureife.

Politiker üben Kritik - Müller-Elmau sieht sich als Opfer

Hotelier Müller-Elmau, vielfach ausgezeichnet für sein Fünf-Sterne-Haus, gerät zusehends in die Kritik. "Man gewinnt auch in München immer mehr den Eindruck, dass sich da einer über die Bürger erhebt: Partys auf öffentlichem Grund ohne Genehmigungen, Parkplätze in Naturschutzgebieten, die Behörden vor Ort offensichtlich nicht ernst nehmen und Millionen vom Freistaat Bayern wollen", ärgert sich Claudia Stamm, Landtagsabgeordnete der Grünen und Mitglied des Haushaltsausschusses.

Ihr Kollege Florian Streibl (Freie Wähler) hält einen Punkt für erreicht, der für das G-7-Treffen gefährlich werden könnte. "Müller-Elmau versucht über den Gipfel Fakten zu schaffen und so für sich die Rosinen herauszupicken." Die Menschen reagierten zunehmend verärgert. "Wenn noch etwas in dieser Art kommt, könnte die Stimmung kippen."

Müller-Elmau sieht sich als Opfer einer Hetzkampagne. "Ich habe hier in den vergangenen 20 Jahren keinen Stein gebaut, der nicht genehmigt ist." Einzige Ausnahme sei die Alm, die werde er noch vor dem Gipfel zurückbauen. "Wir haben nur den Giebel angehoben, damit der Schnee besser abrutscht", sagt der Hotelier. Die Alm habe aber mit dem Gipfel nichts zu tun, das Problem sei zudem seit 2013 bekannt. Die anderen Vorfälle würden seit zwei Wochen aufgebauscht, hätten aber keinerlei Substanz, sagt Müller-Elmau. Für die Chalets habe er etwa von der Gemeinde Krün "grünes Licht" und sei sogar aufgefordert worden, die Finanzierung zu belegen. Deshalb habe er das Interesse daran eruiert, aber keine Verträge geschlossen.

Gipfelgegner "haben so gut wie sicher eine Fläche"

Neben den Ereignissen in Elmau verfolgen die Menschen im Werdenfelser Land gespannt die Entwicklung um mögliche Camps von Gipfelgegnern. "Wir haben so gut wie sicher eine Fläche", sagte Ulrich Volger, im Bündnis Stop G7 Elmau für Zeltlager verantwortlich. Das Grundstück alleine sei nicht groß genug, "aber schon einmal ein Anfang". Nun müssten mit der Gemeinde Garmisch-Partenkirchen Gespräche aufgenommen werden. Mehr Details wollte er nicht nennen.

In Garmisch-Partenkirchen geht man davon aus, dass es sich um eine Wiese nahe der Loisach handelt. Der Eigentümer, der sie zur Verfügung stellen soll, würgt Fragen dazu am Telefon ab: "Ich habe keine Zeit zum Ratschen", sagt er und legt den Hörer auf. Die Gemeinde äußert sich in einer gemeinsamen Pressemitteilung mit dem Planungsstab der Polizei kritisch: "Nach einer ersten Einschätzung des Marktes Garmisch-Partenkirchen und der Polizei erscheint die in Rede stehende Fläche für ein Protestcamp nicht geeignet." Die G-7-Gegner kontern, dass sie dann "48-Stunden-Kundgebungen mit Camp-Charakter" anmelden" würden. Am Sonntag trafen sich in München Delegierte aus ganz Deutschland, um den Alternativgipfel und die Proteste weiter zu planen.