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Elefantenhaltung:In Nürnberg gibt es seit sechs Jahren keine Elefanten mehr

In Nürnberg dürften die Augsburger Pläne Wehmut auslösen. Der Nürnberger Tiergarten gilt als zweitgrößter Landschaftszoo Deutschlands und ist flächenmäßig einer der größten Europas. Eine weitläufige Anlage im Wald, die eigentlich prädestiniert wäre, um große Tiere mit erheblichem Platzbedarf wenigstens einigermaßen artgerecht zu halten. Aber seit mehr als sechs Jahren gibt es keine Elefanten mehr in Nürnberg, was bei Besuchern immer wieder Irritationen auslöst. Elefanten gelten nun mal als die Zoo-Symboltiere schlechthin, einige Zeit fuhren sogar Straßenbahnen durch die Stadt, die mit gemalten Exemplaren für den Tiergarten warben - da war Nürnbergs letzter Elefant längst nach Rostock gebracht worden.

2008 war das und der Zoo sah sich damals zu einer Erklärung genötigt: Nein, an die Ostsee "abgeschoben" habe man Yvonne, den letzte Elefanten von Nürnberg, keineswegs. Es sei vielmehr so, dass Yvonne seit dem Tod der asiatischen Elefantenkuh Kiri im August 2007 allein lebe in der 2500 Quadratmeter großen Außenanlage. Und dass Yvonne, leicht gehbehindert, die Steigung des Freigeheges nicht mehr gut vertrage. Seit dem 22. Juli 2008 hat Nürnberg keinen Elefanten mehr.

Das Nürnberger Eisbär-Baby Charlotte

Spaß in weiß und fluffig: Nürnbergs Besucher sagen, sie vermissen Elefanten. Aber das Eisbärjunge Charlotte (und Mama Vera) dürften darüber hinwegtrösten.

(Foto: dpa)

Keine andere städtische Institution in Nürnberg hat ähnlich viele Besucher wie der Zoo und so ist alles, was dort passiert - oder eben nicht - automatisch ein Politikum. Christian Vogel, seit 2014 Zweiter Bürgermeister und für den Zoo zuständig, erklärte gleich bei Dienstantritt, dass er sich durchaus wieder Elefanten in Nürnberg wünschen würde. Die Besucherzahlen stagnieren, und das obwohl die Stadt 31 Millionen Euro in eine Delfinlagune investiert hat.

Viele Gäste erklären, dass sie die großen Tiere im Zoo vermissen. Das ist zwar auch Zoodirektor Dag Encke geläufig, er aber beziffert die Kosten für eine neue, modernen Ansprüchen gerecht werdenden Anlage auf 50 Millionen Euro. Und hat dem Stadtrat unlängst klar gemacht, dass er absolut nicht sehe, wie so ein "mordsmäßig großes Projekt" angesichts der wirtschaftlichen Lage der Stadt auf absehbare Zeit zu stemmen sein sollte. Mindestens nicht in den nächsten fünf Jahren.