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Elefantenhaltung:Sechzig Mal Töröööö!

Spaß im Schnee: Targa ist mit ihren 60 Jahren Deutschlands ältester Elefant.

(Foto: Zoo Augsburg)
  • Die älteste Elefantendame Deutschlands lebt in Augsburg, im Juni wird Targa 60 Jahre alt. Im Zoo soll groß gefeiert werden - um Spenden für eine neue Elefantenanlage zu sammeln.
  • Würde Targa sterben, müsste auch die 45 Jahre alte Burma weichen. Einen Elefanten alleine zu halten, ist nicht artgerecht. Platz für eine Herde ist derzeit nicht.
  • In Nürnberg gibt es deshalb schon seit Jahren keine Rüsseltiere mehr und für eine neue Anlage fehlt das Geld.

Bald kann Targa einen runden Geburtstag feiern. Gut möglich, dass sogar der Oberbürgermeister dem festlichen Ereignis beiwohnen wird. Denn Targa ist nicht nur ein Schwergewicht und ein Augsburger Publikumsliebling. Nein, Targa ist auch ein nationales Ereignis. Die asiatische Elefantenkuh im Augsburger Zoo ist mit ihren 60 Jahren der älteste in Deutschland lebende Elefant. Gefeiert wird am 1. Juni und der Zoo will diesen besonderen Tag dazu nutzen, mit der Jubilarin Targa bei Tierfreunden und Sponsoren für sein bisher ehrgeizigstes Projekt zu werben: ein neues Elefantenhaus mit einer sehr viel größeren Außenanlage als bisher.

Die Planung ist bereits weit gediehen, doch die Finanzierung längst noch nicht gesichert. Acht Millionen Euro soll das Vorhaben kosten - Geld, das der Zoo alleine nie und nimmer aufbringen kann. Er braucht tatkräftige Unterstützung und die Zeit drängt. Denn Targa befindet sich, in Elefantenjahren gerechnet, bereits im Greisenalter. Sollte sie sterben, bliebe nur noch die 45 Jahre alte Burma zurück. "Doch die Haltung eines einzelnen Elefanten wäre nicht artgerecht und würde die Tierschützer auf den Plan rufen", weiß Zoodirektorin Barbara Jantschke.

Die Tiere sollen künftig keinen unmittelbaren Kontakt mehr zu Pflegern haben

Und so hofft die Zooleitung, im Jahr 2016 mit den Bauarbeiten beginnen und 2018 das neue Domizil für die Großtiere bereits eröffnen zu können. Dabei gehen die Überlegungen von Zoodirektorin Jantschke schon ein ganzes Stück weiter in die Zukunft. Sie möchte künftig eine Herde haben und auch in die Zucht einsteigen, "so wie das unter heutigen Haltungsbedingungen üblich ist". Bis zu fünf Tiere sollen sich später in der neuen, etwa 5000 Quadratmeter großen Freianlage aufhalten, zu der natürlich auch ein großzügiges Badebecken gehören wird. 1500 Quadratmeter Fläche sind zusätzlich für das neue Elefantenhaus vorgesehen. Mit dem Neubau verfolgt Direktorin Jantschke auch ein anderes Haltungskonzept. Die Tiere sollen dann keinen unmittelbaren Kontakt mehr zu ihren Pflegern haben. Das vermindert einerseits das Unfallrisiko für das Personal und entspricht andererseits neuesten Erkenntnissen, wonach so die "natürlichen Sozialstrukturen" einer Elefantenherde gefördert werden.

Spaß im Schlamm: Freuen sich die Elefantenkühe Targa und Burma mehr über ihren Pfleger oder über die Leckereien in seinem Eimer?

(Foto: Zoo Augsburg)

Die Zooleitung hat auf der Homepage des Tiergartens eine eigene Seite zu dem Millionenprojekt eingerichtet. Wer sich davon angesprochen fühlt, kann dies gleich durch eine entsprechende Spende dokumentieren. Von der Stadt Augsburg, die andere Großprojekte zu finanzieren hat, ist eher wenig Hilfe zu erwarten. Barbara Jantschke hofft deshalb auf eine Förderung durch die Europäische Union, denn der Zoo hat sich zum Ziel gesetzt, ein Kompetenzzentrum für Naturschutz im Rahmen der Welt-Zoo-Naturschutzstrategie zu werden. Dazu passt die Kooperation mit dem Umweltbildungszentrum, das die Stadt Augsburg in unmittelbarer Nachbarschaft zum Tiergarten ansiedeln möchte.

Trennen wird sich der Augsburger Zoo, der jährlich von 600 000 Menschen besucht wird, dagegen von der Giraffenhaltung. Nach mehreren Todesfällen gibt es derzeit nur noch eine Giraffe, die rasch an einen anderen Tiergarten abgegeben werden soll. Auch hier wäre sonst der Neubau eines großzügigen Giraffenhauses notwendig. "Wir haben aber nicht das Geld, wir müssen Prioritäten setzen und das tun wir jetzt mit der Elefantenanlage", betont Jantschke.

In Nürnberg gibt es seit sechs Jahren keine Elefanten mehr

In Nürnberg dürften die Augsburger Pläne Wehmut auslösen. Der Nürnberger Tiergarten gilt als zweitgrößter Landschaftszoo Deutschlands und ist flächenmäßig einer der größten Europas. Eine weitläufige Anlage im Wald, die eigentlich prädestiniert wäre, um große Tiere mit erheblichem Platzbedarf wenigstens einigermaßen artgerecht zu halten. Aber seit mehr als sechs Jahren gibt es keine Elefanten mehr in Nürnberg, was bei Besuchern immer wieder Irritationen auslöst. Elefanten gelten nun mal als die Zoo-Symboltiere schlechthin, einige Zeit fuhren sogar Straßenbahnen durch die Stadt, die mit gemalten Exemplaren für den Tiergarten warben - da war Nürnbergs letzter Elefant längst nach Rostock gebracht worden.

2008 war das und der Zoo sah sich damals zu einer Erklärung genötigt: Nein, an die Ostsee "abgeschoben" habe man Yvonne, den letzte Elefanten von Nürnberg, keineswegs. Es sei vielmehr so, dass Yvonne seit dem Tod der asiatischen Elefantenkuh Kiri im August 2007 allein lebe in der 2500 Quadratmeter großen Außenanlage. Und dass Yvonne, leicht gehbehindert, die Steigung des Freigeheges nicht mehr gut vertrage. Seit dem 22. Juli 2008 hat Nürnberg keinen Elefanten mehr.

Das Nürnberger Eisbär-Baby Charlotte

Spaß in weiß und fluffig: Nürnbergs Besucher sagen, sie vermissen Elefanten. Aber das Eisbärjunge Charlotte (und Mama Vera) dürften darüber hinwegtrösten.

(Foto: dpa)

Keine andere städtische Institution in Nürnberg hat ähnlich viele Besucher wie der Zoo und so ist alles, was dort passiert - oder eben nicht - automatisch ein Politikum. Christian Vogel, seit 2014 Zweiter Bürgermeister und für den Zoo zuständig, erklärte gleich bei Dienstantritt, dass er sich durchaus wieder Elefanten in Nürnberg wünschen würde. Die Besucherzahlen stagnieren, und das obwohl die Stadt 31 Millionen Euro in eine Delfinlagune investiert hat.

Viele Gäste erklären, dass sie die großen Tiere im Zoo vermissen. Das ist zwar auch Zoodirektor Dag Encke geläufig, er aber beziffert die Kosten für eine neue, modernen Ansprüchen gerecht werdenden Anlage auf 50 Millionen Euro. Und hat dem Stadtrat unlängst klar gemacht, dass er absolut nicht sehe, wie so ein "mordsmäßig großes Projekt" angesichts der wirtschaftlichen Lage der Stadt auf absehbare Zeit zu stemmen sein sollte. Mindestens nicht in den nächsten fünf Jahren.