Eklat um abgesagte Bischofsrede in Würzburg Heile, heile Segen

An einer Tradition wurde in Würzburg mehr als 50 Jahre nicht gerüttelt: Beim Neujahrsempfang spricht der Bischof. In diesem Jahr hat OB Rosenthal die Rede aus dem Programm gestrichen. Entsprechend groß ist die Empörung - vor allem im konservativen Lager.

Von Olaf Przybilla

Beim Neujahrsempfang 2011 war alles noch wie immer in Würzburg. Seit mehr als fünfzig Jahren hält dort der Bischof eine Ansprache zum neuen Jahr, es hat sich so eingebürgert am Main.

Friedhelm Hofmann, Bischof von Würzburg, wird in diesem Jahr nicht beim traditionellen Weihnachtsempfang der Stadt sprechen.

(Foto: picture alliance / dpa)

Beim letzten Mal etwa beklagte Bischof Friedhelm Hofmann die wachsende Trennung von Staat und Kirche, und wenn man so will, könnte nun ausgerechnet der Empfang 2012 als Beleg für diese These dienen. Denn der Oberbürgermeister von Würzburg, Georg Rosenthal, hat für diesen Sonntag einen anderen Festredner bestellt. Und der Bischof hat daraufhin angekündigt, an diesem Tag einen wichtigen anderen Termin wahrnehmen zu wollen.

Nun schlagen die Wellen hoch in Würzburg, wenn auch Rathaus-Chef Rosenthal die Sache nicht zu hoch gehängt wissen will. Der Empfang sei gedacht für alle Gruppierungen und Gemeinschaften der Stadt, und so sollten sich dort auch "alle Glieder der Stadt wiederfinden können", begründet der Sozialdemokrat.

Und bittet nun nicht einen Vertreter der Domstadt Würzburg ans Mikrofon - sondern einen Vertreter der Universitätsstadt Würzburg, Theodor Berchem. Der 76 Jahre alte Romanist leitete 28 Jahre lang die Würzburger Uni, 19 Jahre stand er dem Deutschen Akademischen Austauschdienst vor, ein Mann von hoher Reputation.

Die Empörung ist trotzdem groß: Über eine "Stillosigkeit sondergleichen" beschwert sich der frühere Postminister Wolfgang Bötsch im Main Echo, auch Würzburgs CSU-Kreisvorsitzender Oliver Jörg zeigt sich "zutiefst erstaunt". Der Oberbürgermeister dürfe nicht davon ausgehen, dass die CSU diesen Vorgang "einfach so hinnehmen" werde, kündigt Landtagspräsidentin Barbara Stamm an.

Zur Mäßigung ruft dagegen der CSU-Fraktionschef im Stadtrat, Thomas Schmitt, im SZ-Gespräch auf. Immerhin habe der Ältestenrat den Vorschlag des Oberbürgermeisters getragen, diesmal keinen Vertreter der Kirche die sogenannte "Dankesrede der Bürgerschaft" halten zu lassen. "Ein Diskurs über Nähe und Distanz von Staat und Kirche ist legitim", sagt Schmitt, der auch Geschäftsführer der evangelischen Diakonie in Würzburg ist.

Der Bischof wird beim Neujahrsempfang nun nicht nur als Redner fehlen. Er zieht dem Würzburger Stelldichein ein Jubiläum der Wallfahrtskirche in Schmerlenbach vor. Der Bischof besuche "üblicherweise" keine Empfänge, erklärt ein Bistumssprecher. Weil die Stadt Würzburg - in der weit mehr als die Hälfte der Bürger katholischen Glaubens sind - den Bischof bisher immer als Redner geladen hatte, habe er in diesem Fall eine Ausnahme gemacht.