Einsatz eskaliert Das Blut lief herunter

Die Polizisten schoben ihn gefesselt ins Auto. Derjenige, der bisher schon so aggressiv vorgegangen war, quetschte Meier auf der Rückbank halb auf ihm liegend mit seinem Körper an die Tür. Als dieser sinngemäß sagte, "das gibt's doch gar nicht", beschimpfte ihn der Beamte. In Erinnerung sind Meier: "Drecksau!" und "Du kleines Stück Scheiße!" Dann habe der Polizist ihm mit der behandschuhten Hand mehrmals auf die Schläfe geschlagen. Irgendwann spürte Meier, wie ihm Blut herunterlief. Im "Schwitzkasten" habe ihn der Mann in die Wache geführt und dabei am Eingang den Kopf an die Wand geschlagen, bevor er ihn in eine Zelle sperrte und die Handschellen abnahm.

"Ich musste mich anschließend bis auf die Unterwäsche ausziehen", schreibt Meier. So saß er frierend in der Zelle, bis er gegen halb fünf Uhr nach Nennung seines Namens entlassen wurde. Der Befund der Notaufnahme der Klinik Wasserburg ist von 5.15 Uhr, zuvor ließ sich das Opfer von seiner Schwester fotografieren.

Die Polizisten beschreiben ihren Einsatz so: Nach einer heftigen Beleidigung durch einen jungen Mann ("Verpisst euch, ihr Hurensöhne") habe man dessen Personalien aufgenommen. Als ein Beamter gerade wieder einsteigen wollte, sei er angebrüllt worden, er solle den Jungen in Ruhe lassen. Der Mann habe zugleich dem Polizisten die Autotüre aus der Hand gerissen, ihn geschubst und mit der Faust geschlagen. Die Beamten versuchten, den Mann "zu beruhigen und festzuhalten".

Dieser habe sich zunächst mit Schlägen und Tritten gewehrt - und dann mit "einem gezielten und festen Klammergriff in die Genitalien". Der Beamte habe den Mann mehrmals aufgefordert loszulassen, und sich schließlich aufgrund der Schmerzen mit Gewalt befreit. "Daraufhin wurde der sich weiterhin wehrende Mann mit vereinten Kräften, vor den Augen der umherstehenden Menschengruppe, in den Streifenwagen verbracht", heißt es in ihrer Stellungnahme. Während der Fahrt zur Polizei habe der Festgenommene gezielt versucht, den Polizisten mit Kopfstößen zu verletzen. Der Mann habe die Behandlung seiner Verletzung abgelehnt und sei nach eineinhalb Stunden freigelassen worden.

Ein Zeuge, der nicht mit Namen in der Zeitung stehen will, schildert, dass die Polizisten den Kopf des Mannes, der sich während des gesamten Vorgangs nicht erkennbar gewehrt habe, gleich am Anfang mehrmals gegen das Dach des Dienstwagens schlugen. Aufgrund der Brutalität habe er versucht, das Geschehen mit dem Handy zu fotografieren und zu filmen. Die Beamten hätten den ihm unbekannten Mann dann hinter Holzwände und Buden an eine Stelle gezerrt, die von drei Seiten nicht einsehbar gewesen sei. "Ich habe gefragt, was der Mann getan hat." Antwort: Dieser habe einen Beamten in die Genitalien getreten. Und er solle abhauen.

Der Zeuge folgte mit noch einer Person den Polizisten. Als sie den am Boden liegenden Mann mehrmals und ohne erkennbaren Grund gezielt auf den Kopf schlugen, zückte er wieder das Handy. Doch zum Filmen kam er nicht, ein Beamter nahm ihm das Mobiltelefon ab. Das hat er mittlerweile wieder, Film und Fotos seien aufgrund der nächtlichen Situation allerdings nicht sehr aussagekräftig, sagt der Zeuge. Er selbst will unbedingt aussagen: "Nicht dass das unter den Teppich gekehrt wird."