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Ein Jahr Bischof Zdarsa:Das dialogfreie Bistum

Ein Jahr ist der Augsburger Bischof Zdarsa nun im Amt - und der Unmut der Katholiken wächst. Kritische Gläubige und Pfarrer fühlen sich von dem Mixa-Nachfolger ignoriert.

Stefan Mayr

Eine Bilanz ziehen? Ein Jahr nach seinem Amtsantritt? Nein, das will der Augsburger Bischof Konrad Zdarsa nicht. So etwas sei ihm fremd, lässt sein Pressesprecher ausrichten. Wahrlich, Konrad Zdarsa drängt es nicht an die Öffentlichkeit. Interviews oder Pressekonferenzen sind dem 67-Jährigen ein Graus. Also müssen andere Leute Bilanz ziehen.

Amtseinführung des neuen Augsburger Bischofs Konrad Zdarsa

Bischof Konrad Zdarsa nach der Amtseinführung im Augsburger Dom am 23. Oktober 2010.

(Foto: dpa)

Der Augsburger Pfarrer Max Stetter sagt: "Dialog ist im Bistum inzwischen zum Unwort geworden, und Augenhöhe gibt es sowieso nicht." Natürlich gibt es auch positive Stimmen, wie die von Martin Straub, dem Leiter des Priesterseminars: "Bischof Konrad kommt regelmäßig ins Haus, spricht beim Abendessen mit den Studenten und setzt Akzente außerhalb der Liturgie."

Kritischere Gläubige und Pfarrer fühlen sich dagegen ignoriert. Ursula Zingraf zum Beispiel, die Pfarrgemeinderätin von Christi Himmelfahrt in Kempten. Seit sieben Wochen ist ihre Pfarrei aufgelöst - laut Dekret von Bischof Zdarsa. Gegen dieses Dekret hatte die Gemeinde Einspruch beim Vatikan erhoben. "Wir hoffen auf Rom", sagt Ursula Zingraf.

Auch ein Jahr nach seinem Amtsantritt ist Bischof Zdarsa um seine Aufgaben und Sorgen nicht zu beneiden. Dabei spielt vor allem der Priestermangel eine große Rolle, der alle Bischöfe zu schmerzvollen Zusammenlegungen von Pfarreien zwingt. Doch so manches Problem ist auch von Zdarsa hausgemacht - wie zuletzt seine überraschende Erklärung, dass sein Vorgänger Walter Mixa wieder verstärkt seelsorgerisch tätig werden könne.

Mixa musste 2010 nach einer Prügel-, Untreue- und Lügenaffäre zurücktreten, der Papst verordnete ihm damals eine "Zeit des Schweigens und Heilens". Diese hat Zdarsa nun für beendet erklärt - mit der Einschränkung, Mixa solle nur außerhalb des Bistums auftreten. Ob dieses Angebot mit Rücksprache im Vatikan geschah, lässt das Bistum übrigens offen. Fakt ist, dass Zdarsas Aussage neue Unruhe im Bistum auslöste.

Viele Geistliche befürchten, der nach wie vor ebenso umstrittene wie sendungsbewusste Mixa werde nun wieder in die Öffentlichkeit streben. Und Gläubige fragen sich, ob das Gebot "Du sollst nicht lügen" nur im Bistum Augsburg gilt. Nach Mixas Rücktritt hatte die Initiative "Pfingsterklärung" eine umfassende Aufarbeitung der Affäre und ihrer Vorgeschichte gefordert. "Jetzt sieht es so aus, als soll hier ein Buch zugeklappt werden", sagt Pfarrer Max Stetter. "Aber wir legen weiterhin Wert auf die Klärung der offenen Fragen."

Nach seinem Amtsantritt am 23. Oktober 2010 hatte Zdarsa viele Dinge angepackt und Baustellen aus der Ära Mixa aufgeräumt. Gelobt wird die rasche Trennung von Dirk Hermann Voß, dem umstrittenen Mixa-Berater und Geschäftsführer des bistumseigenen Sankt-Ulrich-Verlags. Bei der Neubesetzung des Chefpostens gelang Zdarsa ein Coup: Bernhard Meuser war Chef des Pattloch-Verlags und ist Mitherausgeber des Jugendkatechismus "Youcat", der weltweit zum Bestseller wurde. Meuser brachte frischen Wind mit, vom Weltjugendtag in Madrid ließ er Besucher im Internet bloggen.

Kritisiert wird Bischof Zdarsa vor allem wegen seiner mangelnden Dialogbereitschaft. Oft heißt es: Gespräche fänden statt, ja. Aber echten Dialog, nein, den gebe es nicht. Zum Beispiel in Kempten, wo die Gläubigen aus den Medien von der Auflösung ihrer Pfarrei erfahren haben. Selbst Regens Martin Straub räumt ein, dass das "nicht optimal" war und dass die Diözesan-Verwaltung "daraus lernen muss".

Vom Bischof gibt es aber kein selbstkritisches Wort. Er sagt: "Ich weiß nicht, wo die Kritik angebrachter ist - bei jenen, die fordern, dass alles auf ewig so bleibt, wie es ist. Oder bei jenen, die Sorge tragen, wie es weiter geht." Eine Kemptener Katholikin, die ihren Namen nicht veröffentlicht haben will, sagt: "Wir haben einen Bischof bekommen, aber keinen Hirten."

© SZ vom 21.10.2011/sonn
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