Eichstätts neues Maskottchen:Ein Kater macht Karriere

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Eichstätts neues Maskottchen: Kater Camillo und seine Facebookseite.

Kater Camillo und seine Facebookseite.

Er besucht Galerien und soll sogar schon im Tresorraum der Sparkasse gewesen sein: Kater Camillo aus Eichstätt treibt sich gerne rum - inzwischen auch ziemlich erfolgreich im Internet.

Von Christoph Meyer

Beinahe hätte Camillo seinen ersten Fernsehauftritt verpasst. Der Kater der Familie Auer aus Eichstätt bei Ingolstadt feiert bei Abi-Partys mit, besucht Galerien oder macht es sich im Sessel des Kreditberaters der Sparkasse gemütlich. Nur zuhause ist er selten. Weil die Familie es satt hatte, ständig nach ihm zu suchen, haben sie eine Facebook-Seite für den weißen Kater mit grau-getigerten Rücken gegründet.

In weniger als einem Monat hat Camillo fast 1000 Likes gesammelt - schließlich ist er in Eichstätt bekannt. Sogar ein Kamerateam interessiert sich nun für ihn. Der "Stadtkater", wie er genannt wird, schlüpft zusammen mit den Gästen in Cafés, Wohnhäuser und Büros. Dort macht er es sich dann bequem - ob auf dem Schoß einer Studentin oder auch mal im Ehebett fremder Leute. Ihre Telefonnummer hat Margit Auer deshalb inzwischen fast überall hinterlegt, beim Bäcker, in der Stadtbibliothek und im Kindergarten.

Camillo lässt sich streicheln, staubt hin und wieder einen Leckerbissen ab und erkundet Orte, die für die meisten Menschen tabu bleiben. Sogar im Tresorraum der Sparkasse soll er schon gewesen sein. Ruft man dort an, ist auf der anderen Seite der Leitung eine Stöhnen zu hören: "Ja, ja diese Katze". Doch die Sparkasse ist stolz auf ihr tierfeundliches Image. Verjagen, das käme überhaupt nicht in Frage, sagt Kundenberater Matthias Chloupek. Ob es Sinn hätte, ist ohnehin zweifelhaft. Camillo spaziert immer wieder ohne fremde Hilfe durch die elektrische Drehtüre hinein. "Ein Wunder, dass er sich noch nie den Schwanz eingeklemmt hat", sagt Chloupek.

"Hallo, Eichstätter! Dringender Aufruf!"

Den Leuten gefällt die Chuzpe des Katers und sie honorieren sie mit Fotos oder Einträgen auf der Facebook-Seite "Stadtkater Camillo". Das wiederum beruhigt Familie Auer, für die jetzt ein Blick ins Internet genügt, um herauszufinden, wo sich der Kater herumtreibt. "Wildfremde Leute schicken uns Bilder von Camillo", sagt Margit Auer. Zum Beispiel Theresa Spona, sie hat den Kater am Ufer des Flusses Altmühl in Eichstätt angetroffen und schreibt: "Letzte Woche hat Camillo sein Glück beim Fischen versucht...leider ohne Erfolg. Aber Spaß hat's ihm trotzdem gemacht!"

Margit Auer ist froh, dass immer mehr Menschen so reagieren. Sie hat inzwischen aufgehört zu zählen, wie oft sie Camillo im Tierheim abgeholt hat. "Wir mussten uns so viele gute Ratschläge anhören, wie wir Camillo zu einer Wohnungskatze erziehen, aber das funktioniert einfach nicht", sagt sie. Kastriert sei das einjährige Tier längst. "Hat überhaupt nichts geholfen." Sorgen um ihren umtriebigen Kater macht sie sich kaum noch. Selbst die Jugendlichen, die am Bahnhof abhängen, posten inzwischen Fotos, wie sie Camillo kraulen. "Wenn ihm einmal etwas zustoßen sollte", sagt Auer, "dann hat er wenigstens ein schönes Leben gehabt." Nur ihre drei Söhne hätten gerne, dass der Kater öfter zu Hause wäre.

Doch dann wird Camillo doch gesucht. "Hallo, Eichstätter! Dringender Aufruf!", postet Margit Auer im namen ihres Katers. "Das Fernsehen will einen kleinen Beitrag über mich drehen! Keiner weiß, wo ich grade stecke." Beim Wochenmarkt will ihn ein Mann gesehen haben. "Er sah mir zu, wie ich mein Leberkässemmel aß, beim Schneider-Michel", kommentiert Francesco Capriati. Seinem Herrchen, Richard Auer, flitzt er am Herzogssteg davon. Doch 138 Likes und zehn Kommentare später wird Camillo schließlich gefunden. "Er lag ganz gemütlich vor dem Musikgeschäft Mayr in der Pedettistraße", schreibt Margit Auer. Nun muss nun wohl erst einmal zuhause bleiben, zumindest bis das Kamerateam wieder weg ist.

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