Eichstätt Universität auf Konfrontationskurs

Im Streit um die Präsidentenwahl verurteilt die katholische Universität erstmals öffentlich die Einmischung der Kirche - und das in überraschender Schärfe.

Von Christine Burtscheidt

Die katholische Universität Eichstätt ist erstmals öffentlich auf Distanz zu ihrem Träger, der bayerischen Bischofskonferenz, gegangen. In einer vom Senat verfassten Resolution hat sie am Donnerstag ihre Bestürzung über die Ablehnung des gewählten Präsidenten Ulrich Hemel durch den Eichstätter Bischof Gregor Maria Hanke zum Ausdruck gebracht.

Der Senat fürchtet um den Ruf der Universität.

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"Wir halten es für einen Vorgang ohne Präzedenz, dass ein streng nach dem vorgeschriebenen Verfahren gewählter Präsident nicht ernannt wird, ohne dass das Wahlorgan auch nur über die maßgeblichen Gründe für diese Verweigerung unterrichtet wird", heißt es.

Die Resolution wurde am Mittwochabend nach einer mehrstündigen Sitzung von den Senatsmitgliedern verabschiedet. Die Dekane der sieben Fakultäten schlossen sich ihr später an.

Die Hochschule bezieht darin deutlich Gegenposition zum Vorwurf des Bischofs, wonach das Wahlverfahren fehlerhaft gewesen sei. Es sei mit "verantwortungsbewusster Sorgfalt" betrieben worden, heißt es. Der Bischof sei "über sämtliche Bewerber und in Folge dann jeweils über die weiteren Auswahlschritte unterrichtet" worden.

Der Senat appelliert an die bayerischen Bischöfe, "die Autonomie der Universität uneingeschränkt zu wahren". Das bedeute nicht nur die freie Ausübung von Forschung und Lehre. Die Senatsmitglieder leiten daraus auch das Recht auf Selbstverwaltung ihrer Hochschule ab. Eingriffe in die Wissenschaftsfreiheit würden dem Ruf der Universität schaden und nützten der Kirche nichts, heißt es. Ein erster wichtiger Schritt sei deshalb, die Wahl des neuen Präsidenten auf der geltenden Grundordnung erfolgen zu lassen. Bis dahin solle eine kommissarische Leitung "aus den Reihen der Universität" ernannt werden.

Weitere Stellungnahme der Professoren folgt

Die Stellungnahme ist in überraschender Schärfe formuliert. Bisher hatte sich die Universität mit ihrer Kritik öffentlich zurückgehalten, um den Konflikt mit dem Träger nicht zu verschärfen. Doch von der Linie ist man offenbar nun abgekommen. Anfang nächster Woche ist eine weitere Stellungnahme an den Bischof geplant. Darin wollen alle Professoren ihre Sorge vor einer Fremdbestimmung durch den Vatikan zum Ausdruck bringen.

Ursache für die neue Tonlage, die nun angestimmt wird, ist offensichtlich der kompromisslose Kurs Hankes. Bereits zum Wochenende will der Bischof der Hochschule einen Vorschlag für eine Übergangslösung unterbreiten. Im Gespräch mit der SZ kündigte er einen "Externen" an, der als Mediator zwischen Kirche und Universität wirken soll.

Auch hält er daran fest, auf das Wahlverfahren für einen neuen Präsidenten mehr Einfluss nehmen zu wollen. Statt des bisherigen Vetorechts fordert er eine frühzeitige Beteiligung bei der Auswahl der Kandidaten, um sicherzustellen, dass die "wichtige innerkirchliche Funktion" mit einem "Vertrauensmann" besetzt werde. Der Hochschulrat soll bei seinem nächsten Treffen am 30. Juni die Grundordnung der Uni dahingehend ergänzen.

Dass Hanke von dieser Position nicht mehr abzubringen ist, dürfte den Professoren klar geworden sein. Denn parallel zu seinem offenen Brief verschickt er in Kopie drei Rechtsgutachten. Das erste soll deutlich machen, dass er nicht verpflichtet sei, Gründe für die Ablehnung Hemels zu nennen. Das zweite rechtfertigt seine stärkere Beteiligung an der Präsidentenwahl. Und das dritte spricht ihm die Befugnis zu, kommissarisch einen externen Leiter zu benennen.