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Eichstätt:Priorität hat die Priesterausbildung

Allein um das Defizit gehe es nicht, sagt Bistumssprecher Martin Swientek. Die 106 000 Euro seien "Peanuts" gegenüber den Investitionen, die nötig seien, um das Museum so zu modernisieren, dass wieder mehr Besucher kommen. Und Michael Wohner, Regens am Eichstätter Priesterseminar, sagt: "Um Investitionen machen zu können, muss ich das Geld haben."

Soll heißen: Weder die Priesterschule noch das Bistum, das die Schule finanziert, hatte Geld für die Modernisierung des Jura-Museums übrig. Für viele Eichstätter klingt das komisch, nicht nur wegen des Finanzskandals. Allein für das laufende Jahr rechnet das Bistum mit einem Haushaltsüberschuss von 8,8 Millionen Euro. Dazu kommt, dass der Freistaat von Oktober an 14,3 Millionen Euro in Sanierungsarbeiten auf der Willibaldsburg investieren will, rund 800 000 Euro sollten ins Museum fließen. Weitere 700 000 Euro hätte das Priesterseminar beisteuern müssen. War es bei all den Zuschüssen zu viel verlangt, dass die Kirche diesen Beitrag aus der gut gefüllten Bistumskasse leistet?

Die Sammlung ist in der Willibaldsburg untergebracht.

(Foto: Tourismusverband Naturpark Altmühltal)

Am Ende, sagt Regens Michael Wohner, müsse er auf sein Budget schauen, "eine gewisse Priorisierung vornehmen". Und Priorität habe nun mal die Priesterausbildung. Dieses "Kerngeschäft" sei schwer genug zu stemmen, "da ist ein naturwissenschaftliches Museum in der Notwendigkeit der Verpflichtungen relativ weit hinten". Wohner sagt, er könne "die ideellen und historischen Argumente verstehen", auch die touristische Bedeutung des Museums. "Aber letztlich leben wir in einer Welt, die einfach auch nach wirtschaftlichen und finanziellen Gesetzen funktioniert."

Damals, 1844, als die Sammlung der Exponate begann, gehörten naturwissenschaftliche Vorlesungen zur Theologie. Inzwischen hat sich die Priesterausbildung verändert. An der Uni bekommt der klerikale Nachwuchs die akademische, im Bischöflichen Seminar die spirituelle Ausbildung. Früher diente die Sammlung des Jura-Museums als Anschauungsmaterial für die Seminaristen, heute hat sie kaum mehr einen Nutzen für Regens Wohner. Für ihn ist das Museum vor allem ein Kostenfaktor. Mit den geplanten 1,5 Millionen Euro hätte sein Haus das Museum vielleicht sanieren, aber kaum auf den neuesten Stand der Technik bringen können. Deshalb findet Wohner es "ehrlich und realistisch", die Trägerschaft zu kündigen. Ehrlicher als "eine Sanierung des Aquariums für eine halbe Million mit Fördermitteln zu starten und dann nach zwei Jahren zu sagen: Den Rest können wir uns nicht mehr leisten". Sicher hat er recht damit, wenn er sagt: "Man hätte in einem Millionenbereich investieren müssen." Man braucht sich ja nur umzuschauen im Jura-Museum.

Die Sammlung ist faszinierend, etwa der versteinerte, 150 Millionen Jahre alte Urvogel Archaeopteryx. Doch um heute attraktiv zu bleiben, muss ein Museum ständig multimedial aufrüsten. Das Jura-Museum hat da wenig zu bieten. Es gibt Filme, eine Hörstation, aber das digitale Zeitalter kennt längst andere Möglichkeiten. Tourismuschef Bender träumt davon, dass die Besucher mit Virtual-Reality-Brillen ins Jura-Meer der Urzeit eintauchen. Nur braucht es dafür Geldgeber, die zunächst einmal den Fortbestand des Museums finanzieren. Die Exponate würde das Priesterseminar weiterhin zur Verfügung stellen.

Angeblich gibt es Interessenten, die sich vorstellen können, die Trägerschaft zu übernehmen. Aber die Zeit drängt und ohne Hilfe der Politik dürfte das auch in Zukunft nicht gehen. Ein Dringlichkeitsantrag der Freien Wähler, dass der Freistaat zumindest vorübergehend selbst als Träger einspringt, ist am Mittwoch bereits gescheitert. Dabei, findet Lars Bender, gebe es mit Blick auf den Klimawandel "jede Menge Möglichkeiten, das Museum mit aktueller Bedeutung zu füllen". Das Jura-Museum, sagt Bender, "ist zu wichtig, um es sterben zu lassen".

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