bedeckt München 19°

Ehemaliger US-Gefangener:Staatsanwaltschaft Kempten klagt El-Masri an

Khaled el Masri vor Gericht

Khaled El-Masri wird erneut angeklagt.

(Foto: Karl-Josef Hildenbrand/dpa)

Die Staatsanwaltschaft Kempten hat Anklage gegen Khaled El-Masri wegen Beleidigung, Körperverletzung und Bedrohung erhoben. Der Deutsch-Libanese sitzt bereits wegen gefährlicher Körperverletzung im Gefängnis. Die für Oktober geplante Haftentlassung von El-Masri steht nun auf der Kippe.

Nach seiner Entführung durch den US-Geheimdienst CIA kam Khaled El-Masri nach Deutschland und wurde hier dreimal zu Haftstrafen verurteilt. Im Gefängnis soll der Deutsch-Libanese nun erneut eine Straftat begangen haben. Gegen El-Masri laufe ein Ermittlungsverfahren, weil er in der Justizvollzugsanstalt Kempten Justizbeamte und einen Anstaltsarzt beleidigt, bedroht und geschlagen haben soll, sagte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft Kempten.

Wie der Sprecher sagte, laufen die Ermittlungen seit Anfang August. Das neue Strafverfahren könne womöglich die für den Oktober geplante Haftentlassung des 50-jährigen El-Masri in Frage stellen. Dies sei aber noch offen.

El-Masri war 2007 wegen schwerer Körperverletzung und Brandstiftung zu einer Bewährungsstrafe von zwei Jahren verurteilt worden, nachdem er im Streit um einen defekten MP3-Player Mitarbeiter eines Großmarkts attackiert und in dem Markt einen Brand gelegt hatte. 2010 bekam er wegen Körperverletzung zwei Jahre Haft ohne Bewährung, weil er den Oberbürgermeister seiner Heimatstadt Neu-Ulm in dessen Büro tätlich angegriffen und verletzt hatte. Diese Haftstrafe wurde um vier Monate verlängert, weil er im Gefängnis einen JVA-Beamten heftig geschlagen hatte, sodass dieser mehrere Wochen dienstunfähig war.

El-Masri wurde an Silvester 2003 bei seiner Einreise nach Mazedonien festgenommen und zu angeblichen Kontakten zum Terrornetzwerk al-Qaida verhört. Danach verschleppte ihn der US-Geheimdienst CIA nach Afghanistan, wo er weitere vier Monate festgehalten und misshandelt worden sein soll. Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte sprach El-Masri dafür mittlerweile 60.000 Euro Schmerzensgeld von der Regierung Mazedoniens zu.

© Süddeutsche.de/dpa/dayk/kjan

Lesen Sie mehr zum Thema

Zur SZ-Startseite