Durchfall-Erreger:Das Ehec-Bakterium erreicht Bayern

Lesezeit: 2 min

Der Durchfall-Erreger Ehec ist im Süden angekommen: Zwei Menschen sind in Bayern an dem Erreger erkrankt. Im Klinikum Bayreuth ringen die Ärzte um das Leben einer 28-Jährigen.

Dietrich Mittler

Im Klinikum Bayreuth ringen die Ärzte derzeit um das Leben einer 28-jährigen Frau, die sich vermutlich in Norddeutschland mit dem gefährlichen Darmkeim Ehec infiziert hat. Da ihre Nierenfunktion komplett ausgefallen ist, muss sie nach Auskunft der Klinik täglich an ein Dialysegerät angeschlossen werden. Zwar lässt sich labortechnisch noch nicht nachweisen, durch welchen Erreger genau die Frau erkrankt ist, doch alle ihre Symptome weisen auf eine dramatisch verlaufende Ehec-Infektion hin: blutiger Stuhlgang, Blutarmut, Nierenversagen.

Zahl der EHEC-Infektionen in Norddeutschland nimmt zu

Das Ehec-Bakterium hat den Süden erreicht: In Bayern wurden bislang zwei Erkrankungen bestätigt.

(Foto: dpa)

Das Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit geht mittlerweile davon aus, dass in Bayern zwei Menschen nach Ehec-Infektionen erkrankt sind. "Zudem gibt es noch einen Verdachtsfall", sagte eine Sprecherin der Behörde. Aus welchen Teilen Bayerns die Erkrankten stammen, wollte das Landesamt aus Gründen des Datenschutzes nicht nennen. Wie bei der Bayreuther Patientin gab es aber offensichtlich Kontakte nach Norddeutschland, wo bereits drei Infizierte gestorben und mehr als 200 Verdachtsfälle gemeldet sind.

Die 28-jährige Bayreuther Patientin hatte Anfang Mai in Hamburg Familienangehörige besucht. Nach Erkenntnissen des Gesundheitsamtes Bayreuth ging die junge Frau dort mindestens zweimal zum Essen - unter anderem auch in ein Fastfood-Lokal. "Es ist zwar durchaus möglich, dass sie sich irgendwo durch Schmierinfektionen im Sanitärbereich angesteckt haben könnte, aber meist werden Ehec-Erreger über die Nahrung aufgenommen", sagt Klaus von Stetten, der Leiter des Gesundheitsamtes.

Ehec-Erkrankungen sind seit 2001 in Deutschland meldepflichtig. In Bayern registrieren die Gesundheitsbehörden jährlich 1,78 Ehec-Erkrankungen pro 100000 Einwohner. Nicht immer merken die Betroffenen, dass sie sich infiziert haben, und zeigen keinerlei Krankheitsanzeichen. Ihr Stuhl ist dennoch hochinfektiös. "Treten Symptome auf, kommt es meist nach einer Inkubationszeit von ein bis acht Tagen zu Übelkeit, Erbrechen und leichten, wässrigen Durchfällen", teilt das Landesamt für Gesundheit mit. Bei schweren Krankheitsverläufen - wie bei der 28-jährigen Patientin in Bayreuth - kommt es zu blutigem Stuhlgang.

Setzt der Ehec-Erreger - dabei handelt es sich um eine Sonderform von Kolibakterien - zudem extrem aggressive Giftstoffe im Körper frei, sind Blutarmut, Blutgerinnungsstörungen und schließlich auch schwere Funktionsstörungen der Nieren bis hin zum kompletten Nierenversagen zu befürchten.

Die derzeit im Bayreuther Klinikum behandelte Frau hatte das Krankenhaus vor gut sieben Tagen aufgesucht, als bei ihr blutiger Stuhlgang auftrat. "Da war ihre Nierenfunktion noch völlig normal", wie Chefarzt Harald Rupprecht mitteilte. Am Sonntag aber verschlechterte sich ihre Situation rapide - die Patientin erlitt einen Krampfanfall, und ihre Nieren versagten komplett. Derzeit ist sie zumindest wieder ansprechbar. Auch hätten sich die Laborwerte verbessert.

Um sich selbst vor einer Ehec-Infektion zu schützen, hilft nach Informationen des Landesamtes für Gesundheit eine gewissenhafte Hygiene. Dazu zählen gründliches Händewaschen "nach jedem Toilettenbesuch, vor der Küchenarbeit, nach dem Hantieren mit rohem Fleisch, vor dem Essen und nach dem Umgang mit Tieren". Dringend ratsam sei es, Gemüse - da womöglich mit infiziertem Odel gedüngt - sorgfältig zu reinigen.

Zur SZ-Startseite
Süddeutsche Zeitung
  • Twitter-Seite der SZ
  • Facebook-Seite der SZ
  • Instagram-Seite der SZ
  • Mediadaten
  • Newsletter
  • Eilmeldungen
  • RSS
  • Apps
  • Jobs
  • Datenschutz
  • Kontakt und Impressum
  • AGB