Edith Stein in der Walhalla Die heilige Nazi-Gegnerin

Ein neuer Marmorkopf in der Walhalla: Seit heute steht die Büste der in Auschwitz ermordeten Nonne Edith Stein in der Gedenkstätte. Sie war die erste jüdischstämmige Heilige Europas.

Die in Auschwitz ermordete Nonne Edith Stein wird künftig in der Ruhmeshalle und Gedenkstätte Walhalla in Donaustauf geehrt. Eine Büste der Heiligen wurde an diesem Donnerstag dort aufgestellt. Staatskanzleichef Siegfried Schneider (CSU) würdigte Stein für ihre "Weitsicht und Zivilcourage".

Die sechste Frau in der Ruhmeshalle Walhalla: Edith Stein bewies "Weitsicht und Courage", 1942 wurde sie von den Nationalsozialisten ermordet.

(Foto: Foto: ddp)

Bei der Enthüllung des Denkmals sagte Kardinal Friedrich Wetter, Edith Stein sollte insbesondere jungen suchenden Menschen ein Vorbild sein. "Wir brauchen Menschen, die glaubwürdig sind in ihrem Denken und Handeln, die auf festem Boden stehen und sich für Werte einsetzen, die ein menschenwürdiges Leben ermöglichen", sagte der frühere Münchner Erzbischof.

Die 1942 ermordete Philosophin und Frauenrechtlerin hatte Papst Pius XI. bereits 1933 um ein Einschreiten gegen den Rassenwahn der Nationalsozialisten gebeten. Eindringlich bat sie, "dass die Kirche Christi ihre Stimme erhebe". Der Antwortbrief aus dem Vatikan ging allerdings über eine bloße Empfangsbestätigung nicht hinaus.

Die Philosophin war 1987 seliggesprochen worden, bereits elf Jahre später wurde sie durch Papst Johannes Paul II. heiliggesprochen. Erstmals in der Kirchengeschichte wurde damit eine Katholikin jüdischer Abstammung heiliggesprochen. Ihre Stein-Büste ist der 129. Marmorkopf in der deutschen Ruhmeshalle bei Donaustauf nahe Regensburg. Unter den Geehrten sind nur sechs Frauen.

Der bayerische König Ludwig I. ließ die Walhalla für "bedeutende Persönlichkeiten teutscher Zunge" wischen 1830 und 1842 von seinem Hofbaumeister Leo von Klenze erbauen. Der Ruhmestempel im griechischen Stil thront seitdem auf einem Hügel über der Donau bei Donaustauf nahe Regensburg.

Die Entscheidung für die Neuaufstellung von Büsten trifft die bayerische Staatsregierung nach einem langwierigen Verfahren. Grundsätzlich kann jeder Bürger und jede Institution Persönlichkeiten für die Ehrung in der Walhalla vorschlagen. Wer eine neue Büste anregt, muss dann aber in der Regel auch die Kosten dafür übernehmen.