Industrie in der KriseDyneon-Verkauf – ein Lichtblick im Chemiedreieck

Lesezeit: 1 Min.

Im Chemiepark Gendorf im oberbayerischen Burgkirchen sollen auch in Zukunft Fluorpolymere produziert werden.
Im Chemiepark Gendorf im oberbayerischen Burgkirchen sollen auch in Zukunft Fluorpolymere produziert werden. Foto: Heiner Heine/Chemieprak Gendorf

Die chemische Industrie in Bayerns Südosten blickt einer ungewissen Zukunft entgegen. Doch ausgerechnet für ein vermeintlich bereits verlorenes Unternehmen tut sich plötzlich eine neue Perspektive auf.

Von Matthias Köpf, Burgkirchen

SZ bei Google bevorzugen

Fast die Hälfte der Belegschaft hat das Unternehmen bereits verlassen müssen, doch die verbliebenen rund 400 Mitarbeiter werden die Produktion wieder aufnehmen können, statt endgültig die Anlagen abzubauen: Mit dem Verkauf des Fluorpolymer-Herstellers Dyneon an eine Unternehmensgruppe aus der Schweiz ist eines der Schwergewichte der krisengebeutelten Industrie im bayerischen Chemiedreieck fürs Erste gerettet. „Ich bin erleichtert, dass mit der Dyneon die Weiterproduktion von Fluorpolymeren und damit die Arbeitsplätze im Chemiedreieck erhalten bleiben“, teilte Bayerns Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger (Freie Wähler) am Dienstag mit.

Nach den Ministeriumsangaben haben der US-Konzern 3M und die schweizerische Capmont Group AG den Verkauf von Dyneon nun besiegelt. Die Amerikaner hatten 2023 angekündigt, sich vom Geschäft mit Fluorpolymeren komplett zu trennen und das Werk im Chemiepark Gendorf im oberbayerischen Burgkirchen zu schließen.

SZ Bayern auf Whatsapp
:Nachrichten aus der Bayern-Redaktion – jetzt auf Whatsapp abonnieren

Von Aschaffenburg bis Berchtesgaden: Das Bayern-Team der SZ ist im gesamten Freistaat für Sie unterwegs. Hier entlang, wenn Sie Geschichten, News und Hintergründe direkt aufs Handy bekommen möchten.

Fluorpolymere zählen zu den sogenannten PFAS, die wegen ihrer Beständigkeit auch als „Ewigkeitschemikalien“ bekannt sind und bei Menschen Krebs und andere schwere Gesundheitsschäden auslösen können. So sind im Chemiedreieck im Landkreis Altötting die Böden großflächig mit Perfluoroktansäure belastet, die im Chemiepark Gendorf viele Jahre lang hergestellt und verarbeitet worden ist.

3M steht in den USA wegen solcher Produkte unter großem juristischem Druck und will sich ganz von der PFAS-Herstellung trennen. Lange hatte es der Konzern daher auch ausgeschlossen, Dyneon zu verkaufen oder in eine Stiftung zu überführen, wie es der damalige Altöttinger Landrat Erwin Schneider (CSU) vorgeschlagen hatte.

Denn ein Ende von Dyneon würde – abgesehen vom direkten Verlust Hunderter Arbeitsplätze – auch eine riesige Lücke in die eng verflochtene Struktur des Chemieparks Gendorf mit seinen rund 30 Unternehmen reißen. Zudem sind Fluorpolymere noch längst nicht in allen Anwendungsbereichen durch andere Stoffe ersetzbar, sie werden in der Industrie weiterhin dringend gebraucht.

Das Dyneon-Werk in Gendorf gilt inzwischen als eines der modernsten und saubersten weltweit und als einziges in ganz Europa. Durch den nun beschlossen Verkauf werde „eine noch stärkere Abhängigkeit von ausländischen Lieferanten, zum Beispiel aus Asien, verhindert. Grundstoffproduktion im Land stärkt die Widerstandskraft der gesamten europäischen Industrie“, heißt es dazu von Aiwanger.

© SZ - Rechte am Artikel können Sie hier erwerben.
Zur SZ-Startseite

Wirtschaft
:Chemieindustrie in Bayern: Reaktion unter Druck

Die Menschen im bayerischen Chemiedreieck haben lange Zeit gut von einer Industrie gelebt, die inzwischen tief in der Krise steckt. Im Chemiepark Gendorf sollen jetzt Start-ups für Jobs und Aufbruchstimmung sorgen.

Von Matthias Köpf

Lesen Sie mehr zum Thema

  • Medizin, Gesundheit & Soziales
  • Tech. Entwicklung & Konstruktion
  • Consulting & Beratung
  • Marketing, PR & Werbung
  • Fahrzeugbau & Zulieferer
  • IT/TK Softwareentwicklung
  • Tech. Management & Projektplanung
  • Vertrieb, Verkauf & Handel
  • Forschung & Entwicklung
Jetzt entdecken

Exklusive Gutscheine für SZ-Abonnenten: