Fast die Hälfte der Belegschaft hat das Unternehmen bereits verlassen müssen, doch die verbliebenen rund 400 Mitarbeiter werden die Produktion wieder aufnehmen können, statt endgültig die Anlagen abzubauen: Mit dem Verkauf des Fluorpolymer-Herstellers Dyneon an eine Unternehmensgruppe aus der Schweiz ist eines der Schwergewichte der krisengebeutelten Industrie im bayerischen Chemiedreieck fürs Erste gerettet. „Ich bin erleichtert, dass mit der Dyneon die Weiterproduktion von Fluorpolymeren und damit die Arbeitsplätze im Chemiedreieck erhalten bleiben“, teilte Bayerns Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger (Freie Wähler) am Dienstag mit.
Nach den Ministeriumsangaben haben der US-Konzern 3M und die schweizerische Capmont Group AG den Verkauf von Dyneon nun besiegelt. Die Amerikaner hatten 2023 angekündigt, sich vom Geschäft mit Fluorpolymeren komplett zu trennen und das Werk im Chemiepark Gendorf im oberbayerischen Burgkirchen zu schließen.
Fluorpolymere zählen zu den sogenannten PFAS, die wegen ihrer Beständigkeit auch als „Ewigkeitschemikalien“ bekannt sind und bei Menschen Krebs und andere schwere Gesundheitsschäden auslösen können. So sind im Chemiedreieck im Landkreis Altötting die Böden großflächig mit Perfluoroktansäure belastet, die im Chemiepark Gendorf viele Jahre lang hergestellt und verarbeitet worden ist.
3M steht in den USA wegen solcher Produkte unter großem juristischem Druck und will sich ganz von der PFAS-Herstellung trennen. Lange hatte es der Konzern daher auch ausgeschlossen, Dyneon zu verkaufen oder in eine Stiftung zu überführen, wie es der damalige Altöttinger Landrat Erwin Schneider (CSU) vorgeschlagen hatte.
Denn ein Ende von Dyneon würde – abgesehen vom direkten Verlust Hunderter Arbeitsplätze – auch eine riesige Lücke in die eng verflochtene Struktur des Chemieparks Gendorf mit seinen rund 30 Unternehmen reißen. Zudem sind Fluorpolymere noch längst nicht in allen Anwendungsbereichen durch andere Stoffe ersetzbar, sie werden in der Industrie weiterhin dringend gebraucht.
Das Dyneon-Werk in Gendorf gilt inzwischen als eines der modernsten und saubersten weltweit und als einziges in ganz Europa. Durch den nun beschlossen Verkauf werde „eine noch stärkere Abhängigkeit von ausländischen Lieferanten, zum Beispiel aus Asien, verhindert. Grundstoffproduktion im Land stärkt die Widerstandskraft der gesamten europäischen Industrie“, heißt es dazu von Aiwanger.


