Guten Morgen, 6.30 Uhr, 24,7 Grad am Bett, man fühlt sich wie erschlagen, aber die Smartuhr labert schon los: Schlafindex unterdurchschnittlich, weil Du aufgewacht bist. Wie soll man auch nur ein Auge zubekommen, wenn in der Wohnung alle Fenster sperrangelweit offenstehen? Draußen ist halt doch einiges los. Besoffene, Müllabfuhr – manchmal kommt sogar der Zeitungsausträger.
Der Himmel nimmt schon kurz nach Sonnenaufgang wieder diese blau-braune Färbung an, die einen weiteren Hitzetag verspricht. Fährt man dann mit dem Auto durch Bayern, kommt man sich vor wie in einem Science-Fiction-Film aus den Neunzigern. Das Thermometer zeigt 37,5 Grad, draußen zieht eine savannenartige Landschaft vorbei. Braune Wiesen, braune Äcker, braune Bäume.
Wo man hinschaut, verdorrter Mais, Mais, Mais. Die Donau bei Deggendorf ist auf Loisach-Breite geschrumpft. Springt man abends in einen der aufgeheizten Seen, zieht man beim Schwimmen eine seltsame Schaumspur hinter sich her.
Dieser Sommer driftet immer mehr ins Dystopische ab, man kann ihn sich selbst mit gekühltem Rosé nicht mehr schönsaufen. Die Alten erinnern sich noch daran, dass es in den Siebzigerjahren ab und zu hitzefrei gab, wenn das Thermometer die 30-Grad-Marke übersprang. Damals wurde im Fernsehen ernsthaft die Frage diskutiert, ob womöglich eine neue Eiszeit bevorstehe.
Im Fernsehen hat Bayerns Ministerpräsident Markus Söder gerade eine CO₂-Preissenkung ins Spiel gebracht, damit der Sprit endlich wieder billiger wird – eine eher antizyklische Form der Klimapolitik. Der Bauernverband und die CSU sehen gar das Ende der Welt herannahen, aber nicht so sehr wegen der Hitze und Dürre, sondern wegen der EU-Wiederherstellungsverordnung.
Sie soll die Mitgliedsstaaten verpflichten, dass sie zumindest das Bisschen erhalten, das von der Natur noch übrig ist. Aber das erscheint unzumutbar. Man will halt lieber so weitermachen wie bisher. Bloß, wo soll das enden?
Bleibt die Hoffnung auf göttlichen Beistand, wenn schon von der Politik wenig zu erwarten ist. In der katholischen Kirche gibt es die schöne Tradition der Flurumgänge, in denen für eine gute Ernte gebetet wird. Irgendwas scheint dabei in diesem Jahr aber schiefgelaufen zu sein. Vielleicht sollte die Kirche aus aktuellem Anlass ein paar zusätzliche Dürre-Prozessionen nachschieben. Die Bitte steht schon fest: Herr, lass es endlich regnen. Und wenn schon kein Wasser, dann wenigstens Hirn.



