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Drogensucht:CSU will Modell-Projekt mit Heroin-Gegenmittel starten

Drogentote im Südwesten

Der Einsatz von Naloxon als Heroin-Gegenmittel wird von SPD und Grünen schon seit Jahren gefordert.

(Foto: dpa)
  • Die CSU will in einem Modell-Projekt Naloxon als Heroin-Gegenmittel einsetzen.
  • In einem Projekt sollen Abhängige bis zu drei verschiedene Präparate des Arzneistoffes testen können.
  • Das Projekt wird durch mehrere Universitäten wissenschaftlich begleitet und soll Anfang 2018 starten.

Von Lisa Schnell

Mit neuen Initiativen will die CSU-Fraktion die Zahl der Drogentoten in Bayern reduzieren. Neben einer repräsentativen Studie zum Suchtverhalten von Jugendlichen gehört auch ein Modellprojekt mit dem Heroin-Gegenmittel Naloxon dazu. Zunächst hatte sich die CSU-Fraktion skeptisch gezeigt, jetzt aber ist Bernhard Seidenath (CSU) überzeugt.

"Naloxon hebt die Wirkung des Heroins auf", sagte er am Montag im Landtag. Bisher darf das Gegenmittel, das etwa den Atemstillstand bei einer Heroin-Überdosis stoppen kann, nur von Ärzten angewendet werden. In einem Modellprojekt soll es jetzt auch an medizinische Laien ausgegeben werden. Bis zu drei Präparate - ein Nasenspray, das nur in den USA zugelassen ist - soll ein Abhängiger bekommen, die er dann an Angehörige oder Mitarbeiter seiner Drogensuchthilfe verteilen könne, sagte Seidenath.

Man rechne mit 400 Teilnehmern in den Städten München, Nürnberg, Augsburg und Regensburg. Einzigartig an dem Modellversuch, der 330 000 Euro kosten werde, sei die wissenschaftliche Begleitung durch mehrere Universitäten, sagte Seidenath. Anfang 2018 werde das für zwei Jahre angelegte Projekt starten.

Eine weitere Maßnahme sei die Substitution, sagte Klaus Holetschek (CSU). Die Scheu vieler Ärzte, eine Therapie mit der Ersatzdroge Methadon anzubieten, sei groß, da ihnen früher im schlimmsten Fall die Genehmigung entzogen wurde. Durch die nun Ende August wirksame Änderung der Betäubungsmittelverschreibungsordnung müssten Ärzte aber nichts mehr befürchten. Um besser auf die Sucht von Jugendlichen reagieren zu können, will die CSU-Fraktion zudem eine Studie in Auftrag geben. Etwa 75 000 Schüler im Alter von 14 bis 17 Jahren sollen in fünf Landkreisen (München, Nürnberg, Miltenberg, Dillingen, Weilheim-Schongau) anonym zu ihrem Suchtverhalten befragt werden.

Den Grünen und der SPD gehen die Vorschläge nicht weit genug. Sie fordern Drogenkonsumräume in Großstädten, die von der CSU abgelehnt werden. Sowohl der Einsatz von Naxolon als auch Verbesserungen bei der Methadon-Therapie würden von Grünen und SPD seit Jahren gefordert. Hätte die CSU früher auf sie gehört, wären jetzt wohl weniger Tote zu beklagen, sagte Kathrin Sonnenholzner (SPD). In Bayern gibt es mit 321 Drogentoten (2016) so viele wie in keinem anderen Bundesland.

© SZ vom 22.08.2017/libo

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