Dorfplatz von Pemfling Vom diktatorischen Verhalten der Denkmalpfleger

"Pemfling ist ein Paradebeispiel für das Versagen des Systems Denkmalschutz", sagt sogar Landeskonservator Greipl. Einen Ausweg scheint es nicht mehr zu geben. Seit dem Wegfall des sogenannten Dissensverfahrens müssen die Denkmalpfleger bei Abrissvorhaben nicht mehr angehört werden. Hat der zuständige Landrat erst einmal unterschrieben, dann dürfen auch denkmalgeschützte Gebäude jederzeit abgerissen werden. Vor zwei Jahren hatte der damalige Chamer Landrat Theo Zellner der Familie Maier diese Unterschrift erteilt. Schweren Herzens, wie er damals sagte, aber eine andere Lösung habe es nicht mehr gegeben.

Landeskonservator Greipl hatte dennoch bis zuletzt für den Erhalt des Zehentstadels gekämpft. "Eine denkmalgerechte Instandsetzung und Nutzung wäre ohne jeden Zweifel möglich gewesen", sagt er. 2008 habe das Landesamt für Denkmalpflege noch eine Instandsetzungsplanung finanziert. "Dieser Vorschlag war doch unter aller Sau", erwidert dagegen Maier. Er ließ selber ein Gutachten anfertigen, "von einem unabhängigen Sachverständigen", und da seien Kosten von 3,8 Millionen Euro, nach oben offen, herausgekommen. "Das einzig Vernünftige ist der Abriss."

Eine Aussage wie diese tut dem Chamer Kreisheimatpfleger Hans Wrba in der Seele weh: "Es ist doch so viel Geschichte in dem Haus." Historiker sehen in dem zum ehemaligen Edelsitz in Pemfling gehörenden Wohngebäude ein herausragendes Zeugnis für Bauformen, Verwaltungs- und Sozialstrukturen in der Oberpfalz seit dem 15. Jahrhundert. Stuckdecken und wunderbar verzierte Türen zeugen vom gehobenen Status der einstigen Bewohner.Trotzdem findet sich im Dorf kaum jemand, der den Abriss bedauern würde.

Eine Wurfweite entfernt ist das Rathaus, in dem Bürgermeister Franz Haberl erklärt, warum der Gemeinderat zweimal einstimmig für den Fall des Zehentstadels gestimmt hat. "Die Denkmalpfleger haben nicht erkannt, dass in diesem Gebäude eine Familie unter absolut unzumutbaren Bedingungen leben musste." Theo Zellner habe dies gesehen und deshalb nach dem Grundsatz Mensch vor Gebäude entschieden. Nie seien den Besitzern finanzierbare Alternativen für ein zeitgemäßes Wohnen aufgezeigt worden.

Kreisheimatpfleger Wrba will nicht ausschließen, dass man vor 20 Jahren "vielleicht noch zu harsch mit Denkmalbesitzern umgegangen ist". Die Familie Maier sei jedenfalls nie mehr auf irgendein Angebot eingegangen.

Konrad Maier wirft den Denkmalpflegern sogar diktatorisches Verhalten vor: "Die bestimmen immer nur, was ich machen muss, und ich muss es bezahlen, mag es noch so sinnlos sein. Das ist doch ein Narrenstück." Maier hält es zwar für sinnvoll, Schlösser und Burgen zu erhalten, "aber doch nicht solche Schadgebäude wie meines. Ich wohne auch lieber in einem Haus, das hell ist und in dem es nicht muffelt."

Heimatpfleger Hans Wrba macht sich keine Illusionen mehr. "Zu viele Menschen haben keine Beziehung mehr zu ihrer Geschichte und zu ihrer Heimat." Und so fragt er sich resigniert: "Was wird unsere Tourismus-Region in Zukunft noch alles bieten können außer zersiedelte Landschaft, gespickt mit Toskana-Häusern und Industriegebieten?" Landeskonservator Greipl befürchtet, dass der Fall Pemfling eine fatale Signalwirkung für den ohnehin schon dramatisch geschwundenen Denkmalbestand im ländlichen Raum haben könnte. Und Konrad Maier, der von seiner Frau zum Essen gerufen wird, sagt zum Reporter: "Schreiben's ned zu schlecht über mich."