bedeckt München 17°

Dorf muss Hochwasserschutz weichen:"Jetzt geht's dahin"

Isarmünd, Hochwasser

"Das sterbende Dorf" haben sie unter das alte Ortsschild gehängt: Der Weiler Isarmünd, ein Ortsteil von Moos, wird wegen Hochwasserschutzes dem Erdboden gleichgemacht. 

Isarmünd, ein idyllisches Fleckchen Erde am Zusammenfluss von Isar und Donau, muss dem Hochwasserschutz weichen. Die Anwesen der Einwohner werden abgerissen. Doch nicht allen ist der Entschluss zum Umzug leicht gefallen.

Ruhig war es hier schon immer, auf diesem idyllischen Fleckchen Erde, wo die Isar sanft in die Donau mündet. Doch an diesem Tag ist die Stille trügerisch. Umschlossen von Äckern und Wäldern brütet Isarmünd in der Mittagssonne, der nächste Ort liegt Kilometer entfernt. Nichts ist zu hören außer dem Surren eines Abrissbaggers, der sich alle paar Minuten in die Balken und Mauern eines Bauernhofes frisst. An der Hauptstraße, gleich hinter der Kapelle, warnt ein Schild vor Baustellenfahrzeugen. "Jetzt geht's dahin", sagt Johann Nepomuk Bauer, den alle hier nur Muk nannten. Isarmünd, seine Heimat, wird dem Erdboden gleichgemacht.

Muk Bauer und seine Frau Franziska sind die einzigen Bewohner von Isarmünd, die an diesem Nachmittag zusehen, wie das erste von sieben Anwesen zerstört wird. Schon vor drei Jahren wurde der Plan entworfen, der Donau mehr Raum zu geben. Für den Deggendorfer Landrat Christian Bernreiter ist es ein "Paradebeispiel", wie Hochwasserschutz einvernehmlich umgesetzt werden kann. Für Michael Kühberger, den Leiter des Deggendorfer Wasserwirtschaftsamtes, ist es ein Projekt mit "Modellcharakter". Für Isarmünd ist es der Anfang vom Ende.

Mehr als 800 Jahre soll der kleine Ort bereits bestehen, er war eine Anlaufstelle für Reisende, die auf die andere Uferseite übersetzen wollten. Im neuen Hochwasserschutzkonzept jedoch fand sich kein Platz mehr für ihn. Der Damm bei Isarmünd bietet lediglich Schutz vor einem 30-jährlichen Hochwasser. Um ihn für ein 100-jährliches Hochwasser auszubauen, wäre wohl ein zweistelliger Millionenbetrag nötig gewesen. "Ein ungünstiges Kosten-/Nutzenverhältnis", sagt Amtschef Kühberger.

Den Freistaat kam es billiger, die etwa 20 Einwohner zum Umsiedeln zu bewegen. Nun kann auch der dringend benötigte Polder mit einem Fassungsvermögen für etwa zehn Millionen Kubikmeter Wasser entstehen. "Die Bürger, der Staat - alle sind zufrieden", sagt Landrat Bernreiter.

Hochwasserschäden in Bayern

Bilder der Zerstörung

Alle? "Wir hätten hier nicht weg wollen", sagt Muk Bauer. Den Jüngeren im Ort sei die Entscheidung leichter gefallen. 91 Jahre zählt Bauer, wie seine sechs Geschwister wurde er in Isarmünd geboren. Bis auf den Zweiten Weltkrieg und die Zeit in sowjetischer Gefangenschaft hat er sein Leben hier verbracht, hat den Bauernhof seiner Eltern übernommen, hat Viehwirtschaft und Ackerbau betrieben.

Heute dienen die einst stolzen Höfe allenfalls als Nebenerwerbsgrundlage, die Kinder und Enkel arbeiten bei meist großen Unternehmen in der Region. Oder die Höfe sind zum Refugium für wohlhabende Auswärtige wie jenen Münchner geworden, der hier an seiner Traktoren-Sammlung herumschrauben wollte. Eine Glaskuppel habe der Besitzer in das Haupthaus einbauen lassen wollen, die Nebengebäude waren bereits für teures Geld saniert worden. Nun zeugt nur noch ein Haufen Steine von ihrer Existenz. "Dabei war es so stabil gebaut", sagt Muk Bauer, "so stabil."