Evangelische Christuskirche DonauwörthZehn Euro für jeden Gottesdienst-Besucher

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Die Christuskirche in Donauwörth muss renoviert werden, was viel Geld kostet.
Die Christuskirche in Donauwörth muss renoviert werden, was viel Geld kostet. Ricardalovesmonuments / Wikimedia

Das Dekanat Donau-Ries hat eine ungewöhnliche, aber erfolgreiche Sammelaktion gestartet, um eine seiner Kirchen zu sanieren: Jeder Gläubige soll seine Talente nutzen, um zehn Euro Startkapital zu vermehren.

Von Florian Fuchs, Donauwörth

Manchmal muss man Geld investieren, um noch mehr einzunehmen. Und deshalb war es keine Bezahlung und auch keine Bestechung, dass Besucher des Gottesdienstes in der Donauwörther Christuskirche einen Briefumschlag mit zehn Euro darin erhalten haben. Etwa, damit sie beim nächsten Mal wieder kommen. Nein, es war der Auftakt einer ungewöhnlichen Sammelaktion, die mit dem Erlös helfen soll, die renovierungsbedürftige Kirche wieder herzurichten.

Neben den zehn Euro nämlich lag noch etwas in dem Briefumschlag, ein Zettel mit den Worten: „Du hast ein Talent, mach was draus!“ Jeder Besucher sollte also seine Talente nutzen, um die zehn Euro kreativ zu vermehren und den Erlös dann der evangelischen Kirche zurückzugeben. Mehr als 2500 Euro sind so durch verschiedene Aktionen der Gläubigen zusammengekommen. „Niemand hat die zehn Euro einfach eingesteckt und ist verschwunden“, sagt Dekan Frank Wagner vom Dekanat Donau-Ries.

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Etwa eine Million Euro wird die Sanierung der Kirche kosten. Innen bröckelt der Putz von der Wand, an manchen Stellen fehlt Farbe, es braucht neue Lautsprecher und Leitungen. Und, das ist Dekan Wagner wichtig, das Gebäude muss barrierefrei werden, gerade Senioren mit Rollator oder Rollstuhl haben momentan Schwierigkeiten, in die Kirche zu gelangen. Das Dekanat hofft auf öffentliche Zuschüsse und Zahlungen der Landeskirche. 333 333,33 Euro will aber auch ein Fundraising-Team für die Renovierung sammeln, das das Dekanat extra eingesetzt hat.

Aus diesem Kreis stammt die Idee mit den zehn Euro und den Talenten, die sich an das „Gleichnis von den anvertrauten Talenten“ aus dem Matthäus- und Lukas-Evangelium anlehnt. Es handelt von einem Mann, der seinen Knechten Talente anvertraut, also Geld in der damaligen Währung, damit sie es vermehren.

1500 Euro hat das Dekanat in der Christuskirche verteilt, einmal im März und einmal in den Pfingstferien. Die Gläubigen aus der Kerngemeinde seien dagewesen, sagt Wagner. „Und ein paar Besucher waren da, die nicht so häufig kommen.“

Dekan Frank Wagner freut sich über das Geld, das durch die ungewöhnliche Spendenaktion fließt.
Dekan Frank Wagner freut sich über das Geld, das durch die ungewöhnliche Spendenaktion fließt. Privat

Eine Dame, erzählt Wagner, habe Puppenkleider genäht und dann für 160 Euro verkauft. Sie spendete das Geld der Kirche. Ein 84 Jahre alter Mann hat Postkarten bemalt, vor allem mit Pflanzenmotiven, er brachte 150 Euro zurück. Wieder andere pflückten Kirschen in ihrem Garten und verkauften sie am Baggersee oder veranstalteten einen Flohmarkt in ihrer Garage, die sie zuvor entrümpelten „Es sind viele schöne Ideen entstanden, man sieht, dass alle Menschen Talente haben“, sagt Wagner.

Wobei es für einen Flohmarkt, oder um Kirschen zu ernten und zu verkaufen, kein Startkapital von zehn Euro benötigt. Es ging Dekan Wagner nicht nur darum, Geld zu vermehren. Er freut sich schon auch darüber, wie öffentlichkeitswirksam die Sammelaktion ist. Viele Menschen hat sie schlicht auf den Finanzierungsbedarf der Kirche in Donauwörth aufmerksam gemacht – und damit aktiviert. „Viele haben den Betrag auch einfach verdoppelt, manche haben 50 Euro oder mehr gespendet“, erläutert Wagner. „Aber das ist Geld, das diese Menschen ja auch irgendwo erwirtschaftet haben.“

4056,60 Euro hat das Dekanat mit der Talente-Aktion bislang erwirtschaftet, abzüglich der eingesetzten 1500 Euro reicht das lange nicht für die Renovierung der Christuskirche. Das Fundraising-Team hat aber über andere Wege bereits knapp 90 000 Euro gesammelt, somit fehlt ihm zu seinem Ziel zumindest nur noch eine knappe Viertelmillion Euro. Einige Gottesdienst-Besucher haben um zeitlichen Aufschub gebeten, weil sie es nicht so schnell geschafft haben, die ihnen anvertrauten zehn Euro zu vermehren. Wagner will den Nachzüglern dafür bis zum Erntedankfest im Oktober Zeit geben.

Ein weiterer Termin für einen Gottesdienst, an dem die Kirche den Besuchern zehn Euro anvertraut, ist aber nicht geplant. Das Fundraising-Team hat sich ja als kreativ erwiesen. Wagner sagt: „Wir hören nicht auf. Aber ich denke, wir werden uns wieder etwas Neues einfallen lassen.“

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