Asyl Offenbar interessiert sich auch der türkische Geheimdienst für Augsburg

Dabei laufen in der Augsburger Filiale des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge, bei Augsburger Anwälten und beim Verwaltungsgericht Augsburg die Fäden zusammen. Die ersten Schritte der Flüchtlinge in Deutschland erfolgen dort. Auch die Wohnungssuche anerkannter Gülen-Anhänger, bei der der Gülen-nahe Augsburger Bildungsverein Frohsinn behilflich ist, konzentriert sich zumeist auf die Region Augsburg.

Ein Kurde aus dem osttürkischen Antep, Basarhändler von Beruf, war 2019 einer der ersten, dessen Asylklage beim Augsburger Verwaltungsgericht behandelt wurde. Insgesamt 350 Verfahren geflohener türkischer Staatsbürger sind dort anhängig, wie ein Sprecher erklärt. Die Fluchtgründe des Händlers sind komplex. Er trägt den Namen eines hohen PKK-Funktionärs der Region und litt, wie er in der Verhandlung erzählte, unter Festnahmen und polizeilichen Durchsuchungen.

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2008 legte er sich eine Gülen-Identität zu: ein Konto bei der gülennahen Asya Bank, ein Abo der Gülen-nahen Tageszeitung Zaman, außerdem spendete er an die örtliche Gülen-Schule. "Gülen war der Staat. Da war man auf der sicheren Seite", erklärte er dem Gericht. Er sei während des Ausnahmezustands 2016 festgenommen worden, konnte aber im September 2017 Richtung Deutschland fliehen. Das Gericht lehnte seine Klage ab. Der Satz "Gülen war der Staat" spielte in seinem Prozess keine Rolle. Doch er steht sinnbildlich für die unter den Flüchtlingen schwelenden Konflikte.

Pinar Beşir lebte im Sommer 2017 in Donauwörth. "Am ersten Tag sah ich, wie viele Polizisten etwa sieben, acht Kurden in Handschellen aus Haus 5 abgeführt haben. Ein schockierender Anblick. Wie in der Türkei", erinnert sie sich. Die 22-jährige Studentin vermutete wie auch Bilal, dass womöglich Gülen-Anhänger dahintersteckten: Diese hätten den Betreiber des Zentrums, die Malteser Werke, dazu gebracht, "Haus beş", wie sie das Haus 5 nennen, von Kurden zu "säubern". Außerdem seien wiederholt Männer mit SUVs und Frankfurter oder Berliner Kennzeichen im Haus beş zu Besuch gewesen. Sowohl Pinar Beşir als auch Çakir Bilal hatten deshalb den Verdacht, dass hochrangige Vertreter des deutschen Gülen-Netzwerks höhere Kader unter ihren Anhängern im "Ankerzentrum" aufsuchten.

Dass es diese in Donauwörth gibt, das berichten auch Augsburger Anwälte. Manche Gülen-Anhänger stünden unter Polizeischutz. Das bayerische Landeskriminalamt wollte dies auf Nachfrage weder bestätigen noch dementieren. Auch der türkische Geheimdienst interessiert sich offenbar für die Vorgänge in Augsburg: In einer Kanzlei, so berichten Juristen, sei ein als Flüchtling getarnter Agent aufgetaucht und habe versucht, Mandanten auszuspionieren.

Was aber geschah wirklich in Haus 5? Im Sommer 2017 sollten etwa 30 alleinstehende Männer aus diesem Haus aus- und in die Nummer 10 umziehen, um Platz für meist aus der Türkei ankommende Familien zu schaffen, erklärt Frank Kurtenbach, der bei der Regierung von Schwaben für das "Ankerzentrum" zuständig ist. Die gambischen Bewohner verließen das Haus nach einigen Wochen freiwillig. "Nur das Kurdenzimmer weigerte sich, die fühlten sich offenbar ungerecht behandelt", erinnert sich Kurtenbach. Warum, das konnte er sich nicht erklären, die Spannungen zwischen Kurden und Gülen-Anhängern seien ihm nicht bekannt gewesen. Er rief die Polizei.

Am 29. August das Unterstützungskommando (USK) mit 100 Einsatzkräften und führte die acht gewaltlos streikenden Männer ab. Drei wurden vorläufig festgenommen und wegen Hausfriedensbruch und versuchter Nötigung angezeigt. Der enorme Aufwand habe ihn erstaunt, erklärt Kurtenbach, aber das sei eine Entscheidung der Polizei gewesen. SUVs mit fremden Kennzeichen auf dem Parkplatz seien ihm auch aufgefallen, sagt er.

Auch Sybille Jakob, Verantwortliche der Malteser Werke im "Ankerzentrum" Donauwörth, hatte diese Besuche bemerkt, sie jedoch nicht eingeordnet.

Von der explosiven Stimmung zwischen Kurden und Gülen-Anhängern erfahre sie zum ersten Mal.