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US-Wahlkampf:Trump warnt vor Zuständen wie in Eggenfelden

Über diesem Screenshot aus dem Video schrieb Familie Mooser auf Facebook: "Wir möchten uns in aller Deutlichkeit von den Aussagen eines gewissen Donald T. distanzieren."

(Foto: Screenshot aus einem Twitter-Video von Donald Trump)

In einem Wahlwerbespot ist der Stadtplatz samt Geschäftsfassade zu sehen. Im Modehaus Hartwimmer steht das Telefon nicht mehr still. Zeit für ein Gegenvideo bleibt trotzdem.

Von Hans Kratzer, Eggenfelden

In den 145 Jahren, in denen das Modehaus Hartwimmer am Eggenfelder Stadtplatz existiert, hat es sich im Rottal eine solide Stellung erworben. Nun aber ist der gute Ruf des Geschäfts sogar weit über die Region hinausgedrungen, ja man kann sagen, das Modehaus Hartwimmer ist erstmals in seiner langen Geschichte in den Fokus der großen Weltpolitik gerückt.

Am Samstag klingelte bei Gisela Mooser, der Inhaberin des altehrwürdigen Geschäfts, schon in aller Früh das Telefon. Eine Freundin war dran und teilte ihr aufgeregt mit, der Stadtplatz sei mitsamt der Fassade des Modehauses in einem Werbefilm für den US-Präsidenten Donald Trump zu sehen. "Es hat nicht lange gedauert, da lief mein Handy heiß", sagte Gisela Moosers Sohn Gregor am Montag am Telefon, "es ging richtig rund."

Tatsächlich hatte Trumps Wahlkampfteam eine düster wirkende Szene des leeren Eggenfeldener Stadtplatzes in einen Wahlspot geschnitten. Sie sollte als dramatisches Beispiel belegen, was den Amerikanern bei einem sogenannten Lockdown drohen könnte - nämlich eine Ödnis wie in Niederbayern. In dem Video warnt Trump die Zuschauer, sein Konkurrent Joe Biden könnte die USA womöglich in einen ähnlichen Lockdown führen, wie er seit Montag in Deutschland gültig ist.

Der Inhalt des Films irritierte die Familie Mooser. "Uns war klar, dass wir das dort gezeigte Bild in den sozialen Medien korrigieren müssen", sagt Gregor Mooser. In Niederbayern sei eben nicht alles grau in grau, das Gegenteil sei der Fall, sogar in der Corona-Krise. Auf ihrer Facebookseite schrieben Gisela und Gregor Mooser: "Wir möchten uns in aller Deutlichkeit von den Aussagen eines gewissen Donald T. distanzieren. Allerdings können wir schon etwas darüber schmunzeln, dass uns und der Einkaufsstadt Eggenfelden der Sprung auf die große Bühne gelungen ist."

Wie aber gelangten die Bilder in den US-Werbespot? Gregor Mooser vermutet, sie stammen von Fernsehaufnahmen, die vergangene Woche nach dem über den Landkreis Rottal-Inn verhängten Lockdown aufgenommen wurden. "Es ist Zufall, dass wir da hineingerieten." Zunächst hatte die Familie Mooser sogar überlegt, dem amerikanischen Präsidenten eine Einladung zu schicken, um ihm zu zeigen, "wie schön es bei uns ist". Gregor Mooser produziert gerade zusammen mit Freunden ein Gegenvideo, in dem das bunte Eggenfelden zu sehen ist. Schon an diesem Dienstag soll es auf Facebook und Instagram landen und die Botschaft vermitteln: Trotz des Lockdowns ist in Eggenfelden viel geboten.

Trotz der aktuell schwierigen Lage sei er zuversichtlich, dass es das Modehaus noch lange geben wird, sagt Gregor Mooser, der erst heuer ins Geschäft einstieg. "Wir sind froh, dass wir aufsperren können, die Kunden wissen unser Angebot nach wie vor zu schätzen." Die Leute hätten gemerkt, dass die Innenstadt sterbe, wenn die Geschäfte alle zu seien. Geradezu rührend beteuerten manche: "Wir haben fei nix im Internet gekauft." Und wer wird US-Präsident: "Ich hoffe", sagt Gregor Mooser, "dass der, der uns in sein Wahlvideo gestellt hat, es nicht wird."

© SZ vom 03.11.2020/syn/sim
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