Oberbürgermeisterin Eva Weber (CSU) bezeichnet sie als „eines der bedeutendsten Zeugnisse unserer Stadt- und Kulturgeschichte“, nun ist die Dominikanerkirche in Augsburg wieder für die Öffentlichkeit zugänglich – erstmals nach 13 Jahren, als das Gebäude wegen statischer Probleme plötzlich gesperrt werden musste. Die Kirche hat eine wechselhafte Geschichte und diente früher als Grabstätte für Augsburger Patrizierfamilien. Die einst reiche Ausstattung der Kirche ist heute teils in Paris und in London zu sehen oder im Besitz der Bayerischen Staatsgemäldesammlung.
„Wir freuen uns, die bedeutende Geschichte der Dominikanerkirche mit modernen Vermittlungsmethoden aufzugreifen und sie als Ausstellungs- und Veranstaltungsort wiedereröffnen zu können“, sagt Kulturreferent Jürgen K. Enninger. Bis zur Schließung 2012 hatte die Kirche das Römische Museum beherbergt, das seitdem lediglich in einem Interimsstandort wenige Exponate ausstellen kann. Das für die reiche römische Geschichte Augsburgs so bedeutende Museum soll nach dem Willen der Politik aber nicht wieder in die Dominikanerkirche einziehen, sondern laut neuesten Planungen am Standort einer ehemaligen Justizvollzugsanstalt ein neues Zuhause finden. Die Dominikanerkirche dagegen soll laut Weber als „multifunktionaler Ausstellungs- und Veranstaltungsraum“ das Erbe Augsburgs neu erlebbar machen.

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Über Jahrhunderte hinweg hat die Dominikanerkirche das kulturelle Leben der Stadt als Ort religiöser und gesellschaftlicher Begegnung geprägt. „Die Kirche galt als eine Art Pantheon der Augsburger Patrizier“, heißt es vonseiten der Stadt. Hier befindet sich unter anderem ein Grabstein des Stadtschreibers Konrad Peutinger, hier wurden einst Johann Jakob Fugger bestattet, Neffe des berühmten Jakob Fugger, wie auch Mitglieder anderer herrschaftlicher Augsburger Familien.
Eine Kirche existiert an dem Standort seit dem 13. Jahrhundert, auf den Grundmauern des alten Gebäudes errichteten die Dominikaner 1515 die Klosterkirche St. Magdalena. Zeitweise nutzten Protestanten das Gebäude, dann wieder kehrten die Dominikaner nach Augsburg zurück. In der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts wurde die Kirche im Stil des Barock umgestaltet. Im Zuge der Säkularisierung ging die kunsthistorisch wertvolle Ausstattung für Augsburg weitgehend verloren. Eine Figur der Maria Magdalena ist heute im Louvre in Paris ausgestellt, Teile des einstigen Bronzealtars besitzt das Victoria and Albert Museum in London.
Die Dominikanerkirche ist zweischiffig gebaut, mit einer zentralen Säulenreihe, eine Seltenheit bei Kirchengebäuden. Unter dem Gebäude gibt es zahlreiche Grüfte, was die statischen Probleme verschärfte. Untersuchungen Endes des Jahres 2012 ergaben, dass es unter dem Boden Risse mit einer Länge von bis zu 35 Zentimetern gab, so teilte es damals der zuständige Baureferent mit. Auch weil es an den nötigen Finanzmitteln fehlte, wurden aus der ursprünglich kurzfristig angedachten Sperrung ein jahrelang andauerndes Dilemma.
Nun verschließt eine neue Platte den Boden, die Sanierung wird dennoch andauern. In mehreren Bauphasen soll die Platte noch eine Fußbodenheizung erhalten und technisch ausgebaut werden. Für das Jahr 2028 ist geplant, das Dach zu erneuern, anschließend die Fassaden, bis die Arbeiten schließlich Ende 2030 fertiggestellt sein sollen – „unter Vorbehalt der Finanzierung“, wie die Stadt betont. Die Verwaltung rechnet mit Kosten von 15 Millionen Euro.
Das Eröffnungswochenende am 6. und 7. Dezember soll Augsburger Geschichte erlebbar machen und Vergangenheit und Gegenwart verschmelzen lassen. Eine Lichtinstallation wird Architektur und Historie des Ortes durch kunstvolle Projektionen auf den Säulen und in den Kapellen der Kirche inszenieren. Historischer Tanz und szenische Darstellungen sollen die Stadtgeschichte lebendig machen. Das Programm wiederholt sich im 30-Minuten-Takt, der Eintritt ist frei.

