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BR-Dokumentation:Eine Art von bayerischem Existenzialismus

Ein ähnlich wuchtiger Wurf gelang vor kurzem dem Regisseur Christian Lerch mit seinem Dokumentarfilm "B12 - Gestorben wird im nächsten Leben". Es ist eine Hommage an das fast schon aus der Zeit gefallene Rasthaus bei Hohenlinden, an den Wirt Mane, seinen Vater Lenz und all die anderen Stammgäste, deren Geschichten, deren Leben und Leiden er frappierend direkt und ohne glättende Inszenierung dokumentiert hat.

B12 - Auf der Suche nach dem Sinn des Lebens,

Die Protagonisten in Christian Lerchs Doku über das Rasthaus an der „B12“.

(Foto: Johannes Kaltenhauser)

Diese Art von bayerischem Existenzialismus dürfte Menschen in Zukunft stark berühren. Kein archäologischer Fund lässt so tiefe Einblicke in Randbezirke einer Gesellschaft zu wie solche Dokumentationen. Auch wenn sie vom aktuellen Publikumsinteresse her weit zurückfallen hinter Soaps und Seichtkrimis wie "Dahoam is Dahoam" oder "Hubert & Staller".

Ein anderer, sicherlich die Zeiten überdauernder Dokumentarfilm von 1993 trägt den Titel "Das Ei ist eine geschissene Gottesgabe". Handlungsort ist der von manchem Unglück getroffene Bauernhof Sprengenöd, 40 Kilometer südlich von München. Hauptperson ist die alte Bäuerin Sophie Geisberger, die in stoischer Ergebenheit ihr Schicksal meistert. Dagmar Wagner erhielt für dieses Meisterwerk den Bayerischen Filmpreis.

Nicht zuletzt passt der Streifen "Schöner als Fliegen - Geschichten aus dem Erdinger Moos" (1992) gut in diese Reihe. Drei Jahre lang begleiteten die Filmemacher Wolfgang Ettlich und Elke Jeanrond den Bau des Münchner Flughafens. Ihre Dokumentation schildert episodenhaft den fundamentalen Zusammenprall von Tradition und Moderne und die sich daraus ergebenden Dramen und Verhaltensmuster der betroffenen Menschen, die statt der Stallarbeit plötzlich karibische Nächte erleben.

"A altes Buidl vo München is mehra wert als a Brillant", soll Karl Valentin einst gesagt haben. Dies trifft erst recht auf solche Dokumentarfilme zu.

© SZ vom 28.11.2018/frw
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