Wandern und Naturschutz:Virtuelle Kontrollgänge

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Michael Waldhauser ist Digitalranger im Nationalpark Bayerischer Wald und als solcher nicht nur im Gelände unterwegs, sondern auch vom Schreibtisch aus im Internet.

Von Andreas Drouve/dpa, Grafenau

Drohnenflüge und Lagerfeuer. Badende in geschützten Gewässern. Wanderer und Radler, die auf einen GPS-Track gestoßen sind, der sie abseits markierter Wege führt. Michael Waldhauser kennt viele Verstöße, die die Tier- und Pflanzenwelt gefährden. Waldhauser ist Digitalranger im Nationalpark Bayerischer Wald und nicht nur im Gelände unterwegs, sondern auch vom Schreibtisch aus im Internet. Auf seinen virtuellen Streifzügen schaut er, dass die Regeln bei Beschreibungen von Touren und Ausflugszielen eingehalten werden und verantwortungslose Social-Media-Einträge keine Nachahmer finden. Als bislang bedenklichster Fall ist ihm ein Post untergekommen, der "Lichtmalereien mit glühender Stahlwolle" zeigte. "Solche Spielereien gelten als offenes Feuer und sind nicht nur im Nationalpark, sondern in sämtlichen Naturschutzgebieten und allgemein im Wald verboten."

Sensibilität für die Natur erhöhen, die Menschen informieren und für den Schutz der Natur sensibilisieren. Das habe für ihn oberste Priorität, sagt Waldhauser. Mit Strafen droht er dabei nicht gleich. "Wenn wir Inhalte im Netz entdecken, die gegen Nationalparkregeln verstoßen, nehmen wir Kontakt zu den Personen auf und weisen diese höflich auf ihr Fehlverhalten hin", sagt der Digitalranger. Dabei erklärt er auch die Hintergründe der Regeln. Und dass es wichtig sei, diese zum Schutz zahlreicher, teilweise bedrohter Arten wie dem Auerhuhn einzuhalten. Nach seiner Erfahrung zeigen sich die Angesprochenen überwiegend einsichtig.

"Manche folgen blind einem Track"

Obwohl in Alpen und Mittelgebirgen die meisten Naturfans die Spielregeln also einhalten: Ein relativ kleiner Personenkreis könne "erhebliche Konflikte verursachen", sagt Manfred Scheuermann. Er ist beim Deutschen Alpenverein (DAV) im Bereich Naturschutz und Kartographie tätig. Als Beispiele nennt Scheuermann das Parken und Biwakieren an dafür nicht freigegeben Orten, Bergsport bei Nacht in sensiblen Bereichen und das Nichtbeachten von Wald-Wild-Schongebieten oder Wildschutzgebieten bei Ski- oder Schneeschuhtouren. Kritisch steht der Fachmann vom Alpenverein Instagram-Hotspots gegenüber, zu denen viele Menschen strömen. In Extremfällen müssen überlastete Gebiete behördlich gesperrt werden.

Ansprechen hilft manchmal, aber nicht immer. So ist zumindest Scheuermanns Erfahrung. "Die Verursacher solcher Besucherströme", sagt er, "sind teils erreichbar und offen für Optimierungen, andere dagegen blocken ab." Dazu kommt ein weiteres Problem: "Manche Leute sind gar nicht informiert, schlecht ausgerüstet und folgen blind einem Track." Das habe schon zu tragischen Unfällen geführt, und auch die Natur könne stark darunter leiden. Das Beispiel Kleinwalsertal, wo im Juni mehr als 100 Schüler und Lehrer gerettet werden mussten, zeigt nach Einschätzung des Experten, wie wichtig es ist, sich nicht auf eine Quelle aus dem Netz zu verlassen - sondern umsichtig zu planen.

"Man sollte immer mit offenen Augen unterwegs sein und auch Schilder vor Ort lesen und beachten", sagt Digitalranger Michael Waldhauser. Wer sich mit Angaben von Apps und Websites auf die Tour vorbereitet, solle möglichst Routenvorschläge nutzen, die von offiziellen Stellen stammen, also von Schutzgebietsverwaltungen oder Tourismusverbänden. Diese enthielten in der Regel zuverlässige Informationen. Auch die eigene Kondition und Trittsicherheit sollte man realistisch einschätzen und nur Touren auswählen, die man bewältigen kann.

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