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Vorteile des Homeschooling:Die digitalisierte Umwelt prägt unseren Alltag

Kristina Reiss, 68, ist Dekanin der TUM School of Education und Professorin für Didaktik der Mathematik an der Technischen Universität in München. Sie untersuchte 80 Studien darauf, ob digitale Materialien die Unterrichtsqualität steigern.

(Foto: TUM)

Digitaler Unterricht ist vorteilhaft und wichtig - und führt zu besseren schulischen Leistungen. Doch damit dieser funktioniert, müssen die Lehrenden auf ihn vorbereitet sein.

Kommentar von Kristina Reiss

Brauchen wir verstärkt den Unterricht mit digitalen Medien? Ist ein solches Lernen sinnvoll, wirksam oder nützlich? Man reibt sich ein wenig die Augen und versucht zu verstehen, warum diese Frage im 21. Jahrhundert noch immer gestellt wird. Unser Alltag im Allgemeinen und der Alltag von Kindern und Jugendlichen ganz speziell ist durch eine digitalisierte Umwelt geprägt. Die Allgegenwärtigkeit von Smartphones und Internet, von Streamingdiensten und Whatsapp-Gruppen ist Teil der Lebenswirklichkeit gerade von jungen Menschen.

Es ist von klarem Vorteil, diese Welt zu verstehen, die damit verbundenen Chancen zu erkennen und den Mehrwert zu nutzen. Es gilt auch, Risiken der Digitalisierung zu sehen oder ihre Folgen erkennen und abschätzen zu können. Eine Schule, die auf die gesellschaftliche Realität vorbereitet und dabei auf interessierte, kritikfähige und Dinge hinterfragende Bürger zielt, kann sich diesem Alltag nicht verschließen und muss einen Bildungsauftrag ableiten. Dabei dürfte ein Lernen über die Digitalisierung ohne digitale Medien kaum möglich sein.

Doch auch wenn man weniger diese allgemeinen Ziele von Unterricht in den Blick nimmt und auf konkrete fachliche Inhalte schaut, ist das Lernen mit digitalen Medien vorteilhaft und wichtig. Insbesondere belegen wissenschaftliche Studien, dass Unterricht mit digitalen Medien - etwa ab Klasse 5 und im mathematisch-naturwissenschaftlichen Bereich - zu besseren schulischen Leistungen führt. Das ist eigentlich nicht erstaunlich, wissen wir doch, dass eine Vielfalt an Methoden das Lernen wesentlich unterstützen kann. Unterschiedliche Lernangebote ermöglichen es, Schülerinnen und Schüler individuell anzusprechen und besser auf ihr Vorwissen einzugehen.

Die Frage ist also nicht ob, sondern wann und wie digitale Medien im Unterricht eingesetzt werden. Es gibt eine Reihe von Studien, die hier Antworten liefern. Zunächst einmal ist es zielführend, im Unterricht sowohl digitale als auch traditionelle Medien zu verwenden. Es kommt darauf an, die Vorteile der verschiedenen Lernumgebungen zu nutzen. Das Experiment, ob Eis in einer Plastik- oder in einer Metallschüssel schneller schmilzt, kann man nicht ohne Weiteres durch ein digitales Angebot ersetzen. Die Recherche dazu ist allerdings digital sinnvoll und führt zum Hinterfragen, zur Diskussion, zu einer Erklärung des Ergebnisses.

Doch die konkrete Handlung kann auch in einer digitalen Umgebung der Ausgangspunkt für Lernen sein. Brüche werden etwa über Handlungen mit Kreisen oder Rechtecken eingeführt, bei denen man eine Hälfte, ein Drittel oder ein Sechstel gut sehen kann. Diese Erfahrungen sind genauso in einer digitalen Umgebung zu machen. Aber auch hier kommt es auf den Austausch und das gemeinsame Lernen an. Es hilft, die digitalen Werkzeuge mit Partnerinnen oder Partnern zu teilen, auch das ist ein gesichertes Ergebnis wissenschaftlicher Studien. Der digitale Unterricht lebt genauso wie der traditionelle vom Miteinander der Schülerinnen und Schüler.

Schließlich ist noch eines notwendig, wenn digitaler Unterricht erfolgreich sein soll: Die Lehrerinnen und Lehrer müssen vorbereitet sein. Auch wenn die letzten Monate hier viel bewirkt haben, sollte die Staatsregierung in eine ständige Fortbildung investieren, damit Schülerinnen und Schüler von einem zeitgemäßen Lernen bestmöglich profitieren können. Klar ist: Mit oder ohne Corona brauchen wir einen guten digitalen Unterricht.

© SZ vom 05.09.2020/kafe
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