Als Dieselfahrer ist man im Grunde genommen inzwischen ein armer Hund. Durch die Stadt schleicht man sowieso nur noch mit schlechtem Gewissen, weil die Kiste hinten Stickoxidwolken rausbläst. Aber am schlimmsten sind die surrealen Preise an den Tankstellen: 2,45 Euro kostet der Liter Diesel inzwischen. Ein halbwegs voller Tank mit 50 Litern kommt auf 122,50 Euro. Dafür erhält man beim Discounter 51,33 Liter Grauburgunder aus dem Anbaugebiet Rheinhessen/Pfalz, und zwar Qualitätswein, der angeblich durch seine dezente Säure besticht und zum Fisch passt.
Die Grenzen zu Tschechien und Österreich wirken da wie rettende Ufer, denn dahinter winkt der Billig-Sprit. Noch nie waren private und berufliche Ausflüge in die nördliche Oberpfalz und den Bayerischen Wald so verlockend wie derzeit. Wichtig ist nur, dass man auf der Fahrt dorthin nicht aufs Gaspedal steigt, sondern sich eisern an Tempo 100 hält, wie damals, als man in den Achtzigern mit dem alten Benz den Wald gerettet hat.
Noch ein Tipp: Gebläse, Sitzheizung und Radio ausschalten, auf Abschnitten mit Gefälle den Gang rausnehmen, bremsen nur im absoluten Notfall. Fenster geschlossen halten. So schafft man es immerhin mit 4,4 Litern Durchschnittsverbrauch bis Waldsassen – sehenswerte Wallfahrtskirche und Abtei – und schließlich ins tschechische Marienbad zu OMV. Dort kassieren sie für den Liter Diesel leider jetzt auch schon 2,02 Euro.
Aber man kann von dort aus 170 Kilometer an der Grenze entlang bis nach Mauth – Freilichtmuseum, Lusenwanderung – schleichen, wo es nur noch ein paar Kilometer bis nach Strazny sind. Hier treffen sich alle Tankflüchtlinge aus Deutschland und füllen sogar ihre mitgebrachten Reservekanister auf, um sie im Kofferraum ihrer 70 000-Euro-SUVs zu verstauen. Von Strazny würde sich nun ein kleiner Abstecher zur Tankstelle im österreichischen Achleiten bei Passau – Dom, Scharfrichterhaus – anbieten. Fährt man auf dem Heimweg kurz in Braunau – barocker Stadtplatz – über den Inn, kann man noch einmal fünf Liter Ösi-Sprit nachfüllen.
Schade nur, dass das Auto einem die pflegliche Behandlung nicht dankt, obwohl es erst 332 000 Kilometer auf dem Tacho hat. Es will nur Öl, Öl, Öl, nichts als das teure synthetische für 25 Euro pro Liter. Jetzt steht es in der Werkstatt, weil die Holperstraßen im Grenzland der arthrotischen Vorderachse zugesetzt haben.
Wie heißt es doch gleich bei den Doors? „This is the end
beautiful friend.“ Das nächste Auto wird elektrisch.


