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Die Woche in Bayern:Das Ende der grünen Leichtigkeit

Politischer Frühschoppen auf Volksfest Gillamoos - B90/Grüne

Katharina Schulze, Fraktionsvorsitzende der Grünen in Bayern, prostet beim politischen Frühschoppen auf dem Volksfest Gillamoos mit Spezi.

(Foto: dpa)

Frei von Regierungsverantwortung lässt es sich recht unbeschwert Politik machen - den Umfragen zufolge könnte sich das bald ändern. Die CSU kämpft beim Parteitag gegen den Absturz.

Ausgerechnet die Grünen, die ewigen Warner vor dem Weltuntergang, sind in diesen Wochen so gut drauf, dass Misanthropen alleine beim Anblick ihres bayerischen Führungsduos Migräneschübe bekommen. Es dürfte schwer sein, ein Foto zu finden, auf dem Katharina Schulze nicht strahlt. Auch Ludwig Hartmann grinst an ihrer Seite, als sei Cannabis bereits legalisiert worden.

Aus Sicht der Rechten und ganz Rechten in Bayern wirkt der grüne Optimismus geradezu unverfroren, weil ihrer Meinung nach der Jüngste Tag nah ist - und zwar nicht wegen des Klimawandels, den die AfD für eine Erfindung der Medien hält, sondern wegen all der Flüchtlinge, die Dorfkirchen bald in Moscheen umwandeln.

Tatsächlich sehen sich die Grünen bereits auf dem Weg zur neuen Volkspartei, die einen Platz am Kabinettstisch beanspruchen darf. Ihr Wahlprogramm liest sich wie eine einzige Verheißung eines knallig bunten, umweltbewussten und friedlichen Bayerns. Dagegen kaut etwa die alte Tante SPD lustlos und sichtlich deprimiert auf ihren sozialen Missständen herum, während die nervöse CSU überall Grenzposten aufstellen will, damit die AfD nicht einrückt. Das kommt vergleichsweise depri rüber und macht keinen Bock, um es mal so zu formulieren.

Die gute Laune der Grünen rührt zum Teil auch daher, dass sie anscheinend die Technik der gelenkten Traumreise anwenden, wie man sie von Meditations-CDs kennt: So reden sie sich neuerdings selbst ein, dass sie auch auf dem Land eine Macht seien. Doch aus ein paar Biobauern, die jetzt die Grünen wählen, wird noch kein Trend. Im Gegenteil: Nicht die Grünen erstarken auf dem Land, sondern vor allem die AfD.

Die Grünen sind immer noch eine Partei der Ballungsräume, auf Wald und Flur schauen sie oft mit den Augen von Stadtmenschen: Da draußen hat die Welt in Ordnung zu sein, wenn sie mit ihrem dicken Kombi am Wochenende die Natur entdecken. Da will man nicht bloß Mais sehen. Mit der Heimat samt all ihren politisch verdächtigen Feuerwehrlern und Schützenvereinen können sie dagegen wenig anfangen. In Flüchtlingspolitik haben die Grünen alles, was schwierig und ungereimt ist, an die CSU outgesourct.

So lässt es sich recht unbeschwert Wahlkampf machen, frei von Regierungsverantwortung - jedenfalls noch: Sollten die Umfragen stimmen, was keineswegs sicher ist, dann könnten die Grünen in einer Koalition mit der CSU sechs von 18 Kabinettsposten für sich beanspruchen. Zumindest theoretisch, denn CSU-Fraktionschef Thomas Kreuzer hat gerade wieder ausgeschlossen, dass die Partei mit den Grünen koalieren werde. Man kann aber auch der Meinung sein, dass die Grünen sehr wohl mit der CSU koalieren werden, weil es so gut wie ausgeschlossen ist, dass Kreuzer nach der Wahl Fraktionschef bleibt.

So oder oder so: Bald ist es vorbei mit der Leichtigkeit. Bis dahin dürfen die Grünen noch gerne träumen und lächeln.

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DAS KOMMT AUF UNS ZU

Große Ereignisse fangen oft klein an. So auch am kommenden Donnerstag. Dann nämlich soll der Wahl-O-Mat zur Verfügung stehen, der allen Bayern, die es brauchen sollten, eine Hilfestellung für ihre Wahlentscheidung am 14. Oktober gibt. Dabei handelt es sich quasi um eine digital-politische Selbsterfahrungsmaschine.

Die funktioniert im Grunde ganz einfach: Das Programm stellt den jeweiligen Nutzern Thesen vor, auf die sich je nach Laune mit ,stimme zu', ,stimme nicht zu' oder ,neutral' antworten lässt. Ist das erst einmal vollbracht, so werden jene Parteien angezeigt, die prozentual die meisten Übereinstimmungen mit den eigenen Antworten hatten.

Landtagspräsidentin Barbara Stamm gehört mit zu jenen, die dieses Zauberwerkzeug am Donnerstag im Maximilianeum allen Menschen ans Herz legen wollen, die bislang ratlos in der Wahlkabine standen oder erst gar nicht reingingen.