Auszeichnung:Der lebensgefährliche Job des "Bomben-Sepp"

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Bombenfund in Milbertshofen, 2010

Bei Josef Beiers Arbeit herrscht jedes Mal Bombenstimmung, wie der 64-Jährige das selber gerne nennt (Archivbild, Bombenfund in Milbertshofen, 2010).

(Foto: lok)

Wird eine Bombe gefunden, werden die Häuser evakuiert. Alle gehen, Josef Beier kommt. Seit 35 Jahren schon. Dafür hat der Leiter des Münchner Sprengstoffkommandos nun das Bundesverdienstkreuz bekommen.

Sie nennen ihn den Bomben-Sepp. Eigentlich sollte er es ja gar nicht erzählen, aber schon als Kind hatte Josef Beier, 64, es mit den Bomben. Nach dem Krieg, da war er acht Jahre alt und "ganz schlau", wie es Achtjährige eben so sind. Gleich um die Ecke bei ihm in Wettstetten war ein Übungsplatz, sein "Abenteuerspielplatz". Dort fanden sie Granaten und Munition. Das Pulver knallte so schön. Hätte auch schiefgehen können, damals.

Jetzt ist er natürlich sehr viel vorsichtiger. Mehr als 400 Bomben aus dem Ersten und Zweiten Weltkrieg hat er bis jetzt entschärft, seit 35 Jahren ist Beier bei der zivilen Kampfmittelbekämpfung, mittlerweile als Leiter des Sprengstoffkommandos in München. Sommer ist Bombenzeit, wenn viele Baustellen in Arbeit sind, Winter dann Munitionsvernichtungszeit.

Wird eine Bombe gefunden, werden die Häuser evakuiert. Alle gehen, Beier kommt. Manchmal ist ein Chlortank gleich neben der Bombe, manchmal passt der Zünder nicht zum Bombentyp. Wie soll man die entschärfen? "Routine gibt es nicht", sagt Beier. Dafür nicht selten akute Lebensgefahr. Wie muss jemand sein, der so was aushält? "Der muss so sein wie i", sagt Beier. "Nicht so der ängstliche Typ" eben. Pulver und Lautstärke hat er auch gern in seiner Freizeit, da ist er Böllerschütze. Das fand auch Innenminister Joachim Herrmann recht bezeichnend und nannte es in seiner Ehrenrede auf Beier, als er ihm diese Woche das Bundesverdienstkreuz verlieh.

Dafür, dass er seine eigenen Entschärfungsmethoden entwickelt, seine eigenen Öfen zusammengebastelt hat, in denen die Munition vernichtet wird und zu jeder Zeit ausrückt, wenn eine Bombe gefunden wurde. Betriebsmüde ist Beier noch lange nicht. "Die anderen gehen in die Arbeit und ich geh in die Arbeit und hab eine Bombenstimmung", sagt er.

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