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Die Haßberge:Romantische Wanderungen durch altes Bauernland

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Wer ruhige Gegenden mag und gerne in der Natur unterwegs ist, für den sind die Haßberge das richtige Ziel. Beim Pfingstfest aber geht es hoch her.

Wenn sich die Königsberger Männer Gehröcke anziehen und sich mit Spazierstöcken bewaffnen, dann ist nicht Sonntagsausflug, sondern dann ist Pfingstdienstag und die Bürgerwehr zieht aus. Das ist ein Feiertag in Königsberg, die Geschäfte sperren zu und alles trifft sich auf dem Marktplatz. Die Bürgerwehr ist eine besondere, sie soll die letzte sein in Deutschland, die von den im Revolutionsjahr 1848 entstandenen Bürgerwehren bis heute überdauert hat. "Die Wehr kam nie zum Einsatz", sagt Bürgermeister Claus Bittenbrünn. Im Rathaus, im ehemaligen Bürgermeisterzimmer, wo heute gelegentlich Trauungen stattfinden, steht in der Ecke eine Puppe mit der Uniform des Hauptmanns. Der wird bis heute von allen Bürgern in einer Versammlung gewählt und trägt als einziger Uniform. Die anderen Männer kommen im Gehrock und Zylinder oder Heckerhut, der nach einem badischen Revolutionär benannt ist.

Fünf Tage dauert das Königsberger Pfingstfest, aber auch wenn es im restlichen Jahr etwas ruhiger ist, lohnt sich ein Besuch in der kleinen Fachwerk-Stadt. Der Ort ist etwas abgelegen, dafür lässt es sich in der Umgebung recht schön wandern. Die Haßberge, hinter deren Namen man keinesfalls eine besonders misslaunige Gegend vermuten darf, sind von einigen Wanderwegen durchzogen, die der Haßbergverein in einer Broschüre zusammengefasst hat (www.hassbergverein.de).

Bis nach Coburg, zu dem Königsberg einmal gehörte, als Coburg noch Herzogtum war, lässt es sich spazieren: Etwa 50 Kilometer lang auf dem Amtsbotenweg, den früher jener Bote nutzte und so die Verbindung von Königsburg zur Residenzstadt herstellte. Außerdem liegt Königsberg an der etwa 250 Kilometer langen Straße der Fachwerkromantik, am Kelten-Erlebnisweg von Thüringen zum Steigerwald und am Friedrich-Rückert-Wanderweg, der sich über 105 Kilometer von Schweinfurt nach Coburg erstreckt.

Gut zehn Kilometer von Königsberg entfernt, ebenfalls im Landkreis Haßberge, liegt Zeil am Main. In dem hübschen Weinort steht der Zeiler Hexenturm, ein Dokumentationszentrum zur Geschichte der Hexenverfolgung. Zeil war im 17. Jahrhundert Richtstätte des Hochstifts Bamberg, mehr als 400 Menschen wurden dort als Hexen verbrannt. Seit drei Jahren ist in dem ehemaligen Stadtturm und dem angrenzenden Fronhaus nun eine Dokumentation zu sehen. Tagebücher von Opfern sind dort zu sehen, Briefe und Protokolle der Vernehmungen und Folterungen. Im Stadtturm selbst sind die Reste eines Kerkers aus jener Zeit zu sehen. Für Schulklassen gibt es eigens ein pädagogisches Begleitprogramm zum Phänomen der angeblichen Hexen und ihrer Verfolgung. Informationen und Öffnungszeiten im Internet unter www.zeiler-hexenturm.de

© SZ vom 02.01.2015 / kaa

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