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"Die drei Musketiere":Beliebter Drehort: Warum Schloss Herrenchiemsee das bessere Versailles ist

Christoph Waltz als Kardinal Richelieu (links) und der englische Schauspieler Freddie Fox als König Louis beim Ränkespiel im Spiegelsaal. Der ist in König Ludwigs Schloss auf Herrenchiemsee, erbaut als "neues Versailles", sogar zwei Meter länger als das Original.

(Foto: Constantin Film)

Immer wieder zieht es Hollywood-Produktionen nach Bayern - besonders das Schloss Herrenchiemsee hat es den Filmemachern angetan.

Der König und der Kardinal haben ihre Kopisten mitgebracht. Sie gleichen ihnen aufs Haar und sind ihrerseits Vorlage für weitere Kopisten - respektive Spiegelbilder. Im schönsten Saal von Schloss Herrenchiemsee geht es allen so, nicht nur gekrönten Häuptern; die Spiegel an den Wänden vervielfältigen die Saalbesucher links und rechts ins Unendliche. Das passt gut zu dem Kinofilm, der hier gedreht wurde: "Die drei Musketiere" kann man ebenfalls als eine Art Spiegelung sehen, oder zumindest als Kopie, jeder kennt die Geschichten von d'Artagnan und seinen Freunden. Es gibt kaum einen Stoff der Weltliteratur, der so oft verfilmt wurde wie der Mantel-und-Degen-Klassiker von Alexandre Dumas. Es existieren sogar Varianten mit Goofy, Barbie oder der nackten Ingrid Steeger.

Die Adaption aus dem Jahr 2010, in der Christoph Waltz als Kardinal Richelieu und der englische Schauspieler Freddie Fox als König Louis um die Macht im Land ringen, erzählt nichts Neues, das aber recht bildgewaltig: Große Teile des mit Stars wie Luke Evans, Milla Jovovich oder Orlando Bloom prominent besetzten Films wurden in Bayern gedreht, unter anderem in dem ab 1878 im Auftrag von König Ludwig II. erbauten Schloss Herrenchiemsee. Dabei spielt die Geschichte in Paris, doch solche Kleinigkeiten stören Produzenten selten - sie gehen dorthin, wo sie die besten Bedingungen vorfinden.

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In diesem Fall war es Bayern, das an Orten wie Würzburg, Bamberg und Burghausen in ein mittelalterliches Frankreich verwandelt wurde. Warum aber ausgerechnet der Freistaat? Das hat mit der bayerischen Medienpolitik zu tun, die sich im Glanz internationaler Kinoprojekte sonnen wollte. Also verlegte die Münchner Produktionsfirma Constantin Film die Dreharbeiten ihrer Musketier-Verfilmung nach Deutschland, der Film-Fernseh-Fonds Bayern und weitere nationale Förderinstitutionen steckten insgesamt über zehn Millionen Euro in das Projekt, auch die Bayerische Schlösserverwaltung spielte mit.

Spiegelsaal im Schloss Herrenchiemsee Chiemsee Oberbayern Chiemgau Castle Hall of Mirrors He

Spiegelsaal im Schloss Herrenchiemsee.

(Foto: Imago)

Seit Luchino Viscontis 1972 entstandenem Epos "Ludwig II." mit Helmut Berger und Romy Schneider durfte kein Filmteam mehr in den Spiegelsaal, damals sei zu viel kaputt gegangen, heißt es. Doch für "Die drei Musketiere" gab es wieder eine Drehgenehmigung, mit vielen Auflagen zwar, aber immerhin. "Wir waren an manchen Tagen bis zu vierhundert Leute und hatten extrem viel Ausrüstung dabei", erzählte der Constantin-Produzent Robert Kulzer anlässlich des Kinostarts im Herbst 2011. "Es musste alles mit Matten abgedeckt werden. Wir durften keinerlei Licht in den Saal stellen, alles musste von außen beleuchtet werden. Auch Kerzen waren nicht erlaubt." Der Aufwand habe sich aber gelohnt, sagte Kulzer, die Aufnahmen im Spiegelsaal seien atemberaubend.

Die amerikanischen Zuschauer hätten es gar nicht glauben können, dass es solche Räume in der Realität noch gibt - in Zeiten digitalen Filmemachens glaubt man Effektkünstlern eben mehr als Baukünstlern. Herrenchiemsee war aber auch so ein Glücksfall für die Filmemacher, sie mussten nichts verändern, schließlich wurde es nach dem Vorbild des Schlosses von Versailles erbaut. Also wieder eine Art Spiegelbild - wenngleich der Spiegelsaal in König Ludwigs Schloss sogar zwei Meter länger ist als das Original. Auch die bayerische Adaption der "Musketiere" wollte die vielen bisherigen Verfilmungen übertrumpfen. Zumindest von den Schauwerten her dürfte das dem britischen Regisseur Paul W.S. Anderson gelungen sein, er setzte auf Action, Gags und Pop-Zitate, außerdem drehte er den Film in 3D. Künstlerisch war er kein großer Wurf, es gab auch keine Fortsetzung (was sich von der Vorlage her angeboten hätte).

Im Spiegelsaal läuft dagegen wieder alles in geregelten Bahnen: Tagsüber kommen Touristen, im Sommer finden im Rahmen der Herrenchiemsee Festspiele ein paar wenige Klassikkonzerte statt. Diese endeten kürzlich mit einer Aufführung von Beethovens "Ode an die Freude". Ob sich König Ludwig II. darüber gefreut hätte? Das steht auf einem ganz anderen Blatt.

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