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Die CSU und die BayernLB:Ein Sozi in der Bayernbank

Erwin Huber muss in Berlin um die Rettung der Bayerischen Landesbank bitten. Das ist fast noch schlimmer als sich einen Koalitionspartner suchen zu müssen.

Erwin Huber hätte es so schön haben können am Wochenende. Er hätte mit der Familie oder Freunden eine Radtour in seiner niederbayerischen Heimat unternehmen oder in den Biergarten gehen können. Einfach nur das tolle Herbstwetter genießen, das wäre es gewesen.

Der bayerische Finanzminister Erwin Huber musste am Wochenende mal wieder seinen Kopf hinhalten.

(Foto: Foto: ddp)

Stattdessen musste der Finanzminister wieder einmal den Kopf hinhalten für die Landesbank, die eigentlich zu einer guten Wirtschaftslage im Freistaat beitragen soll, stattdessen aber immer mehr zu einer Belastung für Bayern wird.

Den ganzen Sonntag über erklärte Huber den Medien, wie schlimm es inzwischen um die Bank bestellt sei. So schlimm, dass der stolze Freistaat ausgerechnet die Regierung in Berlin anpumpen muss. Jene Regierung, der die CSU seit Jahren vorexerzieren will, wer die Kunst des Regierens am besten beherrscht. Das ist fast noch härter, als künftig im eigenen Lande die FDP mit am Kabinettstisch zu haben.

Ende noch nicht absehbar

Für Huber und seine Parteifreunde dürfte es freilich noch viel schlimmer kommen. Wahrscheinlich müssen sie sich bald sogar mit den Sozis an einen Tisch setzen: im Verwaltungsrat der Landesbank, der das staatliche Kreditinstitut kontrollieren soll und dem Huber derzeit noch vorsteht.

Dem Aufsichtsgremium gehören seit jeher wichtige Minister an, aber geholfen hat das bislang nichts. Weder Huber noch sein Vorgänger Faltlhauser noch Ministerpräsident Beckstein haben leichtfertige Finanz-Engagements daheim in Bayern und rund um den Globus verhindert, schon damals nicht beim umstrittenen Filmhändler Leo Kirch.

Nun muss sich die Landesbank von Berlin retten lassen, und das hat seinen Preis. Bundesfinanzminister Peer Steinbrück, ein Sozi, wird mitreden. Er wird den CSU-Ministern sagen, wie man eine Bank führt, welche Geschäfte man macht und welche nicht, und was aus einem der letzten großen Geldinstitute mit Stammsitz in München werden soll.

Und Huber wird sich wünschen, weit weg zu sein, irgendwo in Niederbayern. Nur nicht Steinbrück zuhören zu müssen, der alles besser weiß.

© SZ vom 21.10.2008/liv
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