Dialektpreis auf Straubinger Gäubodenvolksfest Bairisch im Weltall

Beruflich spricht Berti Meisinger meist Englisch. Doch den Start der Rakete mit Alexander Gerst in Juni kommentierte sie im oberbayerischen Dialekt.

(Foto: Armin Weigel/dpa)
  • Persönlichkeiten, die bei offiziellen Anlässen ganz ungeniert Dialekt sprechen, haben gute Chancen auf die "Bairische Sprachwurzel". In diesem Jahr ging die Auszeichnung an die Raumfahrtexpertin Berti Brigitte Meisinger.
  • Die Verleihung fand während des Straubinger Gäubodenvolksfestes statt. Das Volksfest war am Samstag von Ministerpräsident Söder eröffnet worden.
  • Söder kündigte an, dass der Freistaat das Straubinger Karmelitenkloster samt Kirche erwerben werde, um es künftig dem Universitätscampus zur Nutzung zur Verfügung zu stellen.
Von Hans Kratzer, Straubing

Vor vier Wochen hat Ministerpräsident Markus Söder für den September eine neue bayerische Raumfahrtstrategie angekündigt. Leider ist ihm der Bund Bairische Sprache zuvorgekommen, indem er am Sonntag seine eigene bayerische Raumfahrtstrategie vorstellte, und zwar mitten im Straubinger Gäubodenvolksfest, wo der Verein die Bairische Sprachwurzel an die Raumfahrtingenieurin Berti Brigitte Meisinger verlieh. Die Botschaft war eindeutig: Der Bund Bairische Sprache plant zwar nicht, in nächster Zeit eine Rakete ins All zu schießen, aber er hat mithilfe von Berti Meisinger augenzwinkernd den Grundstein gelegt, dass im Weltraum künftig auch Bairisch gesprochen wird.

Berti Meisinger betreut als Missionsdirektorin zusammen mit 50 Mitarbeitern vom Kontrollzentrum Oberpfaffenhofen aus den Astronauten Alexander Gerst, der als Astro-Alex bekannt ist und sich bis zum Dezember auf der Raumstation ISS befindet. Außerdem koordiniert Meisinger die wissenschaftlichen Experimente auf der Raumstation in enger Abstimmung mit der Nasa. Ihre Geschäftssprache ist Englisch. Nachdem am 6. Juni im Weltraumbahnhof Baikonur in Kasachstan die Sojus-Rakete mit Gerst gestartet war, kommentierte Berti Meisinger in einem Radio-Interview das Großereignis in ihrem oberbayerischen Dialekt. Ein Tabubruch, den der Bund Bairische Sprache nun mit der Sprachwurzel belohnte.

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"Bairische O-Töne ins Weltall zu senden, mit dieser fast schon revolutionären Mission Bavarian Language hat Meisinger das Vergabekriterium mehr als erfüllt", sagte Vereinschef Sepp Obermeier. Das verleihe Hoffnung auf ein Überleben der bairischen Dialekte im digitalen Zeitalter. Dass Minderheitensprachen im Zuge der Globalisierung im Eiltempo verschwinden, das erlebe er bei seinen Forschungsreisen ständig, sagte Herbert Riepl, Inhaber einer Chemie-Professur der TU in Straubing, in seiner auf Bairisch gehaltenen Laudatio auf Meisinger.

In den vergangenen 20 Jahren habe er bei der Suche nach neuen Arzneipflanzen in Indien und Tibet einen erschreckenden Verlust autochthoner Sprachen erlebt. Im Rückgang des Bairischen in München erkenne er Parallelen dazu. Schuld sei nicht der Zuzug, sondern das fehlende sprachliche Selbstbewusstsein der Einheimischen, die freiwillig auf ihre Sprache verzichteten, in der irrigen Annahme, ein niedersächsischer Regiolekt mute weniger provinziell an als die 1500 Jahre alte Kultur- und Literatursprache Bairisch mit ihren vielfältigen Prägungen durch das Erbe der Römer und ihren interkulturellen Einflüssen aus dem Mittelmeerraum.

Riepl bescheinigte der Raumfahrtingenieurin Meisinger ähnlich wie dem früheren Preisträger Papst emeritus Benedikt XVI. einen Draht nach oben, "a ganz a bsondere Beziehung zum Himme". Sie habe seit den 1970er-Jahren die Raumfahrtentwicklung in Oberpfaffenhofen entscheidend mitgeprägt und bewiesen, dass hochkomplizierte technische Angelegenheiten in Forschung, Entwicklung und Anwendung auch auf Bairisch benannt werden können.

Straubings OB Markus Pannermayr ergänzte Riepls Ausführungen dahingehend, dass sich das Verhältnis von Meisinger und Gerst, dass also Männer das machen, was Frauen sagen, in Jahrhunderten erprobt habe, es sei ein Erfolgsmodell, das jetzt ins Weltall exportiert werde. Dass das Bairische auch im Weltall wahrgenommen werde, gefalle ihm schon deshalb, weil das Gäubodenvolksfest nach allgemeinem Straubinger Verständnis als ein Trumm vom Paradies dem Wohl des Menschen diene, natürlich auch Markus Söder, der das Traditionsfest am Samstag eröffnet hatte. Und zwar schon zum zweiten Mal, was bisher nur wenige durften. Das erste Mal tat er dies 2015 als Finanzminister. Pannermayr sah das positiv. Er erinnerte Söder daran, dass von einem Eröffnungsredner ein Geschenk für Straubing erwartet wird, ein Ministerpräsident dürfe auch etwas Größeres mitbringen.

Söder lobte das Straubinger Fest als das bayerischste aller Volksfeste und die Cleverness der Straubinger, was die Geschenke betreffe. Er kündigte an, der Freistaat werde das Karmelitenkloster erwerben und erhalten, das Fraunhofer-Forschungszentrum soll weiter ausgebaut werden und der Freistaat werde mithelfen, dass das abgebrannte Rathaus in alter Pracht erstrahle.