Deutschlands jüngster Bürgermeister Der Chef wird erwachsen

Stefan Rottmann, SPD-Mitglied und mit 25 Jahren Deutschlands jüngster Bürgermeister, hat die ersten 100 Tage im Amt hinter sich. In seiner Heimatgemeinde Schonungen akzeptiert ihn inzwischen auch die CSU. Doch die großen Aufgaben warten noch.

Von Katja Auer

Der kleine Fußweg am Bach, unter der Brücke durch geht es zum Festplatz. "Hallo Bürgermeister, kannst dich drum kümmern, dass hier abends das Licht angeht?" Macht er, der Bürgermeister, ist ihm ohnehin schon aufgefallen. Es ist Kirchweihmontag in Schonungen, im Zelt spielen die Cavallinis. "Ramona, sag' zum Abschied mir goodbye." Stefan Rottmann kommt kaum zwei Meter weit. "Hallo Stefan, Grüß dich Bürgermeister." Ausgewaschene graue Jeans, grüner Pulli, Sakko. Rottmann ist der Rathauschef, das erste Fass Kirchweih-Bier hat er am Samstag mit zwei Schlägen angezapft.

Stefan Rottmann (SPD), Deutschlands jüngster Bürgermeister in der Gemeinde Schonungen, fühlt sich nach 100 Tagen im Amt angekommen.

(Foto: dpa)

"Ich bin im Amt angekommen", sagt er. Vor 100 Tagen haben das längst nicht alle geglaubt. Damals wurde der SPD-Kandidat zum jüngsten Bürgermeister Deutschlands gewählt. 25 Jahre war er da alt und das Wahlergebnis ebenso überraschend wie knapp. Drei Stimmen hatte Rottmann mehr als sein Gegenkandidat, der damals Zweiter Bürgermeister war und ein erfahrener CSU-Kommunalpolitiker. So etwas kann Gräben reißen in eine Gemeinde.

Nun sitzt Rottmann an einem Biertisch mit seinem Vorgänger Kilian Hartmann, ebenfalls von der CSU, und der christsozialen Fraktionsvorsitzenden im Gemeinderat, Elisabeth Weger. "Es wäre gelogen, wenn ich sagen würde, das hätten wir uns so gewünscht", sagt sie. Hartmann hat seinen Nachfolger dennoch unterstützt, ihn angelernt. "Fleißig und hoch motiviert", nennt er ihn. "Wenn man weiß, wo man hinwill, findet man auch einen Weg", sagt Rottmann.

Trotzdem hat die CSU immer noch die Mehrheit im Gemeinderat. Als Rottmann einen Energiebeauftragten aus dem Gremium bestimmen wollte, stimmte die CSU dagegen. Sie wollte lieber einen Energiebeauftragten aus der Gemeindeverwaltung. Aber menschlich sei man sehr zufrieden mit dem neuen Bürgermeister, betont Elisabeth Weger, und letztlich wollten sie doch alle nur das Beste für Schonungen. Das sagt auch Thomas Rösch, der Zweite Bürgermeister, auch von der CSU: "Wir arbeiten gut zusammen. Was anderes können wir uns gar nicht leisten."

Altlast beseitigen und Image polieren

Denn in der 8000-Einwohner-Gemeinde in der Nähe von Schweinfurt haben sie andere Sorgen. Ein ganzes Wohngebiet, zwölf Hektar groß, ist mit Arsen und Schwermetall verseucht, weil der Industrielle Wilhelm Sattler dort vor hundert Jahren Farben produzierte, wie das "Schweinfurter Grün".

Jahrelang kämpften die Bürger darum, dass sie nicht allein für die Beseitigung der giftigen Erde aufkommen müssen. Rottmann war damals schon dabei, sein Elternhaus steht am Rand des verseuchten Gebiets. Mit 16 Jahren schrieb er eine Petition an den Landtag. Das war sein Einstieg in die Politik.

Es ist freilich ein Zufall, dass die Sanierung ausgerechnet an diesem Kirchweihmontag beginnt. Die Schonunger haben einen Kompromiss erzielt, 33 Millionen Euro zahlt der Freistaat, der Anteil der betroffenen Eigentümer ist vergleichsweise gering.

Rottmann plant nun für die Zeit danach. 2015 soll alles fertig sein, und dann müssen auch die sechs Millionen Euro abgerufen werden, die Schonungen aus der Städtebauförderung bekommt. "Da müssen wir jetzt in die Pötte kommen", sagt der Rathauschef. Ein Ärztehaus stellt er sich vor, ein Seniorenheim, und allerhand andere Sachen, die die Altlast endlich vergessen lassen. Schonungens Image will Rottmann aufpolieren.