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Verkehr:Gerade in Schwaben ist die Fahrt mit dem Zug nervenaufreibend

Dass die Bahn die Konsequenzen zu spüren bekommt, ist offensichtlich. Der Fugger-Express mit der Hauptachse Augsburg-München ist ein Beispiel dafür. Züge, die auf dem Weg in die Landeshauptstadt Fahrgäste wegen Überfüllung nicht mehr mitnehmen können, Verspätungen und Zugausfälle belegen das Drama auf der Schiene. Zuletzt hatte die DB versucht, die Lage in den Griff zu bekommen und mehr längere Züge auf die Gleise gesetzt, was zeitweise auch funktionierte. Die Bayerische Eisenbahngesellschaft zog aber dennoch die Notbremse und entzog der DB die Lizenz für den Fugger-Express.

Die Go-Ahead Group erhielt im August den Zuschlag für die Strecken und für das im Dezember 2021 beginnende E-Netz im Allgäu. Zudem wird das Unternehmen von 2019 an mehrere Verbindungen in Baden-Württemberg und auch nach Bayern betreiben. Die Bayerische Regiobahn GmbH wird außerdem einige Strecken zwischen Ingolstadt und Schongau übernehmen. Die Regiobahn ist dann auch zuständig für das Dieselnetz rund um Augsburg.

Die Augsburger Landtagsabgeordnete der Grünen, Stephanie Schuhknecht, begrüßt es, dass der Fugger-Express nach München von einem privaten Betreiber übernommen wird. "Konkurrenz belebt das Geschäft", sagt sie. Sie erwarte aber, dass beim Übergang kein Chaos entstehe und nicht wieder Ausreden kämen, wenn Züge ausfallen oder Personal fehlen sollte. Es sei genügend Zeit, den Wechsel gründlich vorzubereiten. "Die Bahnreisenden und Pendler erwarten nicht weniger als pünktliche Züge mit ausreichenden Platzkapazitäten auch zu Stoßzeiten." In Zeiten der Verkehrswende sei das "absolut nicht zu viel verlangt", so Schuhknecht.

Ihre Skepsis ist berechtigt. Zuletzt wurde auf dem Abschnitt Immenstadt-Oberstdorf, den die Alex-Züge bedienen, der Bahnverkehr eingestellt. Busse statt Züge sind unterwegs, weil dem privaten Bahnunternehmen das Personal fehlt. Es hatten sich zu viele Mitarbeiter krank gemeldet. Nervenaufreibend für Bahnkunden in Schwaben und im Allgäu ist auch die lange verschlafene Elektrifizierung der Strecken, die nun ad hoc vorangetrieben wird. Auf der Bahnstrecke Geltendorf-Lindau werden derzeit Gleise tiefer gelegt, Bahnhöfe um- und Lärmschutzwände aufgebaut. Das geht zwar flott voran, damit die Züge von München nach Zürich künftig eine Stunde schneller unterwegs sein können. Reisende müssen sich momentan aber im Ersatzverkehr mit Bussen herumschlagen, um an ihr Ziel zu kommen.

Der DB Netz muss man also zugestehen, dass sie spät, aber nun doch mit Nachdruck die Modernisierung der Strecken betreibt. Private Bahnbetreiber allerdings kritisieren vehement, dass die DB gerade in Schwaben, wo etliche Strecken noch nicht auf den elektrischen Zugbetrieb ausgelegt und ertüchtig sind, "jahrzehntelang die Entwicklung verschlafen hat", wie Hubert Teichmann sagt. Er ist Geschäftsführer der Staudenbahn, einer 42 Kilometer langen Linie zwischen Gessertshausen im Südwesten von Augsburg bis Türkheim bei Mindelheim. Die Betreibergesellschaft will die eingleisige Strecke längst wieder beleben, so wie in anderen Teilen des Freistaats sich Regionalbahnen wieder einer Renaissance erfreuen. Weil sich die Politik aber über mehr als 20 Jahre hinweg nicht einig wurde, sind mittlerweile Bäume auf Teilen des Schienenwegs gewachsen und haben ihn unbrauchbar gemacht. Auch Weichen wurden vom vormaligen Betreiber, der Deutschen Bahn, entfernt.

Nun hat sich der Freistaat aber doch noch entschieden, in Bayrisch-Sibirien, wie das Gebiet Schwaben und Allgäu von den Eisenbahnfans bezeichnet wird, Bahnstrecken zu reaktivieren. Auch auf der Ministrecke der Staudenbahn sollen künftig werktags wieder 20 Züge verkehren, was angesichts der Umweltbilanz und des rasant zunehmenden Verkehrs auf der Straße nur vernünftig wäre. Allein: Es könnte wieder am Geld scheitern. "Weil der Freistaat nicht bereit ist, in unsere nun maroden Strecke mehr zu investieren als in die bestehenden, gepflegten Strecken der Deutschen Bahn", sagt Teichmann.

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