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Oberfranken: Der Gasthof der Neonazis:Das "brauen Dorf" angucken

Das kleine Dorf, in dem alle Straßen gleich heißen - nämlich Oberprex -, war plötzlich im Fokus der lokalen Medien. Politiker kamen und sprachen von Prävention und von Verboten, ein runder Tisch wurde gegründet, der Staatsschutz warb um Informationen und Informanten. Von Schlagzeile zu Schlagzeile kamen immer mehr Autos ins deutsch-tschechische Grenzgebiet. Im Schritttempo fuhren sie durch Oberprex: das "braune Dorf" angucken, nach Neonazis Ausschau halten.

"Ein regelrechtes Public Viewing war das", ärgert sich einer der Nachbarn, der wie so ziemlich alle in Oberprex seinen Namen nicht in der Zeitung lesen will. Er will "das gute nachbarschaftliche Verhältnis" nicht gefährden. Schließlich hätte es schlimmer kommen können: "Stellen Sie sich vor, eine ausländische Familie zieht da ein, die dann Halligalli macht. Ich weiß nicht, ob das besser ist." Der Herr Gentsch achte wenigstens auf Ordnung, und höflich sei er auch.

Als er Dutzende Neonazis zur Einweihungsparty in sein neues Haus geladen hatte und die wenigen Nebenstraßen von Oberprex mit Polizeibussen vollgestellt waren, informierte der Rechtsradikale seine Nachbarn per Postwurfsendung: Linkslastige Medien und "die Antifa-Journaille" würden "Halbwahrheiten und gezielte Lügen" verbreiten. Er plane in Oberprex kein braunes Zentrum, das Gebäude werde "rein zu Wohnzwecken genutzt, wo natürlich auch mal Geburtstage gefeiert werden".

Elf Monate sind seither vergangen, die Polizei ist verschwunden, die Politiker auch, die Neonazis jedoch sind geblieben. Gentsch sitzt zwar seit April wegen Körperverletzung und Beleidigung im Gefängnis, "revolutionäre nationale Personen" kümmern sich jetzt um das Haus, heißt es auf einer Neonazi-Homepage. Die Partys gehen weiter.

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