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Denkmalschutz:Lieb und teuer

Die Hypo-Kulturstiftung vergibt ihre Denkmalpreise an das Schloss Bullachberg im Königswinkel sowie an die Burg Grünsberg im Nürnberger Land

Von Hans Kratzer

Zu Füßen der Königsschlösser Hohenschwangau und Neuschwanstein liegt tatsächlich noch ein Schloss, und zwar das Anwesen Bullachberg. Einzigartig ist dessen Lage: Der Bullachberg liegt als Erhebung in Schwangau unmittelbar nördlich von Neuschwanstein. Von hier bietet sich ein faszinierender Blick auf die Allgäuer Alpen mit den Königsschlössern. Bei der Vergabe der mit jeweils 20 000 Euro dotierten Hypo-Denkmalpreise wurde dieses Bauwerk am Dienstag als herausragendes Sanierungsbeispiel gewürdigt. Eine weitere Auszeichnung ging an die Burg Grünsberg bei Altdorf im Nürnberger Land. Sie zählt zu den wichtigsten Kulturdenkmälern Mittelfrankens und wurde als ein Musterbeispiel sorgfältiger konservatorischer Aktivitäten gelobt.

Die Preisträgerinnen Rotraut von Stromer-Baumbauer (Burg Grünsberg) und Elisabeth von Elmenau (Schloss Bullachberg) reihen sich in die Reihe ihrer Vorgänger ein. Fast 200 Preise und Anerkennungen hat die Hypo-Kulturstiftung in den vergangenen 30 Jahren an private Eigentümer vergeben, die sich für die Erhaltung von Baudenkmälern engagiert haben. Ein solcher Einsatz "ist für die Besitzer nicht nur finanziell aufwendig, er kostet auch Zeit und Kraft", sagte Kultusminister Ludwig Spaenle bei der Verleihung in München. Er verwies dabei auf den Entschädigungsfonds Bayern, mit dessen Hilfe der Staat die Sanierung von Baudenkmälern unterstütze. Mehr als 850 Millionen Euro aus diesem Topf wurden bisher landesweit zur Verfügung gestellt. Nach Schätzungen wurde damit ein Sanierungsvolumen in der Größenordnung von 3,5 Milliarden Euro angestoßen.

Hypo-Kulturstiftung Uta Hassler

Das in Schwangau landschaftlich reizvoll gelegene Schloss Bullachberg wurde 1904 errichtet und diente früher als Sommersitz von Unternehmern und Adeligen. Heute steht es offen für Feriengäste und Kultur.

(Foto: Atelier Dirk Altenkirch)

"In diesem Jahr waren besonders Objekte beeindruckend, die sich durch langjähriges Engagement der Eigentümer und pflegerische Konzepte auszeichnen - in beiden wurde auf Ertragsmaximierung durch Vermarktung verzichtet," sagte die Denkmalpflege-Professorin Uta Hassler im Namen der Jury in Richtung der Preisträgerinnen. Bullachberg entstand 1904 nach den Plänen von Eugen Drollinger, dem letzten Baumeister König Ludwigs II. Das Bauwerk diente einst als Sommersitz, seit den 1990er-Jahren stand es leer. Elisabeth von Elmenau kaufte es 2012, um dort zu wohnen und eine ökologische Landwirtschaft zu betreiben. Das Haus steht offen für Feriengäste und kulturelle Veranstaltungen. Die alte Bausubstanz ist mit großen Teilen der Ausstattung erhalten. Elisabeth von Elmenau hat sämtliche Kosten ohne öffentliche Fördergelder selbst getragen.

Die in staufischer Zeit erbaute Burganlage Grünsberg liegt auf einem Felsen südwestlich von Altdorf. Die reiche historische Ausstattung ist geschlossen erhalten. Seit 1750 befindet sich das Schloss im Besitz der Familie Stromer von Reichenbach. 1993 wurde die Burganlage mit dem gesamten historischen Inventar in eine Familienstiftung überführt, die Stromer'sche Kulturgut-, Denkmal- und Naturstiftung. Rotraut von Stromer-Baumbauer führt das familiäre Erbe fort. Sie kümmert sich seit vielen Jahren um die Instandhaltung, obgleich die finanzielle Belastung dabei die Grenzen des Möglichen streift. Die Familie Stromer und viele ehrenamtliche Helfer arbeiten an der Wiederherstellung und Pflege vieler Bauteile und der Außenanlagen. Die Burg ist öffentlich zugänglich für Konzerte und Führungen.

Hypo-Kulturstiftung Uta Hassler

Blick in das Interieur von Burg Grünsberg: Die reiche historische Ausstattung ist geschlossen erhalten. Die Anlage spiegelt gesamtdeutsche Kulturgeschichte wider.

(Foto: Atelier Dirk Altenkirch)

Insgesamt vermitteln die von der Kulturstiftung prämierten Gebäude das Bild einer intakten bayerischen Denkmallandschaft. Doch der Schein trügt. Die rapide Kapitalisierung aller Lebensbereiche zieht auch die Frage nach sich, ob Denkmalpreise überhaupt noch eine Zukunft haben. Für Uta Hassler steht die Legitimation einer Auszeichnung wie des Hypo-Denkmalpreises außer Frage. "Schließlich hilft sie uns, das Nachdenken über die langfristige Erhaltung von Werten und Gebäuden zu verbessern." Die Hypo-Kulturstiftung hat bisher mehr als 1,4 Millionen Euro Fördergelder in den Denkmalpreis investiert. Gerüchte, sie wolle sich aus diesem Engagement zurückziehen, hat die Hypo-Kulturstiftung am Mittwoch dementiert.

© SZ vom 26.10.2017

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