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Denkmalschutz:Knatsch in Dobl

Die 800 Jahre alte, verwunschen in einem Wald gelegene Burgruine im Landkreis Deggendorf wäre längst vergessen, wenn es dort nicht den Daabler Kirta und uralte Bilder gäbe. Eine brennende Frage ist allerdings, ob man die Jahrhunderte alten Fresken freilegen soll oder nicht

Wer ein Faible für Burgen und alte Gemäuer besitzt, der kommt in Bayern voll auf seine Kosten. Die 45 Schlösser, Burgen und Residenzen, die dem Staat respektive der staatlichen Schlösserverwaltung obliegen, lohnen jeden Besuch. Sehenswert sind aber auch die vielen privaten Denkmäler. Vor allem jene, die liebevoll in Schuss gehalten werden und dem Land seine Prägung verleihen. Und dann gibt es noch die Burgruinen, steinerne Zeugen einer untergegangenen Welt, an denen die Patina des Mittelalters am sichtbarsten haftet. Allein im Landkreis Deggendorf gibt es fünf solcher Relikte.

Am bemerkenswertesten ist dort die Burgruine Dobl, deren Aura durch die verwunschene Lage im Wald noch verstärkt wird. Auch der Name deutet an, dass dieser Ort reich an Merkwürdigkeiten ist. Die Ruine liegt in einem Tobel, einem vorgeschobenen Kamm des Bayerwalds, heißt amtlich Dobl und wird Daabl genannt. Früher, so heißt es, habe sie den Namen Engelsburg getragen, was schon deshalb ein klingendes Zeichen ist, weil es auch in Rom eine Engelsburg gibt. Gegenüber dem Vatikan gelegen, ist sie einst als Mausoleum für den Kaiser Hadrian und seine Nachfolger errichtet und später von den Päpsten zur Kastellburg umgebaut worden.

Einmalig: Das von Restaurator Alois Liebwein sanierte alte Gemälde der Nothelfer ist das einzige Zeugnis, auf dem die Burg Dobl dokumentiert ist.

(Foto: Alois Liebwein)

Für die Engelsburg in Dobl hat sich zwar noch kein Papst interessiert, aber trotzdem sorgt sie regelmäßig für Aufsehen. Im Mittelalter war sie Objekt der Begierde von Reichen und Mächtigen, mal gehörte sie Familien wie den Grafen von Ortenburg, mal den Benediktinern zu Niederaltaich.

Berühmt ist die Dobler Kirchweih. Die in der Burgruine integrierte Kirche ist zwar den 14 Nothelfern geweiht, das Kirtafest wird aber an Johanni (24. Juni) gefeiert. Die Burgherren, also die Familie, deren Hof an die Burgruine drangebaut ist, haben an diesem Tag ein Schankrecht. Es gibt wenige Feste, die eine solch märchenhafte Atmosphäre bieten können wie die Daabler Kirchweih, und so ist es auch kein Wunder, dass Dobl an diesem Tag mehr Besucher und Musikanten zählt als sonst das ganze Jahr über. In diesem Sommer wurde das fröhliche Miteinander allerdings überschattet durch einen Streit, der wieder einmal den Zwiespalt der modernen Denkmalpflege aufgezeigt hat. Der Zwist setzte ein, nachdem von der Decke der Kapelle Teile des Putzes heruntergefallen waren. Darunter kamen alte Fresken zum Vorschein, die sofort das Interesse der Fachleute weckten, immerhin ist die Burgruine mindestens 800 Jahre alt. Ganz unerwartet kam diese Entdeckung freilich nicht, da man schon seit den Sechzigerjahren von möglichen Fresken musste.

Wie soll man mit solchen Funden umgehen? Eine Dauerfrage, die durchaus geeignet ist, Denkmalpfleger und Restauratorenzunft zu entzweien. Manchmal wird um solche Probleme gerungen und gestritten, dass es nur so pfeift. In Dobl entbrannte der Streit um die Frage, ob die alten Fresken zu ihrem Schutz wieder zugepinselt oder offengelegt werden sollten. Letzteres forderte vor allem der Restaurator Alois Liebwein, ein penibler Handwerker und angesehener Kunstmaler der alten Schule, der sich einst mit Restaurierungsarbeiten in der Münchner Residenz, in Nymphenburg und in der Blutenburg einen Namen gemacht hat. Bald ging es in Dobl hin und her und es zeigte sich wie so oft, dass die Denkmalpflege ein vermintes Gelände ist, auf dem man sich bei gleicher Interessenslage trotzdem viele Feinde machen kann. Welch skurrile Folgen dies hat, zeigte sich bei einem Besuch Liebweins mit der Presse in Dobl. Der zuständige Ortspfarrer sperrte die Kapelle kurzerhand zu, eine Besichtigung der Fresken war damit nicht möglich. Wie das Landesamt für Denkmalpflege einige Wochen später bekannt gab, handle es sich bei den Fresken um gotische Malereien, nicht um romanische. Überdies hat das Denkmalamt eine Freilegung im Sinne Liebweins nicht befürwortet: Dies würde zu weiteren Verlusten der Malschichten führen. Der jetzige, teilweise freigelegte Zustand der Malereien sollte belassen werden, teilte das Denkmalamt mit.

Erhaben: Die Burgruine Dobl liegt auf einem vorgeschobenen Kamm des Bayerwalds.

(Foto: S. Michael Westerholz)

Vorhang zu und alle Fragen offen, könnte man jetzt mit den Worten des Literaturkritikers Marcel Reich-Ranicki sagen. Gleichwohl bleibt noch anzumerken, dass sich der Restaurator Alois Liebwein bereits anderweitig um Dobl verdient gemacht hat. Nachdem im Jahr 1970 ein kostbares Gemälde der Nothelfer aus der Werkstatt eines Restaurators verschwunden war, konnte er es nach mühsamer Suche wieder ausfindig machen. Mit seinem Fachwissen rettete er das Bild und machte die einzige erhaltene authentische Darstellung der einstigen Burg Dobl sichtbar. Es ist Zeugnis einer machtvollen Vergangenheit und einer unruhigen Gegenwart.