Deggendorf:Die Deggendorfer AfD-Direktkandidatin fühlt sich ausgegrenzt

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Die AfD Deggendorf heißt quasi Katrin Ebner-Steiner, Direktkandidatin. "Bei der Asylkrise wurde über den Kopf der Menschen hinweg entschieden - das haben sie der CSU übel genommen", sagt sie zufrieden. Freilich, sie hat die Leute aufgehetzt. Auch setzte die AfD auf CSU-Motive wie Familie, Heimat, Christentum; jeweils als bedroht dargestellt durch Flüchtlinge und Islam. Ebner-Steiner braute alles zusammen.

Wahlkampfzitat: Kanzlerin Merkel wäre im Grimmschen Märchen "die Rabenmutter, die die deutschen Kinder zur Strecke bringt", sie wolle die demografische Lücke mit Zuwanderern füllen, "wir machen aber unsere Kinder selbst". Ein Heimat-Wahlkampf, gleichwohl verwehrte ihr ein Trachtenverein die Mitgliedschaft. Mit ihr komme sicher Ärger, hieß es. Die AfD-Frau sprach von "diskriminierender Ausgrenzung", erfuhr mal, wie sich das anfühlt.

Nicht AfD gewählt haben "die regelmäßigen Kirchgänger", glaubt Pfarrer Franz Reitinger. Wer in diesen Tagen im Netz nach St. Martin sucht, der landet bei Artikeln über die Wahl; nicht bei dem, was die Kirche tut, auch für Integration. In der Woche vor der Wahl gab es die "Woche der Begegnungen und des Miteinanders" in Deggendorf, das Projekt der Sankt-Martin-Grundschüler hieß "Afrika erleben". Nicht lang her ist das interkulturelle Donaupicknick, mit deutscher Bratwurst und türkischer Sucuk-Wurst.

Reitinger ist erst seit Kurzem Stadtpfarrer, sein Eindruck aber: "Die Integration läuft sehr gut." Syrer und Iraker hätten sich im Viertel angesiedelt, man helfe sich, "ganz viel Positives". Natürlich bekomme er Sorgen mit über den Ausländeranteil, manche Eltern hätten Kinder gezielt in anderen Kindergärten angemeldet. Aber "kein großer Frust", er sei "schockiert" über die "Denkzettel-Wahl".

Im Dönergrill schräg gegenüber der Kirche. Wie kommt das Ergebnis hier an? Der Chef, aus Pakistan, weiß wohl um die Stimmung im Viertel. Er betont gleich: Seit 20 Jahren sei er hier und habe "keinen Cent genommen vom Staat, immer gearbeitet". Seine Frau, Deutsche, hakt ein: "Ich schäme mich für die Wahl." Die Leute habe aufgeregt, dass zu wenig für Rentner und Obdachlose getan werde, "man muss sich erst um die eigenen Leute kümmern", sagt der Mann. Die Frau ergänzt: "Das würde die AfD aber auch nicht tun."

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