Der Pumuckl in München oder der Kasperl in der Puppenkistenstadt Augsburg – individuelle Ampelmännchen sind auch in Bayern im Kommen, nicht nur mit den Mainzelmännchen in Mainz, es gibt vielerorts noch weitere Ideen. Jetzt hat auch das niederbayerische Deggendorf sein eigenes Ampelmännchen bekommen. Wobei, besser gesagt: eine Ampelfrau, und was für eine! Seit einigen Tagen leuchtet auf einer Fußgängerampel im östlichen Stadtgraben die Knödelwerferin auf.
Knödelwerferin? Die Figur ist eine im kollektiven Gedächtnis Deggendorfs verankerte Gestalt. Die Legende aus der Zeit des Mittelalters, wohl nicht so ganz wahr und deutlich später erdacht, lautet: Als die Stadt belagert wurde und ein feindlicher Spion die Stadtmauer erklomm, schnalzte ihm eine findige Köchin einen Knödel ins Gesicht. Der Späher flüchtete, die Belagerung endete. Aus Angst vor den kuriosen Wurfgeschossen vielleicht, wahrscheinlich unter der Erwägung, dass gegen eine derart gut versorgte Stadt nicht anzukommen sei; wenn man dort Essen sogar durch die Gegend schleudert, dann wäre die Taktik des Aushungerns nicht klug.
Mit der Integration der Geschichte in den Verkehr, teilte die Stadt mit, werde „nicht nur ein Stück Stadtgeschichte gewürdigt, sondern auch die Identifikation der Bürgerinnen und Bürger mit ihrem Lebensraum gestärkt“. Aber da sei noch ein Anliegen: „Erfahrungen aus anderen Städten zeigen, dass individuelle Signalgeber die Aufmerksamkeit erhöhen und die Akzeptanz von Fußgängerampeln insbesondere bei Kindern und Jugendlichen fördern können.“ Beworfen werden, ein Glück, die Passanten nicht. Doch vielleicht hat das Motiv in der Wahrnehmung dennoch disziplinierenden Charakter: Stehen bleiben, sonst gibt’s Knödel ins Gesicht!
Nicht unterschätzt werden darf ein kulinarisch-kultureller Beitrag über Deggendorf hinaus: die Huldigung des Knödels. Oft wird der ja als schnöde Beilage abgetan. Dabei weiß der Kenner, dass ein guter Semmelknödel, mitunter auch ein fränkischer Kartoffelkloß, in einem Fleischgericht der heimliche Star auf dem Teller sein kann.
Nachzulesen bei einem Experten, bei Johann Rottenhöfer, Koch in Diensten von Maximilian II. und Ludwig II., zwei bayerischen Königen also. In dessen Anweisung zur feinen Kochkunst in der herrschaftlichen Küche steht beim Thema Boeuf à la mode: „Besonders aber spielen die Semmelknödel, wie auch gebackene Kartoffelknödel, eine Hauptrolle.“ Na also, Hauptrolle! Auffällig übrigens auch der Plural, „die“ Knödel. In Gasthäusern selbst auf dem Land geht die Entwicklung leider ja dahin, Gerichte mit nur einem Exemplar zu servieren.

