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Debatte um Atomkraft:Laufzeit, Raufzeit

Eigentlich könnten sich die Grünen über die Unterschriftenaktion der SPD zum Atomausstieg freuen. Wenn die Sozis nur nicht so viele Fehler gemacht hätten.

Der Grünen-Landesvorsitzende Dieter Janecek geht mit der Zeit und hat einen Blog. So alle zwei Wochen schreibt er da auch etwas hinein, am Montag war es ein dank Internet weltoffener Brief an die bayerischen Sozis. Über deren Unterschriftensammlung für den Atomausstieg freut sich auch Janecek, nur hat er dummerweise ein paar Fehler im Aufruf entdeckt.

Debatte um die Atomkraft: In einem Aufruf für eine Unterschriftenaktion patzte die SPD gleich mehrfach.

(Foto: Foto: ddp)

Dass die SPD das Kraftwerk Gundremmingen in den fiktiven Ort Grundremmingen verlegte und dessen Reaktorblöcken falsche Namen gab, sind da noch die kleinsten.

Schwerer wiegen die falschen Zeitangaben, wann die bayerischen AKWs vom Netz gehen sollen. Mehr Sorgfalt wünscht sich Janecek; bei den Grünen sorgt man sich, derlei Schludrigkeiten könnten ein schlechtes Licht auf die Kernkraftgegner werfen.

Noch während Janecek bloggte, änderte die SPD ihren Aufruf und schrieb die richtigen Zahlen hinein - sie war schon Tage zuvor von mehreren Seiten auf die Peinlichkeiten hingewiesen worden.

Schön nachzuvollziehen ist auch das im Internet. Da stehen nebeneinander der korrigierte Text und der falsche, alte als Faksimile, versehen mit den Signaturen der Erstunterzeichner: SPD-Fraktionschef Markus Rinderspacher und SPD-Generalsekretärin Natascha Kohnen.

Die erklärt das Durcheinander etwas verschwurbelt mit unterschiedlichen Quellen, die man herangezogen habe. Und nach Nachfragen muss sie einräumen, dass auch in der neuen Fassung Seltsames zu finden ist: Reaktoren seien für eine Laufzeit von 25 Jahren konzipiert, steht da. Wer das festgelegt hat, weiß indes nur die SPD.

Ein kleiner Spaltpilz also zwischen Rot und Grün in München. Die Grünen sollten hier nicht quertreiben, es gehe doch um die gemeinsame Sache, sagt Kohnen.

Doch unterschrieben hat die Listen bislang noch kein prominenter Grüner. Kohnen glaubt, die Grünen seien nur beleidigt, weil nicht sie die tolle Idee der Unterschriftensammlung gehabt hätten. Im April, beim bundesweiten Aktionstag "ausgestrahlt", stehe man ja wieder "Seit an Seit", verspricht Grünen-Chef Janecek den Genossen. Die sammeln ihre Unterschriften bis Juni. Dann jährt sich der Atomausstiegsbeschluss zum zehnten Mal. Damals durchgeboxt in großer Einigkeit von Rot und Grün in Berlin.