Das große SPD-Casting Julian Nida-Rümelin im Gespräch

Auch Pronold, bislang Bundestagsabgeordneter, hat signalisiert, dass er bei einem Wahlsieg nach München wechseln möchte. Für den erst 39-jährigen Parteichef aus Niederbayern müsste also ein Schlüsselressort her: Innen oder Finanzen. Für letzteren Posten gibt es allerdings in der Fraktion als Anwärter schon den Fraktionsvize Volkmar Halbleib, 47, aus Unterfranken, der als kompetenter Beherrscher aller Etatzahlen gilt.

Ebenfalls finanzerfahren ist die frühere Kulmbacher Oberbürgermeisterin Inge Aures, 55, die sich als Chefaufklärerin im BayernLB-Skandal profilierte und wie Halbleib Vize in der Landtagsfraktion ist. Für Wirtschaft stünde der mittelfränkische Abgeordnete Thomas Beyer, 48, parat, der allerdings mit einigen forschen Thesen über die Industriepolitik bei Ude in Irsee Stirnrunzeln hervorrief.

Die Lage wird dadurch verkompliziert, dass es im Erfolgsfall auch die Personalinteressen zweier Koalitionspartner zu berücksichtigen gilt. Und dadurch, dass es in der SPD Gedankenspiele über einen Neuzuschnitt der Ministerien gibt. In Irsee wurde über das Amt eines Integrationsministers spekuliert.

Denkbarer ist eine andere Reform, nämlich ein neues Energieministerium, möglicherweise zusammengeführt mit Wissenschaft und Forschung. Hier stünde die Biologin Natascha Kohnen, 44, parat, ebenfalls Fraktionsvize. Doch auch die Grünen haben ureigenstes Interesse am Energiethema.

Ude selbst hat bislang nur die Namen Julian Nida-Rümelin und Axel Berg für künftige Aufgaben ins Gespräch gebracht. Der Münchner Philosophieprofessor Nida-Rümelin, 57, war unter Ude Münchner Kulturreferent; Berg, 52, saß bis 2009 für München im Bundestag und gilt als Vorkämpfer der Energiewende und als schlagkräftiger Wahlkämpfer.

Mindestens im Spaß wird in der SPD auch schon über die Ära Ude hinausgedacht - sollte es je eine geben. Rinderspacher scherzte in seiner Irseer Kabarettrede über seine eigene Kampagne im Jahr 2028. Schließlich seien seine Zustimmungswerte in der jüngsten Umfrage gestiegen: "Ich habe mich um zwei sensationelle Zehntelpunkte von 3,3 auf 3,1 verbessert. Florian Pronold liegt genau diese zwei Zehntelpunkte hinter mir." Das, so spöttelte Rinderspacher, sei doch eine klare "Vorentscheidung für die Nachfolge von Ministerpräsident Ude".